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Bio-Beats aus der Hitmill

Roman Camenzind und Georg Schlunegger haben für Coop Naturaplan einen Song geschrieben. Für die Erfolgsproduzenten ein (Zitat) affengeiles Projekt.

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Christoph Kaminski
10. September 2012

Begnadete Songpoeten: Die Hitmill-Produzenten Georg Schlunegger (links) und Roman Camenzind können nicht nur komponieren und texten. Sie spielen auch fast jedes Musikinstrument selber.


Reportage

Ready? Play! Ein dicht gewobener Soundteppich durchdringt den Raum. Ein treibender Beat bringt die Luft zum Vibrieren. Die Raps und Rhymes sind messerscharf, die Hookline regt zum Mitsingen an. Bereits nach wenigen Sekunden wippen wir mit dem Oberkörper. Und unsere Füsse stampfen zum Takt. Man kann einfach nicht anders... Wie auch? Was da aus den Musikboxen schallt, ist schliesslich nicht irgendein Hip-Hop-Song, sondern der neuste Wurf aus den Hitmill-Studios in Zürich. Geschrieben und arrangiert von den erfolgsverwöhnten Schweizer Musikproduzenten Roman Camenzind (36) und Georg Schlunegger (31). Aber nicht für Bligg. Und auch nicht für Stress. Nein, für Coop. Genauer: für die neue Werbekampagne der Bio-Marke Coop Naturaplan.

Stop! Rewind! Play! Zugegeben, dass die sechsköpfige Hitmill-Crew um Camenzind auch Songs für Werbespots produziert, ist wohl nicht jedem bekannt. Bekannter sind dafür die Songs selbst. Man denke da nur an die Anti-Raser-Kampagne Slow Down, Take It Easy oder den aktuellen Chartstürmer Welcome Home aus der SBB-Werbung. Unser Zugang zu Musik ist immer derselbe, sagt Camenzind hierzu, wir wollen Hits machen. Dies gelte auch für Kompositionen, die 30 Sekunden dauern und einen Spot untermalen. Wenn im Fernsehen Werbung läuft, kannst du wegschauen, aber nicht weghören, erklärt er. Darum sei Musik auch immer ein wichtiger Bestandteil von Werbung. Und einer, der Emotionen auslösen und einen Eindruck hinterlassen sollte. Das ist die grösste künstlerische Herausforderung: etwas kreieren, was dem Markt, der Masse gefällt.

Pause! Play! Als Camenzind angefragt wurde, für Coop Naturaplan einen Song zu produzieren, sagte er sofort zu: Über die Natur und Bio-Bauernhöfe zu rappen ist so was von quer. Und dann noch in vier Sprachen. Ein affengeiles Projekt! Das könnten wir sonst nie machen. Diese Begeisterung teilt auch Co-Produzent Schlunegger. Er hat unter anderem den gesamten Text geschrieben. Was nur logisch scheint, kennt der Berner Oberländer das Leben auf dem Land doch zur Genüge: Als Kind habe ich oft auf dem Bauernhof meines Onkels mitgeschafft, so Schlunegger. Ich habe beim Heuen geholfen, Schafe geschert und sogar Kälber zur Welt gebracht. Trotzdem war das Texten kein Zuckerschlecken: Bevor ich mit dem Schreiben beginnen konnte, musste ich zuerst die gesamten Bio-Suisse- und Naturaplan-Richtlinien durchackern.

Auf dass Text und Beat perfekt harmonieren: Schlunegger beim Einsingen der Demo-Version.

Stop! Ready? Recording! Noch vor dem Songtext entstand aber die Musik. Zuerst haben wir mit dem Beat angefangen, sagt Camenzind. Bei einem Hip-Hop-Song sei der Rhythmus essenziell, weil er die Geschwindigkeit und die Wortdichte des Sprechgesangs bestimme. In unserem Fall beträgt die Taktrate 80 bpm (beats per minute), was in etwa dem durchschnittlichen Herzschlag eines Erwachsenen entspricht. Wir wollen ja, dass der Hörer am Ende den Text und damit die Botschaft versteht. In einem zweiten Schritt suchten die Produzenten nach passenden Sounds, satten Akkordfolgen, harmonischen Melodien. Es wurde vieles ausprobiert, vieles wieder verworfen.

Und wie klingt das? Wenn Camenzind etwas am Klavier ausprobiert, spielt er aus den Bauch heraus.

Bis der fertige Song endlich stand, vergingen Monate. Komponiert und arrangiert wurde übrigens zum Grossteil mit dem Synthesizer und dem Computer. Was nicht heisst, dass der Bio-Song blutarm oder minimalistisch daherkommt. Oder dass im Entstehungsprozess nicht auch mal eine Bassgitarre oder ein Klavier zum Einsatz kamen. Das Wichtigste war, so Camenzind, etwas zu kreieren, das musikalisch ist, lebendig, fett.

Stop! Fast-forward! Play! Nun steht er also, der neue Coop-Naturaplan-Song über die Liebe zur Natur, zur Bio-Landwirtschaft und zu biologisch produzierten Lebensmitteln. Bleibt noch die Gretchenfrage: Wie haben es die beiden Musikproduzenten eigentlich mit Bio-Produkten und der Ernährung? Wir versuchen uns schon gesund zu ernähren, sagen Camenzind und Schlunegger. Aber? Aber im stressigen Studioalltag ist das nicht immer so einfach. Stop! Eject!

Neugierig?

Ab Montagmorgen, 17. September 2012, können Sie die dreiminütige Version des Coop-Naturaplan-Werbespots anscheuen und den Song von Roman Camenzind und Georg Schlunegger gratis downloaden. Dazu gibts Making-of-Videos und mehr unter: www.naturaplan.ch

Hitmill: Die Schweizer Hitfabrik

Im Jahre 1997 von Roman Camenzind gegründet, ist Hitmill heute die erfolgreichste Musikproduktionsfirma der Schweiz. Davon zeugen Dutzende Edelmetall-Auszeichnungen und prestigeträchtige Awards, die mit Künstlern wie Baschi, Bligg, Stress, Pegasus, Adrian Stern, Tinkabelle und anderen eingespielt wurden.

Auch internationale Stars finden immer wieder mal den Weg in die Zürcher Studios, darunter Lady Gaga, Maria Mena oder die Black Eyed Peas. Zudem entsteht in der Hitmill Musik für Film und Fernsehen sowie für Werbung. Nebst Camenzind umfasst das Team die Produzenten Fred Herrmann, Georg Schlunegger, Oliver Probst, Philipp Indlekofer und den Praktikanten Oliver Herzog.

Mehr Informationen auf der Internetseite der Hitmill-Studios Lesen Sie das Interview mit Maler Hans Erni welcher für die neue Naturaplan-Kampagne ein kleines Meisterwerk erschaffen hat.