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Igel auf Französisch

Eine Austauschschülerin im Welschland würde eigentlich gerne zwei verlassenen Baby-Igeln helfen. Doch sie ist bald überfordert: Sprachschwierigkeiten und überhaupt.

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Getty Images
23. Juni 2014

Was soll mit den kleinen verwaisten Igelchen geschehen?


Haben Baby-Igel weisse, kleine Stacheln?, lautete die hilflose Frage an mich. In der Pfingsthitze lagen seit Längerem zwei Baby-Igel in der Sonne: wimmernd inmitten von Ameisen auf einem Kinderspielplatz. Die Erste, die sich ihrer annahm, war eine Austauschschülerin beim Kinderhüten. All dies geschah im Welschland. Offensichtlich war die Igelmama umgekommen. Tellersense oder Auto waren vermutlich ihr Tod gewesen. Jedenfalls krabbelten die hungrigen Jungen aus dem Nest. Die Austauschschülerin aber hatte ein Problem. Was Igel auf Französisch heisst, habe ich herausgefunden: l'hérisson. Doch wie sagt man Igelstation? Wie erkläre ich, dass es noch Säuglinge sind und was mache ich überhaupt mit ihnen?

Ich erklärte ihr erst, dass diese Baby-Igel nicht nur Durst, sondern auch eine übervolle Blase haben. Baby-Igel pinkeln erst nach einer Massage. Mit dem Handy auf Lautsprecher erläuterte ich auf Deutsch, wie man Baby-Igeln hilft. Dann versuchte ich ihr einen Rat zu geben, wie man einen Schoppen, der die zwei Kleinen etwas aufpäppeln sollte, zubereitet. Zur Not tut es schwach mit Traubenzucker gesüsster Fencheltee mit etwas Kaffeerahm. Fencheltee auf Französisch? Äähh, tisane de fenouil. Traubenzucker? Kaffeerahm? Spritze zum Schöppelen auf Französisch? Mein Welschlandaufenthalt war bereits länger her. Hilflos fragte ich zurück, wer hier Austauschschüler war! Die Schülerin meinte, sie lerne sehr viel, nur nicht Französisch rund um den Igel. Ein weiteres Problem war ihr Job. Ich kann unmöglich mit meinem anvertrauten Kind in der Gegend herumkurven. Selbst der Tierarzt konnte nicht helfen. Er wollte mir etwas Katzenmilch geben, doch ich kann nicht alle vier Stunden Igelchen füttern, weder meine Gasteltern noch meine Schule haben Freude daran. Abgesehen davon, dass ich mit dem anvertrauten Kind nicht so weit Bus fahren und laufen kann, um zum Tierarzt zu gelangen.

Der eine kleine Igel schaffte es nicht, und wurde an einem Weinberg beerdigt. Der zweite aber war stärker und lebte noch, als die Gastmutter von der Arbeit kam. Sie wurde eingespannt und brachte den Kleinen zu der von der Westschweizer Igelhilfe angegebenen Station. Schliesslich meinte die Schülerin in bestem Französisch: Il ma regardé. Il a les yeux bleus, mon petit hérisson!

Falls Sie ein gravierendes Problem haben, können Sie eine Frage an Tierärztin Dr. Chantal Ritter stellen. Beachten Sie aber, dass Chantal Ritters Ratschläge eine erste Einschätzung der Lage sind, doch im Ernstfall nicht den Besuch eines Tierarztes ersetzen können. Die Tierarztsprechstunde finden Siein unserer Online-Tiercommunity.

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