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Ausgezeichnet nachhaltig

Bio-Baumwollpionier Patrick Hohmann wurde mit dem Nachhaltigkeitspreis prix eco.swisscanto 2014 ausgezeichnet. Das ist auch ein Erfolg für Coop Naturaline.

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Heiner H. Schmitt
17. März 2014

Strahlen auf der Bühne um die Wette: Moderatorin Susanne Kunz, Patrick Hohmann, Görard Fischer, CEO Swisscanto-Gruppe, und Model Nadine Strittmatter (von links)


Interview

Baumwolle

Patrick Hohmann ist der Gewinner des Schweizer Nachhaltigkeitspreises prix eco.swisscanto 2014. Der Bio-Baumwollpionier konnte die Auszeichnung im Rahmen einer grossen Gala des eco.festival im Kongresszentrum Basel persönlich entgegennehmen. Aller Bescheidenheit zum Trotz: Patrick Hohmann gewinnt den Preis hochverdient. Vor über 30 Jahren gründete er die Garnhandelsfirma Remei AG in Rotkreuz und versuchte ab 1991, biologisch und fair gehandelte Baumwolle in Indien und Tansania zu produzieren. Damit war der Visionär nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern machte auch Coop auf sich aufmerksam: Seit 1995 arbeiten Patrick Hohmann und Coop eng zusammen und lancierten die Marke Naturaline, mit der Coop weltweit die grösste Anbieterin für biologisch produzierte und fair gehandelte Textilien aus Baumwolle wurde.

Coopzeitung: Herr Hohmann, herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung. Hätten Sie den Preis erwartet?
Patrick Hohmann:Nein. Ich war schon sehr überrascht, denn mit Mobility und Sens waren grosse Ideen mitnominiert, denen ich aufgrund ihrer Bekanntheit mehr Chancen einräumte.

Wie kommt es dazu, dass Sie in den Handel mit Bio-Baumwolle einstiegen?
Als wir 1991 einstiegen, hatten wir kein Geschäftsmodell in Sicht. Wir sahen einfach, dass die Baumwollbauern wenig verdienten und einen grossen Teil ihrer Erträge für Dünger und Pestizide ausgeben mussten. Wir waren überzeugt, dass es andere Wege geben musste und haben es mit der biologischen Produktion versucht. Zu Beginn war das allerdings fast eher ein Hobby. Erst zehn Jahre später haben wir ganz auf Bio umgestellt. Man kann nicht einfach ein bisschen Bio machen oder verkaufen.

Sind Sie ein Gutmensch?
Nein, das sicher nicht. Ich meine, eher ein vernünftiger Mensch zu sein, der überzeugt ist, dass Menschen füreinander schaffen müssen. Nicht für Geld, nein, füreinander, und das verlangt eine Beziehung zueinander.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Coop zustande?
Eines Tages erhielt ich einen Anruf eines befreundeten Produzenten aus dem Tessin, der mir erzählte, dass Coop an unserem Produkt interessiert wäre. Also vereinbarte ich einen Termin und sprach mit Jürg Peritz, dem damaligen Marketingverantwortlichen von Coop. Ich hielt mich dabei bedeckt, denn Coop war ein gros-ser Abnehmer und wir hatten nur kleine Mengen zu bieten. Schliesslich war es ja nur unser Hobby. Und so vereinbarten wir, er müsste uns in Indien besuchen, bevor wir weiter reden würden. Und dies tat er dann auch.

Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Nun, was daraus resultierte, ist heute sichtbar im Naturaline-Sortiment. Da hat sich eine grossartige Zusammenarbeit entwickelt. Coop hat den Mehrpreis von biologisch produzierter Baumwolle akzeptiert und verlangte gleichzeitig nach einer ökologischen Produktion. Somit konnten wir mit Naturaline ein Produkt entwickeln, welches ökologisch von A bis Z bedenkenlos ist.

Wohin geht der Weg? Gibt es ein Ziel?
Da gibt es kein Ende. Biologisch anzubauen heisst, sich immer wieder mit den Kräften der Natur auseinanderzusetzen und diese ins richtige Verhältnis zueinander zu stellen. Dies gilt auch im Sozialen. Und da haben wir noch sehr viel zu tun. Erkennbar sind die Ziele erst, wenn wir zurückschauen und sehen können, wie sich ein Dorf dank des Anbaus von Bio-Baumwolle mit all ihren Mehrwerten entwickelt hat.

Was bringt dem Konsumenten dieser Erfolg?
Der Konsument soll ein Teil des Ganzen sein. Darum hat er in jedem Kleidungsstück, welches von uns produziert wird, eine Rückverfolgungsnummer (Traceability Number). Er kann das Produkt zurückverfolgen, kann Interesse zeigen und so wird die Produktionskette immer durchschaubarer. Die Produzenten produzieren etwas für ihn und er will etwas von den Produzenten. Sie werden besser für ihn arbeiten. Er wird liebevoll gemachte Kleider beziehen und in seinem Schrank wird es plötzlich anders aussehen, denn er nimmt teil an dem Schicksal seiner Mitmenschen.

Was ist Ihr grösster Wunsch?
Mein grösster Wunsch wäre, diesem Ziel näher zu kommen. Ein paar Täler mehr mit erhöhter Artenvielfalt, ein paar Menschen mehr, die ihre Umwelt nachhaltig pflegen und eine soziale Welt um sich schaffen, in der es sich lohnt, zu leben. Kurz gesagt, dass die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, würdig leben können. Bio-Baumwolle verbessert die Lebensumstände der Bauern in Indien und Tansania nachhaltig.

Patrick Hohmann

Patrick Hohmann

Patrick Hohmann wurde 1950 in Ägypten geboren und ist im Ausland aufgewachsen. Nach seinem Studium in Deutschland als Textilingenieur war er hauptsächlich im Garnhandel und im Aufbau von internationalen Textilprojekten engagiert. Im Jahre 1983 gründete Patrick Hohmann als Geschäftsführer die Garnhandelsgesellschaft Remei AG in Rotkreuz. Hohmann lebt in Brunnen.

BIO-Mode

Bio-Baumwolle verbessert die Lebensumstände der Bauern in Indien und Tansania nachhaltig.

Coop ist die weltweit grösste Anbieterin von fair produzierten Textilien aus Bio-Baumwolle. Diese wird von rund 8000 Bauern in Indien und Tansania hergestellt. Verarbeitet wird sie nach strengen sozialen und ökologischen Richtlinien.

Das Sortiment von Naturaline umfasst mittlerweile rund 500 Modelle: moderne Alltagsmode und Heimtextilien. Aktuell wurde das Naturaline-Sortiment komplett überarbeitet. Zudem hat Melanie Winiger unter dem Label Naturaline by Melanie Winiger einen Teil der neuen Kollektion mitdesignt.

Naturaline steht für:

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Entlaubungsmittel und Kunstdünger
  • kein gentechnisch verändertes Saatgut
  • soziale Projekte in den Bereichen Bildung und Gesundheit
  • strenge Sozialstandards auf allen Produktionsstufen
  • sparsamer Einsatz von Wasser
  • Färbung/Druck mit Farben ohne giftige Schwermetalle
  • chlorfreie Bleichung
  • 100 Prozent CO2-neutral
Weitere Informationen zu der Coop-Naturaline-Kollektion

Von Erfolg zu Erfolg

30 Jahre Remei AG

Patrick Hohmann und seine Remei AG stehen massgebend für den beispiellosen Erfolg von Coop Naturaline. Ein Blick zurück auf die Meilensteine des Unternehmens.

2014: Patrick Hohmann wird mit dem Schweizer Nachhaltigkeitspreis prix eco.swisscanto 2014 ausgezeichnet.
2013: Sämtliche bioRe-Textilien der Remei AG werden CO2-neutral produziert.
2012: Coop Naturaline ist 100 Prozent CO2-neutral.
2009: Die Remei AG erhält den ZKB Nachhaltigkeitspreis.
2008: 25 Jahre Remei AG.
2006: Die Remei AG und Coop erhalten den Swiss Award for Business Ethics.
2005: Eröffnung der bioRe-Trainingcenters in Indien und Tansania.
2002: Die Remei AG und Coop erhalten den Award for Sustainable Development Partnerships der UNO.
1997: Gründung der bioRe-Stiftung mit dem Zweck, biologische und biodynamische Landwirtschaft zu fördern, insbesondere betreffend Baumwolle als nachhaltige Lebensgrundlage. Die Stiftung unterstützt in diesem Bereich bedürftige Bauernfamilien in Ländern des Südens.
1995: Beginn Naturaline-Partnerschaft mit Coop.
1994: Gründung des Baumwollunternehmens bioRe Tanzania Ltd.
1991: Gründung des Baumwollunternehmens bioRe India Ltd.
1983: Gründung der Remei AG.