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Familie

Heilen im Akkord

Die Beine des kleinen Vogels sehen ungesund aus. Sie sind kalkig weiss. Eine Infektion. Er ist nicht der Einzige. Der ganze Bestand des Besitzers ist betroffen.

FOTOS
Alamy, zvg
30. März 2015

Sie begeistern mit ihrem Gesang, sind aber auch empfindliche Kerle: die Kanarienvögel.


Ruhig öffnete ich die Türe des Vogelkäfigs. Er war klein, damit der Vogel nicht herumflattern konnte. Ich nahm ihn mit einem kleinen Tuch in die Hand. Genauso ruhig schaute der Kleine umher. Sein Besitzer hatte ihn vor längerer Zeit gekauft. Jetzt war ihm aufgefallen, dass sich seine Beine verändert hatten. Bei dieser Gelegenheit schnitt ich dem Kanarienvogel gleich die Krallen. Alles an seinen Beinen war kalkig weiss. Er hat Milben. Ich zeigte dem Besitzer die Veränderungen mit den kleinen Löchern in der Haut. Das sind Milben, die die Vogelhaut reizen. Sie sind ansteckend und wir müssen den gesamten Bestand behandeln.

Eine Vogelparade

Ein Tupfer eines Medikaments auf die Haut genügte. Dann schnitt ich dem Vogel zur Sicherheit noch seinen Ring weg, denn bei verdickten, entzündeten Vogelbeinen können die Ringe leicht einwachsen. Der Besitzer kam daraufhin mit all seinen Vögeln vorbei. Jeden Tag hatte er einen anderen bei sich. Ich wusste nicht, wie viele Vögel er besass und wie er es fertigbrachte, täglich einen anderen einzufangen.

Schliesslich siegte die Neugier und ich fragte. Ich habe um die 30 Stück, erzählte er stolz. Sie leben in verschiedenen Käfigen und täglich lasse ich sie im Büro fliegen. Vor meinem Fenster habe ich eine Kletterpflanze, die sie als Landeplatz lieben. Ich fragte ihn nach den Gründen der Milbeninfektion. Dazu meinte er lächelnd, er habe vor einiger Zeit einmal einen verletzten Spatz im Zimmer gehabt. Er habe ihn neben einer grossen Fensterscheibe gefunden. Nach kurzer Zeit sei der Spatz wieder fit gewesen und ins Freie gesetzt worden. Ich riet ihm von solchen Aktionen ab. Nicht nur, dass Spatzen Krank heiten und Parasiten in eigene Bestände bringen. Sie sind auch Wildtiere und fühlen sich in Wohnungen gar nicht wohl.

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