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Lebhaft lebt sichs besser

Pit ist ein lebhafter Hund, doch manchmal hinkt er. Die Halterin macht sich zwar Sorgen, hofft aber, dass die Sache schnell vorbei geht. Leider ist das nicht der Fall.

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Alamy
30. Januar 2013

Chantal Ritters Patient konnte nach der Operation der Ellbogen wieder nach Herzenslust herumtollen.


Der junge Labrador wedelte im Behandlungsraum herum. Immer, wenn er am Schrank vorbeikam, klopfte es hohl und laut. Die Besitzerin meinte, er lahme neuerdings. Pit habe heftig gespielt, sei umgefallen und seitdem hinke er. Ich untersuchte seine Beine. Hinten schien er keine Schmerzen zu haben. Versuchte ich aber seine linke Vorderpfote zu biegen und zu strecken, setzte sich Pit hin und versuchte, rückwärts meinem Griff zu entkommen. Das andere Vorderbein schien ihn ebenfalls etwas zu schmerzen.

Ich stand auf und meinte: Pit hat ein Problem mit den Knochen am Ellbogen. Viele Hunde dieser oder ähnlicher Rassen haben es. Es heisst Ellbogendysplasie, kurz: ED, und bedeutet, dass nebst anderen Veränderungen ein Knochensplitter abgesprungen ist. Bei Bewegung reibt es und schmerzt. Sie sollten Pit röntgen lassen. Die Hundehalterin holte Luft. Nein, Pit ist nur gestrauchelt. Ein Röntgenbild ist zu teuer. Versuchen wir es mal mit Schmerzmitteln! Ich sah Pit erst bei der nächsten Impfung wieder. Es ging ihm gut und die Besitzerin berichtete mir, dass Pit immer noch zwischendurch hinke. Kaum aber erhalte er ein paar Tage Schmerzmittel, sei alles wieder in Ordnung. Auf mein Drängen hin liess sie den lebhaften Pit nun doch röntgen. Auf den ersten Blick sah alles gut aus.

Bei genauerem Hinsehen aber entdeckte man bereits leichte Arthroseanzeichen an beiden Ellbogen. Und Pit hatte leider doch eine ED. Ich sprach über die Vor- und Nachteile einer Operation. Ohne Eingriff würden Pits Ellbogen durch die sich bewegenden Knochenfragmente immer wieder gereizt. Da er es an beiden Ellbogen hatte, lahmte er nur selten. Pit war aber noch jung. Wie sähe er in drei bis vier Jahren aus? Eine Operation könnte das Fortschreiten der Arthrose verhindern. Dabei würde der Chirurg die Fragmente entfernen. So würde nichts mehr im Gelenk reiben. Pit müsste lediglich eine Zeit lang, bis die Operationswunden gut verheilt waren, an der Leine laufen.

Die Halterin stimmte einer Operation schliesslich doch zu. Zum Fädenziehen kam Pit wieder in meine Praxis. Er war lebhaft wie immer und man merkte kaum, dass er an beiden Ellbogen operiert war. Lediglich sein beidseits rasiertes Fell deutete darauf hin. Die Besitzerin meinte, dass ihr Hund jetzt noch lebhafter sei. Offensichtlich hatte er vorher bereits seine Ausdauer wegen der Schmerzen verloren gehabt. Die Halterin aber hatte das auf sein Erwachsenwerden zurückgeführt. Jetzt habe ich wieder einen extrem lebhaften Hund! Ich hätte gar nicht gedacht, dass er so voller Energie ist.

(Coopzeitung Nr. 05/2013)

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