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Familie

Ein bunter Hund

Aron und sein Herrchen sind ein originelles Paar. Eines Tages hat der alte Hund einen Unfall. Doch sein Halter ist knapp bei Kasse.

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Getty Images
16. Juni 2014

Ein Sprung aus dem Fenster ist auch für einen Hund keine gute Idee.


So beginnt ein ausgefallener Heilungsprozess. Er ist aus dem Fenster gesprungen, aus dem 2. Stock! Ich bereitete mich auf einen Notfall vor. Sauerstoff, Transporttrage, Nähsachen: Alles liess ich bereitstellen. Dann humpelte ein alter, grauer, zotteliger Hund in die Praxis. Sein Besitzer war ausser Atem, hatte er ihn doch in einem Veloanhänger transportieren müssen. Hie und da macht er einfach solchen Unsinn!, meinte er bestürzt. Es ist nicht das erste Mal, doch er ist noch nie vom zweiten Stock gesprungen.

Aron sah recht munter aus. Vorne rechts humpelte er stark und blutete aus dem Maul. Doch sonst sah man ihm nichts an. Dem Besitzer zuliebe konnte ich für die Untersuchung nicht viel ausgeben. Aron hatte zwei seiner Zähne verloren. Seine Vorderhand war gebrochen. Auf dem Röntgenbild sah man eine feine Risslinie durch mehrere Vorderfusswurzelknochen. Eine Operation kam nicht infrage. Also wurde der Hund in Narkose von seinen Zahnstummeln befreit und sein Bein bekam eine Schiene.
Als Aron erwachte, versuchte er immer wieder, seine Beinschiene abzuschütteln. Aron muss seine Vorderhand ohne Belastung gestreckt halten, bis seine Knochen verheilt sind. Steht er drauf, so wachsen sie in einem Winkel zusammen und er wird lebenslang hinken müssen, da seine Gelenke am Fuss wegen der falschen Haltung überlastet werden. Ich wollte ihn wöchentlich zur Verbandskontrolle se-hen. Doch sein Besitzer fragte, mit einem Blick auf sein Portemonnaie, ob er auch eine Kontrolle bezahlen müsse, wenn er ihn mir vor der Praxis zeigte.

Danach wurde mir draussen jede Woche ein Hund vorgeführt, der die originellsten Verbände anhatte. Mal trug er einen rosa Plastik um die Pfote, da es regnete, mal ein Stück Velopneu, um dem Abrieb auf dem Teer vorzubeugen. Ich erhielt regelmässig Nachricht, wo das stärkste Klebeband am günstigsten zu kaufen sei, da Aron trotz seiner fehlenden Zähne immer wieder die Schiene annagte.
Sein Besitzer machte es gut. Aron hatte kaum Druckstellen, als wir nach mehreren Wochen die Schiene abnehmen konnten. Das Bein war gerade. Eifrig wollte er seine dünne Pfote lecken. Doch um sie noch etwas zu schonen, musste er wieder eine Socke tragen. Diesmal war es eine grüne.

Falls Sie ein gravierendes Problem haben, können Sie eine Frage an Tierärztin Dr. Chantal Ritter stellen. Beachten Sie aber, dass Chantal Ritters Ratschläge eine erste Einschätzung der Lage sind, doch im Ernstfall nicht den Besuch eines Tierarztes ersetzen können. Die Tierarztsprechstunde finden Siein unserer Online-Tiercommunity.

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