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Nachhaltigkeit: Der grosse Appetit nach Palmöl

Palmöl hat einen schlechten Ruf. Doch zum Palmöl gibt es nur eine Alternative, sagt Darrel Webber, Generalsekretär von RSPO: zertifiziertes Palmöl.

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Yannick Andrea, zVg
22. April 2013

Palmöl wird zwischen dem zehnten Grad nördlicher und zehnten Grad südlicher Breite angebaut (hier Indonesien). Anbau und Ernte erfolgen noch sehr traditionell.


Interview

Darrel Webber ist der Generalsekretär des sogenannten Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), einer Organisation, die den Handel mit nachhaltig angebautem Palmöl fördern will.
Palmöl sei das ertragreichste Pflanzenöl, sagt Webber, deshalb lohne es sich, Palmöl anzubauen trotz seines schlechten Rufs und entgegen vielen Ländern und Unternehmen, die den völligen Verzicht auf Palmöl fordern.

Coopzeitung:Was macht denn Palmöl so gut?
Darrel Webber:
Palmöl ist viermal ertragreicher als alle anderen Öle. Und wir brauchen pflanzliche Öle. Für jede Hektare Palmöl, die wir nicht anbauen, müssten also irgendwo vier Hektaren einer anderen Kultur angebaut werden, um die gleiche Menge pflanzliches Öl zu bekommen. Diese Flächen haben wir schlichtweg nicht. Die einzige Alternative zu Palmöl ist deshalb nachhaltig angebautes Palmöl.

Was ist nachhaltig?
Darunter verstehen wir, dass kein Primärwald gerodet werden darf, es darf keinen Landraub geben, keine sozialen Konflikte, keine getöteten Orang Utans, keine Sklaverei, faire Löhne. Auch der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden muss reduziert werden.

Darrel Webber, Generalsekretär des Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO.

Alles, was Sie in den Tropen anbauen, steht in Konflikt mit der Biodiversität.»

Trotzdem: Auch wenn der Slogan Nein zu Palmöl in Ihren Augen nicht die Lösung sein kann, so sind die Palmöl-Monokulturen eine grosse Gefahr für die Biodiversität in den Anbauländern.
Palmöl wächst in Indonesien, Mali, Thailand, Kolumbien, um nur die grössten Anbauländer zu nennen, zwischen dem zehnten Grad nördlicher und dem zehnten Grad südlicher Breite. Alles, was Sie dort anbauen, steht in Konflikt mit der Biodiversität.

Gibt es genug zertifiziertes Palmöl?
Rund 15 Prozent des gesamten Palmöl-Anbaus sind heute zertifiziert, aber nur die Hälfte davon wird als nachhaltiges Palmöl verkauft, weil das Angebot grösser ist als die Nachfrage. Wir wollen deshalb die Händler und Verarbeiter davon überzeugen, auf nachhaltig produziertes Palmöl umzusteigen. Dafür braucht es aber ein Mehr an Wissen über die Produktionskette.

Warum ist das so viel komplizierter?
Palmöl wird raffiniert. Dabei entstehen unglaublich viele Substanzen und Zutaten für Produkte. Die Lieferkette ist kompliziert und muss für zertifiziertes und nicht zertifiziertes Palmöl streng getrennt werden. Das ist sehr schwierig.

Coop setzt bei den Eigenmarken schon heute auf Palmöl, das als nachhaltig zertifiziert wurde. Was kann der Detailhandel sonst noch tun, um Einfluss auf den Palmölanbau zu nehmen?
Der Detailhandel hat eine sehr wichtige Rolle, denn er ist nahe am Kunden, viel näher als wir vom RSPO. Er kann die Kunden über diese Verwendung von zertifiziertem Palmöl informieren und so mit gutem Beispiel vorangehen. Wir hoffen, dass damit Druck auch auf andere Produzenten entsteht. Wir wissen, dass es in allen Unternehmen Leute gibt, die zertifiziertes Palmöl ablehnen, und solche, die es akzeptieren. Nun müssen wir erreichen, dass sich diejenigen durchsetzen, die es akzeptieren.

Wie schätzen Sie den Lieferanten des Coop-Palmöls ein, die United Plantation?
United Plantation ist eine kleinere Plantage, aber zweifellos eine der besten.

Pflanzliches Fett

Coop verwendet heute in allen Produkten der Eigenmarken zertifiziertes Palmöl. Im Moment sind 30 Prozent der Menge physisch zurückverfolgbar und stammen aus einer strikt getrennten Warenkette. Die restlichen 70 Prozent werden mit Greenpalm-Zertifikaten abgedeckt. Das Palmöl stammt in diesem Fall aus einer Warenkette, in der zertifiziertes und nicht zertifiziertes Öl vermischt sind. Über das Zertifikat ist aber sichergestellt, dass für das im Endprodukt verwendete Palmöl eine entsprechende Menge zertifiziertes Palmöl produziert wurde. Das System ist vergleichbar mit jenem von Ökostrom.

Bis Ende Jahr sollen 80 Prozent der von Coop verwendeten Menge über eine getrennte Warenkette aus zertifizierten Plantagen stammen, die den Kriterien des Roundtable on Sustainable Palm Oil entsprechen. Mit dem Palmöl oder Teilen davon werden Palmfette und Margarine erzeugt, die in verschiedenen Produkten eingesetzt werden. Für die Coop-Blätterteige der Marke Betty Bossi wird seit über einem Jahr nur nachhaltiges Palmöl der Firma United Plantation eingesetzt, das sich bis auf die Plantage zurückverfolgen lässt.