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Gutes für den besten Freund

Haustiere machen Menschen glücklich. Das belegen Studien. Was aber brauchen Hunde und Katzen, um sich im Heim ihrer Halter wohlzufühlen?

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Daniel Ammann
08. Oktober 2018

Ausgedehnte Spaziergänge sind ein Muss. Mike und Bea Heierli gönnen ihrer Hündin Asira regelmässigen Auslauf.

Kater Filou liegt im Rasen und leckt sich das Fell. Hündin Asira hat daneben ihre Pfoten von sich gestreckt und schnuppert an Filous Bauch. Wie ein Herz und eine Seele liegen Hund und Katze im Garten der Familie Heierli in Bühler AR. Hier leben Bea (48) und Mike (63) Heierli mit ihren Töchtern Sabrina (22) und Angela (20). Ein weiteres Büsi – der Kater Balu – wohnt ebenfalls bei Heierlis. «Er verzieht sich aber immer, wenn wir Besuch haben», sagt Bea Heierli.

Haustiere sind in der Schweiz weit verbreitet. In 43 Prozent aller Haushalte leben Tiere, vorwiegend Katzen. Fast jeder dritte Haushalt (28 %) hat eine Katze. An zweiter Stelle folgen Hunde (12 % der Haushalte), gefolgt von Fischen in Aquarien (4 %) sowie Hasen und anderen Nagern (3 %) (Quelle: Verband für Heimtiernahrung und Bundesamt für Statistik).

Viel Auslauf und Platz

Bei Heierlis gehören Katzen seit über 20 Jahren zum Familienleben. «Die erste habe ich verwahrlost auf der Strasse aufgelesen», erzählt Bea Heierli. Nach dem Check beim Tierarzt hat sie sich entschieden, das Tier zu behalten. Als die Familie das Haus in Bühler bezog, kaufte sie einen Hund. «Das war der Wunsch der Mädchen», sagt Bea Heierli. Der Entscheid war gut durchdacht. «Ein Hund braucht viel Zeit zum Spazierengehen und Spielen und er braucht Platz», sagt die Tierhalterin. Jedes Familienmitglied leiste einen Beitrag, damit der Hund genügend Auslauf habe, sein Revier erkunden könne und mit anderen Hunden in Kontakt komme. Morgens und mittags geht Bea Heierli mit dem Hund raus und übt verschiedene Befehle mit ihm, am Abend macht ihr Mann einen ausgedehnten Spaziergang mit Asira. «Wenn ich arbeite, springen unsere Töchter ein», sagt Mutter Bea. Ist Asira nicht auf Achse, kann die Hündin im Garten mit den Katzen oder Stofftieren spielen, zudem hat sie mehrere Rückzugsorte im Haus.

Bei Familie Heierli darf Hündin Asira sich im Garten austoben und mit Plüschtieren spielen.

Der Schnauzer-Mischling ist der zweite Hund von Heierlis. Der erste musste mit 13 Jahren krankheitshalber eingeschläfert werden. Der Abschied fiel schwer. «Er war unser ständiger Begleiter. Die Lücke war gross», sagt Bea Heierli. Für einige Zeit hatte die Familie bewusst keinen Hund. Bis alle feststellten: Es fehlt etwas. «Haustiere tun einem Menschen gut», sagt die Tierliebhaberin. Das ist wissenschaftlich belegt. Psychologinnen der Ruhr-Uni Bochum (D) haben in einer Studie mit mehr als 600 Tierhaltern herausgefunden, dass Haustiere unter gewissen Umständen glücklich und zufrieden machen. Nämlich dann, wenn die Tierhalter das Haustier als wichtige Aufgabe in ihrem Leben begreifen. Tun sie dies, ist auch den Tieren geholfen. Denn für Tierärzte ist klar: Damit sich Haustiere wohlfühlen, müssen sie die Zuwendung erhalten, die sie fordern, wie auch Philemon Karli (37), Dr. med. vet. und Neurologe am VET Zentrum in Pfungen ZH sagt. Das «Wie viel» sei dabei sehr individuell und hänge stark vom einzelnen Tier ab. «Katzen können je nach Charakter als reine Wohnungskatzen gehalten werden, wenn sie genügend Beschäftigung und Platz haben», sagt Karli. Bei Hunden sei das anders. Diese benötigen Bewegung. «Und damit ist nicht das Gassigehen vor der Haustüre gemeint», so Karli unmissverständlich. Klar gibt es Unterschiede, ein Yorkshire Terrier will weniger Kilometer zurücklegen als ein Hirtenhund wie zum Beispiel der Border Collie. Aber Karli warnt: «Erhalten Hunde nicht das, was sie benötigen, machen sie nicht mit. Es besteht das Risiko, dass sie aggressiv oder krank werden.» Fressen die Tiere nicht mehr, vernachlässigen sie die Fellpflege, werden sie passiv und liegen nur müde da, seien das Zeichen, dass sich Tiere nicht wohlfühlten, so der Tierarzt.

Auch langes Alleinsein kann für Haustiere problematisch sein. Insbesondere Hunde sind an Menschen gebunden. Ein Hund, der seinen Besitzer vermisst, sucht in der Wohnung. Katzen kommen besser zurecht, weil sie sich auch selbst beschäftigen können. «Drei bis vier Stunden allein zu sein, sollte möglich sein», sagt der Tierarzt, «aber auch hier: Das kommt sehr darauf an, wie das Tier reagiert und was es sich gewohnt ist.»

Luxus für das Tier

Alles in allem gibt der Arzt, der insbesondere Katzen und Hunde behandelt, den Haltern seinen Patienten ein gutes Zeugnis in Tierhaltung. Dass die Tierliebe auch zu weit gehen kann, streitet Karli zwar nicht ab: «Die Vermenschlichung der Haustiere hat in den letzten Jahren zugenommen.» Er argumentiert aber differenziert: «Ich finde es legitim, dass man den medizinischen Fortschritt nutzt, um den Tieren ein möglichst langes, möglichst gesundes Leben zu ermöglichen.» Tiere geben vielen Menschen sozialen Halt. Das sei wichtig. Fragezeichen hat Karli aber beispielsweise beim Thema Luxus für Tiere: Brauchen Hunde und Katzen Partys, extra Hotels, Diamanthalsbänder oder einen Luxus-Buggy? «Mit den Bedürfnissen der Tiere hat das jedenfalls nichts zu tun», so der Tierarzt.

Bei den Heierlis haben die Büsis den Luxus, dank Katzentürchen ein- und auszugehen, wann sie wollen, und den Schlafplatz spontan zu wählen. Der Hund kann sich im Haus und Garten frei bewegen und darf die Familie fast überallhin begleiten. Kein Wunder, lässt es sich da schön im Rasen liegen. 


Das sagt der Tierarzt über …

Philemon Karli

Neurologe, Dr. med. vet. dipl. ECVN

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Das VET-Zentrum online

… die Anschaffung von Haustieren:

«Ein Haustier benötigt viel Zeit und kann unter Umständen hohe Kosten verursachen. Das sollte man sich vor dem Kauf sehr gut überlegen. Vor allem die Frage, ob man bereit ist, die Zeit aufzubringen, beispielsweise bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur mit einem Hund nach draussen zu gehen.»

… die Haltung:

«Jedes Tier benötigt seinen Bedürfnissen entsprechend eine artgerechte Haltung»:

«Hunde brauchen viel Aufmerksamkeit, müssen regelmässig ausgeführt und erzogen werden. Sie wollen Kontakte mit Menschen und anderen Hunden, brauchen aber auch ein Mass an Ungestörtheit, am besten an ihrem Ruheplatz.»

«Katzen sind unabhängige Tiere. Sie sind neugierig und brauchen viel Abwechslung, Klettermöglichkeiten, Fangspiele, aber auch kuschlige Rückzugsorte. Katzen sind Gewohnheitstiere. Sie schätzen ihre vertrauten Orte und lieben stabile Verhältnisse in der Familie. Bei Veränderungen kann sich ihr Stress dadurch äussern, dass sie stubenunrein werden, gesundheitliche Probleme entwickeln oder weglaufen und sich ein neues Zuhause suchen.»

… die Fütterung

«Auch die Nahrung muss artgerecht sein. Hunde sind Allesfresser, Katzen Fleischfresser. Es gibt viele Trends wie zum Beispiel die Rohfleischfütterung. Aus medizinischer Sicht sind viele Trends nicht notwendig. Insbesondere der Rohfleisch-Trend birgt auch Gefahren: Wie Untersuchungen ergeben haben, enthalten viele der Produkte Krankheitserreger wie Kolibakterien oder Listerien, die auch für Menschen gefährlich werden können. Wichtig ist, dass Tiere immer Zugang zu frischem Wasser haben.»

… Tierarztbesuche

«Haben Tiere konstant Schmerzen, fressen sie schlecht oder gar nicht mehr, wenn sie sich nicht mehr richtig pflegen, wenn sie während längerer Zeit erbrechen oder Durchfall haben, sollte man unbedingt mit ihnen zum Tierarzt gehen.»


Das brauchen Kaninchen, Hamster und Co. 

Hamster nicht als Streicheltier halten

Im Gegensatz zu Hunden und Katzen ändert sich für Hamster, Kaninchen oder Fische nicht viel, wenn der Besitzer weg ist – Gehege bleibt Gehege respektive Aquarium. 

Zu Haltung gibt Tierarzt Philemon Karli folgende Tipps: 

  • Kaninchen brauchen grosse, gut gestaltete Gehege, in denen sie gut hoppeln können, Sprünge und auch mal Männchen machen können. Zugleich sollen Gehege genügend Rückzugsmöglichkeiten bieten. Als soziale Tiere benötigen sie Kontakt zu Artgenossen. 
  • Goldhamster schlafen am Tag und sind dafür in der Nacht sehr aktiv. Das kann laut zu und hergehen. Hamsterkäfige gehören daher nicht in Schlaf- oder Kinderzimmer. Goldhamster sind Einzelgänger, anders als bei vielen anderen Heimtieren ist es gut, sie allein in einem Käfig zu halten. Sie mögen nicht viel Körperkontakt. Wenn sie sich gestört fühlen, können sie beissen, z.B. wenn Kinder sie herumtragen und streicheln wollen. 
  • Fische im Aquarium brauchen eine bestimmte Wassertemperatur und -Qualität (je nach Art unterschiedlich). Sie tolerieren nur geringe Unterschiede. Grosse Aquarien sind einfacher zu betreuen als kleine, da die Wasserqualität weniger schnell aus dem Gleichgewicht gerät. Die meisten Gesundheitsprobleme treten auf, weil zu viele Tiere ein Aquarium teilen. Eine Überbevölkerung sollte vermieden werden. In Teilen des Aquariums müssen ein Sichtschutz und Rückzugsmöglichkeiten für die Zierfische vorhanden sein. Für Innenaquarien muss ein Tag-Nacht-Rhythmus eingehalten werden. 
  • Kanarienvögel sind soziale Tiere, die nicht einzeln gehalten werden dürfen. Sie benötigen genügend Platz zum Fliegen und Klettern sowie Versteckmöglichkeiten. 

Informationen zu Heim- und Wildtierhaltung