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Wenn das Pfötchen schmerzt

Dem älteren Jack Russell Terrier macht eine Zehe zu schaffen. Sein Frauchen möchte eine Amputation vermeiden.

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Illustration: Jens Bonnke
25. Juni 2018

Vor rund vier Jahren hat sich mein 12 Jahre alter Jack Russell Terrier eine Kralle (Zehennagel) ausgerissen und nun ist die Zehe breiter geworden. Der Tierarzt meint, es wäre eine Amputation nötig. Ist dies wirklich notwendig und wie hoch wären die Kosten?

Sandra M., Liestal BL

Roman Inauen

Dr. med. vet. dipl. ECVS

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Liebe Frau M.

Bei älteren Hunden ist die Ursache für eine Umfangsvermehrung bei Zehen in den meisten Fällen ein Tumor (Neoplasie), trotz der Vorgeschichte eines früheren Traumas. Nur bei einem Fünftel der Patienten handelt es sich entweder um einen gutartigen Tumor oder eine bakterielle Entzündung. Um den Entscheid über eine Zehenamputation bei Ihrem Hund fundiert treffen zu können, sind gewisse Vorabklärungen nötig. Diese können meistens im Wachzustand durchgeführt werden. Mit einer Kanüle werden Zellen im Bereich der Schwellung entnommen und im Labor mikroskopisch untersucht. Meist kann so zwischen einem Tumor und einer chronischen Entzündung unterschieden werden. Wenn mit der sogenannten Feinnadel-Aspiration genügend Material entnommen werden kann, macht auch eine bakteriologische Untersuchung Sinn.

Mit einem Röntgenbild sollte abgeklärt werden, ob der Knochen bereits Anzeichen für eine Auflösung zeigt. Diese Veränderung kann sowohl bei einem Tumor als auch bei einer chronisch bakteriellen Entzündung erkennbar sein. Wenn bei Ihrem Hund mit diesen Voruntersuchungen ein Tumor diagnostiziert wird oder der Knochen bereits angegriffen sein sollte, ist eine Zehenamputation die Therapie der Wahl. Vor der Entfernung einer tumorös entarteten Zehe fertigen wir häufig Lungen-Röntgenbilder an, um bereits vorhandene Ableger sehen zu können. Wir empfehlen zudem vor einer Narkose auch eine Blutuntersuchung.

Bei der Zehenamputation ist eine korrekte Entfernung entscheidend, damit die Gefahr eines erneuten Wachstums möglichst klein ist. Das entfernte Gewebe sollte im Labor untersucht werden, damit man die Art der Veränderung genau kennt und weiss, ob der Prozess komplett entfernt wurde. Die meisten Hunde zeigen nach einer Amputation wieder ein ganz normales Gangbild, da die schmerzhafte Zehe entfernt ist.

Die Kosten für den Eingriff sind extrem variabel und hängen vom Ausmass der Vorabklärungen, der Art der Narkose und der Wahl der chirurgischen Technik ab. Wir empfehlen deshalb, den jeweiligen Tierarzt direkt anzufragen.

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