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Energiestrategie 2050: Wegweisend

Am 21.Mai kommt das Energiegesetz vors Volk. Bundesrätin Doris Leuthard erklärt, was die Vorlage für uns alle bedeutet.

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Philipp Zinniker
24. April 2017

Bundesrätin Doris Leuthard (54) sieht Nachholbedarf bei der Energieeffizienz.


Abstimmung

Fossile Energieträger wie Erdöl stehen nur für begrenzte Zeit zur Verfügung wie lässt sich der Bedarf künftig mit Alternativen abdecken? Mit seiner Energiestrategie 2050 will der Bundesrat die Energieversorgung der Schweiz sichern.

Das Energiegesetz soll den seit 1950 stets wachsenden Energieverbrauch senken. Müssen wir uns dazu künftig in Verzicht üben?
Nein, wir können den Energieverbrauch ohne Komforteinbussen senken. Mit dem Energiegesetz knüpfen wir an eine bewährte Kombination von finanziellen Anreizen und technischen Vorschriften an: Seit 2000 ist der Energieverbrauch pro Kopf um 14,5 Prozent zurückgegangen und dies trotz Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum.

Wo sehen Sie Nachholbedarf bei der Energieeffizienz?
Bei älteren Gebäuden gibt es nach wie vor viel Sparpotenzial. Daher wollen wir das Gebäudeprogramm weiterführen, das sonst 2019 ausläuft. Und für Unternehmen gibt es finanzielle Anreize, ineffiziente Anlagen zu ersetzen mit dem Energiegesetz steht dafür mehr Geld bereit.

Erneuerbare Energien bis auf die Wasserkraft spielten bei uns bislang keine grosse Rolle. Was soll sich daran ändern?
Für uns ist die Wasserkraft ein grosser Trumpf. Andere erneuerbare Energien wie Sonne, Holz, Biomasse, Wind und Geothermie tragen ebenso zur Versorgung bei, wenn auch auf tiefem Niveau. Doch sie holen auf: Mehr als 40000 Projekte stehen auf der Warteliste. Einheimische erneuerbare Energien das bedeutet zugleich Investitionen und Arbeitsplätze in der Schweiz sowie weniger Abhängigkeit vom Ausland. Denn heute müssen wir noch 75 Prozent unseres Energiebedarfs durch Importe decken.

Die Schweiz hat viel getan, darf sich aber nicht zurücklehnen.»

Innovation, Investitionen und Arbeitsplätze wo sehen Sie dazu die besten Chancen im Bereich erneuerbare Energie?
Zum einen profitiert das ganze Baugewerbe von energetischen Sanierungen, und in neuen Gebäuden kommen intelligente Steuerungs- und Speichersysteme zum Einsatz, die oft von Schweizer Firmen entwickelt wurden. Etwa bei dem energieautarken Mehrfamilienhaus in Brütten, das unter anderem mit ABB-Technologie ausgestattet ist. Auch die farblich abgestimmten Solarpanels an der Fassade sind eine Schweizer Entwicklung. Der Cleantech-Sektor ist in den letzten Jahren bei uns stärker gewachsen als die Gesamtwirtschaft.

Fährt man durch Deutschland, sieht man überall Windräder, die aber umstritten sind. Droht auch uns die Verspargelung der Landschaft?
Nein, denn nicht alle Regionen sind dafür geeignet, und es braucht die Akzeptanz der Bevölkerung. Diese kann sich bei uns früh auf Gemeinde- und Kantonsstufe einbringen. So finden wir gemeinsam pragmatische Lösungen.

Ihr Dienstwagen ist ein Tesla mit E-Motor. Müssen wir mehr Strom importieren, wenn mehr E-Mobile unterwegs sind?
Nein, laut Prognosen werden 2050 rund 40 Prozent aller Autos elektrisch fahren und dazu 4 bis 5 Terawattstunden Strom brauchen, also 6 bis
8 Prozent des heutigen Gesamtverbrauchs. Der zusätzliche Bedarf lässt sich durch Speicherlösungen, Einsparungen in anderen Bereichen, mehr Effizienz und zusätzliche Stromproduktion aus erneuerbaren Energien decken. Schon heute lohnt es sich, ein Elektroauto mit Strom vom eigenen Dach zu tanken.

Strom und andere Energien werden für die Privathaushalte sicher teurer werden?
Nein. Die Schreckensszenarien der Gegner sind unbegründet. Fakt ist: Der Zuschlag zur Stärkung der erneuerbaren Energien wird mit dem Energiegesetz von 1,5 auf 2,3 Rappen pro Kilowattstunde erhöht. Für eine vierköpfige Familie macht das im Schnitt 40 Franken mehr pro Jahr aus. Allerdings lässt sich die Höhe der Stromrechnung mit Einsparungen und Effizienz beeinflussen. Zudem ist die Förderung befristet, sie läuft also in einigen Jahren aus ein klarer Fortschritt gegenüber der heutigen Regelung!

Bei der Eröffnung der neuen Verteilzentrale Schafisheim lobten Sie den Einsatz von Coop für Energieeffizienz und CO2-Reduzierung. Wie wichtig sind freiwillige Massnahmen der Wirtschaft?
Sehr wichtig! Die Freiwilligkeit fusst auf der Überzeugung, dass die Massnahmen sich lohnen: Die Stromrechnung sinkt, für Treibstoff oder die Beheizung von Räumen muss weniger bezahlt werden. Mit der CO2-Vision ist Coop auf dem richtigen Weg. Solche Beispiele zeigen, dass wir die Umwelt schonen und unsere Energieversorgung gewährleisten können. Sicher, sauber, schweizerisch darauf ist unsere Energiepolitik angelegt.

Ist unser Energiegesetz nicht bloss ein Tropfen auf den heissen Stein angesichts des Energieverbrauchs in den USA oder in China?
Im Pariser Klimaabkommen haben sich mehr als 190 Staaten verpflichtet, ihren Verbrauch an fossilen Energien und die damit verbundenen CO2-Emissionen zu senken. Die Schweiz hat viel getan, darf sich aber nicht zurücklehnen. Die USA sind derzeit leider kein Vorbild. China tut viel, teils auch weil die Luftqualität sehr schlecht ist. Die Einbindung von Ländern wie China in das internationale Klimaregime ist ein Erfolg.

Klimaziel

Coop verfolgt ein klares Klimaziel

Bereits 2008 hat Coop sich für den Weg in eine klimaneutrale Energiezukunft entschieden. Seither werden Schritt für Schritt Massnahmen umgesetzt, um die CO-Vision von Coop zu verwirklichen.Bereits vor neun Jahren hat Coop sich das Ziel gesetzt, im Betrieb bis 2023 CO2-neutral zu sein. Durch die Reduktion des Energieverbrauchs und den Einsatz erneuerbarer Energieträger wurde der CO2-Ausstoss bis zum vergangenen Jahr um nahezu 27 Prozent gesenkt.

Effiziente Transporte

Wo immer möglich nutzt Coop bei Warentransporten die Bahn: Im sogenannten unbegleiteten kombinierten Verkehr (UKV), der effizienten Kombination von Schiene und Strasse, beliefert die Coop-Tochter Railcare seit 2013 alle 42 Coop-Supermärkte in Genf ab den Verteilzentralen Aclens VD und Wangen bei Olten. Dies entlastet die Strassen ebenso wie das Klima. Durch die Verlagerung auf die Schiene hat Coop im letzten Jahr über 9,7 Mio. Lastwagen-Kilometer eingespart und den CO2-Ausstoss um 8400 Tonnen reduziert. Zudem hat Coop mehrere Camions mit alternativen Antriebskonzepten wie Wasserstoff-Brennstoffzellen, Batterie-Strom oder Biodiesel in Betrieb.

LED und Solarenergie

Bei den Supermärkten macht die Beleuchtung ein Viertel des Stromverbrauchs aus. Daher setzt Coop bei Neu- und Umbauten nur noch LED-Technik ein, was den Verbrauch im Beleuchtungsbereich halbiert.

Eine weitere Premiere: Seit 2016 wird der Coop-Supermarkt in Weinfelden TG direkt mit Solarstrom versorgt, der vor Ort auf dem Dach des Gebäudes gewonnen wird. Dies deckt ein Drittel des im Laden benötigten Stroms ab. Fünf weitere Anlagen mit Eigenstromnutzung wurden bereits gebaut und für 2017 sind einige weitere geplant.

Coop sammelt Sonnenenergie bereits auf über 25 Dächern und erzeugt so pro Jahr rund 6,1 Mio. Kilowattstunden nachhaltigen Solarstrom etwa ebenso viel, wie 2000 Schweizer Haushalte jährlich verbrauchen.

CO hilft Strom sparen

Viel Energie braucht es auch zur Kühlung von Produkten. Daher setzt Coop schon seit 2010 bei allen neuen oder umgebauten Supermärkten insgesamt 400 bis zum vergangenen Jahr nur CO2 als Kühlmittel für die fest installierten Anlagen ein. Zudem wurden die Kühlregale mit Türen versehen. Zusammen verringert dies den Stromverbrauch um 25 Prozent.

Ausgezeichnete Strategie

Bis zum Jahr 2023 soll der absolute jährliche CO2-Ausstoss bei Coop nur noch halb so hoch sein wie 2008. Die restlichen Emissionen werden ab dann durch die Finanzierung hochwertiger Projekte kompensiert. Das Bundesamt für Energie BFE hat die Coop-Vision und ihre Umsetzung letztes Jahr mit dem Watt dOr-Spezialpreis gewürdigt.

Finden Sie hier weitere Informationen zum Coop-Engagement