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Von Zürich nach Kairo: Da vergeht die Zeit wie im Flug

Als Passagier bekommt man meist nicht mit, welche vielfältigen Aufgaben die Besatzung eines Flugzeugs auf engstem Raum bewältigen muss. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Markus Kohler
17. Juni 2013

In der kleinen Bordküche wird kurz besprochen, ob alle Trolleys beladen sind und ob der Service starten kann. Das Essen ist superheiss, wenn es aus den Öfen kommt und kann nur mit schützenden Handschuhen angefasst werden. Trotzdem muss es schnell gehen: Die Passagiere möchten schliesslich eine warme Mahlzeit. Für die Reisenden der Business Class wird ein besonderes Dessert aus etwas Süssem und Käsevariationen serviert. Es wird in einem gekühlten Trolley aufbewahrt. Benedict Fanconi checkt an einem Computer, ob alles seine Ordnung hat. Er ist als Maître de Cabin verantwortlich für das Wohl der Passagiere. Sibylle Köbeli-Betschart (links) macht ihren Job mit grosser Leidenschaft. Sie bedient ihre Kunden gerne. Im Rahmen von Swiss Taste of Switzerland werden nicht nur regionale Schweizer Spezialitäten serviert. Auch die Weine stammen meist aus dem betreffenden Gebiet. Flugbegleiterin Ly Aïssai öffnet die Rotweine, damit sie vor dem Servieren etwas atmen können. Flugbegleiterin Sophie Morisod legt die riesigen Pads in die Kaffeemaschinen ein. Nach dem Essen müssen sie ihre Arbeit getan haben, denn dann wird Kaffee oder Tee angeboten. Die Zeit vergeht wie im Flug. Schon landet der Airbus A340 von Swiss International Air Lines in Kairo. Die karge Sandlanschaft ist auch schon zu erkennen.

Das Essen ist superheiss, wenn es aus den Öfen kommt und kann nur mit schützenden Handschuhen angefasst werden. Trotzdem muss es schnell gehen: Die Passagiere möchten schliesslich eine warme Mahlzeit.

Für die Reisenden der Business Class wird ein besonderes Dessert aus etwas Süssem und Käsevariationen serviert. Es wird in einem gekühlten Trolley aufbewahrt.

Benedict Fanconi checkt an einem Computer, ob alles seine Ordnung hat. Er ist als Maître de Cabin verantwortlich für das Wohl der Passagiere.

Sibylle Köbeli-Betschart (links) macht ihren Job mit grosser Leidenschaft. Sie bedient ihre Kunden gerne.

Reportage

Zu Beginn des Fluges checken die Flugbegleiter das Flugzeug nach Gegenständen, die nicht hineingehören.

Alles parat? Kann's mit dem Service los gehen?

Wein, Bier, Säfte, verschiedene Menüs, Servietten, Besteck, Teebeutel, Kaffeepads, Duty-Free-Produkte, verschiedene Essen die Dinge müssen in den Trolleys so verstaut sein, dass bei Start und Landung nichts verrutscht. Bei so viel Wägeli ist es am Anfang schon etwas schwierig, den Überblick zu behalten, wo sich was befindet, sagt Benedict Fanconi.

Für die Gäste aus der Business und First Class wird die Tagespresse sortiert.

Kurz nach dem Start, den auch die Crew angeschnallt auf so genannten Jump seats verbringen muss, springt die Truppe auf. Das Flugzeug düst zurzeit mit 824 Kilometer pro Stunde durch die minus 55 Grad kalte Luft. Davon bekommen die Menschen an Bord nicht viel mit. Für sie summen die Triebwerke nur sanft vor sich hin. Die Passagiere blättern das Bordmagazin durch oder machen ein kurzes Nickerchen.

Für die Flugbegleiter gehts jetzt aber so richtig los: Sie wuseln durch die engen Gänge und die winzige, kaum drei Quadratmeter grosse Küche. Sie heizen Backöfen für die warmen Mahlzeiten vor, bestücken die speziellen Getränke-Trolleys der verschiedenen Flugklassen mit alkoholischen und nicht alkoholischen Getränken und verteilen Zeitungen. Ein Passagier verlangt nach einer Kopfwehtablette und will mit einem Becher Wasser versorgt werden.

Die Crew-Mitglieder kennen die Abläufe aus dem Effeff, jeder erledigt seine Aufgabe und jeder Handgriff muss sitzen. Die Passagiere möchten so schnell wie möglich bedient werden, sagt Fanconi. Deshalb müssen wir effektiv arbeiten. Auf diesem Flug haben wir nur zweieinhalb Stunden für zwei bis drei Service-Wellen, da dürfen keine Hektik und kein Durcheinander entstehen.

Als Chef hat er tausend Dinge im Kopf. Das kommt mit der Erfahrung, irgendwann sind die Abläufe in Fleisch und Blut übergegangen, meint er. Zur Unterstützung gab es früher Checklisten aus Papier in schweren Ordnern, heute hilft ein iPad, intern auch FlyPad genannt, beim Abarbeiten aller Aufgaben. Dass wir nicht mehr so viel Papierkram herumschleppen müssen, erleichtert uns die Sache ungemein im wahrsten Sinn des Wortes, lacht der Maître de Cabine.

Beim Catering kommt zuerst die Erste Klasse und Business Class zum Zug, aber durch die schmalen Gänge der Economy Class ziehen die Flugbegleiter schon die schwer beladenen Getränke-Trolleys. Was darf ich Ihnen zu trinken anbieten?, diese Frage stellt Flugbegleiterin Sibylle Köbeli-Betschart auf diesem Flug bestimmt hundert Mal und dabei immer schön lächeln.

Das gehört zu meinem Job, wer das nicht kann und will, ist falsch am Platz, sagt die junge Frau, die eine ausgesprochene Frohnatur ist. Sie scherzt mit ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen, aber auch mit den Passagieren. Für mich ist es wichtig, dass ich Spass habe bei der Arbeit. Das wirkt entspannend auf viele Passagiere, aber auch auf mich, meint sie. Schliesslich verbringt man vier Stunden auf einem relativ engem Raum.

Das Flugzeug ist auch eine kleine Bäckerei: Die frischen Brötchen sind sehr heiss, wenn sie aus dem Ofen kommen.

Nachdem die Passagiere mit einem ersten Getränkeservice bedient wurden, kommt ein wichtiger Moment: Die in den Öfen erwärmten Menüs müssen auf die vorbereiteten Tabletts platziert und so schnell wie möglich serviert werden. Das verlangt Teamarbeit. Eine Flugbegleiterin holt mit einem Handschuh die heissen Essen aus dem Ofen, die andere platziert sie aufs Essens-Tablett, eine weitere holt die heissen Brötchen aus einem anderen Ofen und bestückt jedes Tablett damit, wieder eine anderer schiebt diese in den Trolley das alles passiert in der kleinen Bordküche.

Auch werden schon die Kaffee- und Teemaschinen angeworfen, denn nach dem Essen müssen die Heissgetränke parat sein. Sobald der erste Wagen mit heissem Essen voll bestückt ist, geht es mit ihm in die Kabine schliesslich soll ja jeder Passagier auch ein warmes Gericht auf den Tisch bekommen.

Sibylle Köbeli-Betschart hat viel Spass bei der Arbeit - das gehört halt auch dazu, um locker und entspannt zu bleiben.

Eine Verschnaufpause für die Crew gibt es während der Essensphase nicht, denn Getränke werden weiterhin serviert. Und von den ersten Passagieren kann das Tablett bereits wieder abgeräumt werden. Ihnen wird danach bereits Kaffee und Tee angeboten. So vergeht die Zeit buchstäblich wie im Flug. Und gleich blinken die Anschnallzeichen wieder auf, was heisst: In 20 Minuten landet der Flieger an seinem Bestimmungsort, in Kairo.

Jetzt heisst es für die Crew, alles aufzuräumen und wieder gut zu verstauen, damit es bei der Landung keine Unordnung gibt. Aber Benedict Fanconi und seine Crew haben es im Griff: Die Küche ist kurz vor dem Start piccobello sauber als hätte es nie ein Essen, kein Getränk, keine Serviette gegeben. Nur ein zarter Kaffeeduft lässt erahnen, was war.

Nach der Landung verabschiedet die Crew, aber auch der Kapitän die Passagiere. Und nach nur einer Stunde Bodenzeit in Kairo beginnt das Spiel wieder von Neuem. Nur mit neuen Passagieren.

Mehr Infos zum Serviceprodukt (Langstrecke) von Swiss International Air Lines (Economy) Mehr Infos zum Serviceprodukt (Langstrecke) von Swiss International Air Lines (Business Class) Mehr Infos zum Serviceprodukt (Langstrecke) von Swiss International Air Lines (First Class)

Wein über den Wolken

Damit die Tester sich nicht vom Etikett oder der Flaschenform beeinflussen lassen, werden die Flaschen unkenntlich gemacht.

Und dafür brauchts natürlich auch die passenden Weine. Dafür gehen Jan Schwarzenbach, Oenologe bei Coop, und Raphael Tanner, Projektleiter Direktverkauf Wein, bei lokalen Winzern auf die Suche.

Joachim Günter (vorne) und Paul Liversedge (dahinter) grübeln: Welcher Wein ist der beste?

Die vorgeschlagenen Weine werden dann in einer aufwendigen Blindverkostung bewertet, unter anderem von Paul Liversedge, Master of Wine, oder Joachim Günter, Leiter der Académie du Vin. Auch Chandra Kurt, eine der bekanntesten Weinkritikerinnen und Herausgeberin des Weinsellers ist dabei. Ich versuche mich beim Tasting immer in die Lage eines Passagiers zu versetzen, sagt sie. An Bord ist die Situation eine andere als beim gemütlichen Zusammensitzen daheim vor dem Cheminée: Es herrscht ein gewisser Geräuschpegel, man sitzt mit wildfremden Menschen zusammen da schmeckt ein Wein einfach anders.

Zur Fachjury gehören weiterhin Sarah Klatt-Walsh, Director of Inflight Product and Services bei Swiss, sowie einige Flugbegleiter, die Erfahrung in Weinkunde besitzen. Sie alle diskutieren über Geschmack, Geruch, Bouquet, Qualität, Traube, aber auch über Etikette, Image und Preislage.

Hoch konzentriert: Chandra Kurt.

Die Weine gibt es allerdings nicht bei Coop in den Supermärkten zu kaufen. Jan Schwarzenbach weiss, warum: In den Coop-Supermärkten setzen wir grössere Mengen um, als viele kleinere Weingüter liefern können. Für die Swiss reicht es, da ein Schweizer Wein nur drei Monate angeboten wird.

Oft werde für die Fluggesellschaft ein beträchtlicher Teil eines Jahrgangs bei einem kleinen Winzer eingekauft. Damit entsprechen wir dem Wunsch der Swiss, exklusive Schweizer Weine an Bord ihrer Flugzeuge zu haben.