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Hallo Panda: Schön, dass es dich noch immer gibt

Artenschutz Pandas sind bedroht wie viele andere Tiere. Doch dank WWF und Co. gelingen immer wieder Trendwenden.

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Daniel Zupanc
13. März 2017

Panda-Frau Yang Yang lebt seit 13 Jahren im Wiener Zoo. Mittlerweile ist sie 5-fache Mutter.


Reportage

Eveline Dungl mit Fu Long, dem ersten Jungen in Wien, geboren 2007 (wie die anderen im Alter von zwei Jahren nach China überführt). 

Long Hui sitzt gemütlich da und mampft genüsslich ein Bambusrohr. Sein tiefenentspannter Lifestyle passt allerdings so gar nicht zum immensen Star-Status, den er geniesst. So lässt er sich nur ab und zu dazu herab, sich den Zuschauern zu zeigen. Diese wiederum reagieren auf jeden seiner Auftritte mit unzähligen Ooohs und Aaaahs. Zugegeben: Beim Anblick des grossen, etwas unbeholfen wirkenden Tieres schmilzt jedes Herz dahin auch solche aus Stein.

Im Augenblick steht der medizinische Check-up des 16-jährigen Pandas an, der mit dem Weibchen Yang Yang im Zoo Schönbrunn in Wien lebt. Pandas sind sehr zarte Tiere. Wir müssen aufpassen, dass sie nicht krank werden, erklärt Zoologin Eveline Dungl, die sich um die beiden Pandas kümmert, seit diese vor 13 Jahren im Zoo angekommen sind. Long Hui ist etwas fauler als Yang Yang. Er macht nur dann bei den Übungen mit, wenn er findet, dass sich die versprochene Belohnung auch wirklich lohnt, erzählt die Panda-Expertin und schmunzelt. Und derzeit scheint es sich zu lohnen. Long Hui steigt auf die Waage, richtet sich auf und lässt sich die Temperatur messen. Dabei wirkt er zwar etwas lustlos, doch wenn es um das Auffangen der Gemüsebälle geht, ist er plötzlich blitzschnell.

Immer schön gemütlich

Nach dem Test widmet sich der Panda wieder seinen Bambusrohren. Wie er da auf seinem Schwanz sitzt, wirkt, als würde er auf einem Sessel thronen. Der Schwanz der Pandas ist gross und übernimmt die Funktion eines Kissens, erklärt Eveline Dungl. Rumfläzen ist bei Long Hui eh ein grosses Thema: Mindestens 80 Prozent des Tages verbringt er wie alle Pandas mit Essen und Schlafen. Von einem stressigen Leben kann da nicht die Rede sein.

Seinen ehelichen Pflichten kommt Long Hui hingegen gewissenhaft nach: Seit seiner Ankunft 2003 in Wien ist er bereits fünf Mal Vater geworden, letztes Mal im vergangenen August. Damals erblickten sogar Zwillinge das Licht der Welt. Seither lebt Mama Yang Yang zurückgezogen in einer Box, wo sie sich um die beiden Kleinen kümmert. Das ist nicht aussergewöhnlich, denn auch in der freien Natur leben Pandas als Einzelgänger und sehr zurückgezogen. Klar ist daher auch, dass die Pflege des Nachwuchses alleinige Sache der Mutter ist. Erst in einigen Wochen werden die Jungen ihren ersten öffentlichen Auftritt haben. Neugierige können auf der Internetseite des Zoos allerdings laufend neue Fotos und Videos der Tiere betrachten.


Am Grundsatz, dass die Babypflege reine Muttersache ist, wird auch im Tiergarten Schönbrunn nicht gerüttelt: Die Zoomitarbeiter mischen sich nicht ein und lassen das Muttertier tun, was es für richtig hält. Wir sind überglücklich, sagt Panda-Expertin Eveline Dungl. Auch weil bisher alle vier Schwangerschaften auf natürliche Weise zustande kamen. Bedenkt man, dass ein Pandaweibchen nur wenige Tage pro Jahr fruchtbar ist, ist dies wirklich ein fantastisches Ergebnis für Schönbrunn: Wien ist der einzige Zoo in Europa, wo junge Pandas ohne künstliche Befruchtung zur Welt gekommen sind. Wir verdanken die erfolgreichen Schwangerschaften vermutlich der Kombination aus der Harmonie, die zwischen den beiden Pandas herrscht, und den guten Bedingungen, die wir den beiden hier bieten können.

Auch wenn es bereits vier Mal geklappt hat, überrascht jede Schwangerschaft das Team aufs Neue. Angesichts der Unmengen an Bambus, welche die Tiere Tag für Tag vertilgen, ist es praktisch unmöglich, eine Ultraschallaufnahme zu machen, erklärt Dungl. Unmengen sind es tatsächlich: etwa 20 Kilogramm pro Tier und Tag, grosse Exemplare verputzen sogar das Doppelte. Chancenlos ist auch der Versuch, von blossem Auge festzustellen, ob ein Weibchen trächtig ist. Bei der Geburt wiegt ein Pandajunges nämlich gerade mal 200 Gramm!

Viel zu tun für den WWF

Dass heute jedes Kind weiss, wie ein Panda aussieht, liegt nicht zuletzt am Künstler und Umweltschützer Gerald Watterson: Bei einem Besuch des Londoner Zoos fertigte er eine Reihe von Skizzen des Pandas Chi-Chi an. Eine dieser Zeichnungen wurde zum Logo des 1961 gegründeten WWF, des World Wide Fund For Nature, der sich weltweit für den Umweltschutz starkmacht.
Arbeit gibt es in diesem Bereich mehr als genug: unzählige Arten Pflanzen wie Tiere sind vom Aussterben bedroht. Am meisten gefährdet sind Arten, von denen nur noch wenige Exemplare existieren und die in beschränkten Lebensräumen leben, erklärt Martina Lippuner vom WWF Schweiz. So gebe es beispielsweise Tiere, die nur in einem bestimmten Wald lebten. Brennt dieser ab, stirbt auch die Art aus! Vor zwei Wochen veröffentlichte der WWF den neuen Living Planet Report, der wenig Freude macht: Jahr für Jahr ist ein Rückgang der Wirbeltiere um zwei Prozent festzustellen. Leider ohne Anzeichen für eine Trendwende, so Lippuner.

Es gibt auch Erfolge

Nach Lösungen sucht auch die Weltnaturschutzunion (IUCN) mit Sitz in Gland VD. Jean-Christophe Vié ist Direktor des Species-Programms, das die Rote Liste bedrohter Arten erstellt. Für das aktuelle Verzeichnis wurden 80000 Arten ausgewertet, das Ziel liegt jedoch bei 160000. So können wir die Lage realistisch beurteilen, erklärt Vié. Zwar zeige sich häufig eine Verschlechterung der Lage, aber es gibt mehr Erfolge, als man denken könnte. Ein Beispiel sind Long Hui, Yang Yang und ihre Artgenossen. Der Panda steht zwar noch immer auf der Roten Liste, aber die Population ist etwas gewachsen, freut sich der Naturschützer. Der Staat China zeigt die Bereitschaft, die Pandas zu schützen.

Die Pandas sind kein Einzelfall. Im Jahr 2008 haben wir die Situation bei den Säugetieren noch einmal unter die Lupe genommen. Dabei stellten wir fest, dass es immerhin 50 Arten besser ging als früher, betont Vié zufrieden. Auch der Living Planet Report des WWF bemüht sich, trotz aller Schwierigkeiten immer wieder positive Signale auszusenden. Auf politischer Ebene hat sich einiges getan, sagt WWF-Frau Martina Lippuner: Da sind die 17 Ziele einer nachhaltigen Entwicklung, welche sämtliche UN-Länder letztes Jahr verabschiedet haben, oder die Unterzeichnung der Klimaziele anlässlich der Klimakonferenz von Paris. Derartige Treffen seien wichtig, da die Länder Verpflichtungen eingehen und Rechenschaft über ihr Handeln ablegen müssten, findet IUCN- Direktor Jean-Christophe Vié. Es stimmt nicht, dass dort nur Lippenbekenntnisse abgegeben werden. 2008 wurde beispielsweise ein Moratorium über den Buckelwalfang unterzeichnet. Und in nur vier Jahren ist die Population dieses vom Aussterben bedrohten Wals um 24 Prozent in die Höhe geschnellt!.

Wilderei richtet Schaden an

Nichts von alledem hat jedoch Einfluss auf den illegalen Handel von Produkten, die von bedrohten Tieren stammen. Die skrupellose Wilderei hat in den letzten Jahren enorme Schäden verursacht, bedauert Vié. Es brauche daher eine konsequente Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. Immerhin werden Wilderer heute vor Gericht verurteilt.

Ein positives Beispiel sind die Weissen Rhinozerosse, von denen es in Südafrika zeitweise nur noch ein paar Dutzend gab. Heute sind es wieder mehr als 10000, auch wenn einige Unterarten im Kongo, in Kamerun und Vietnam leider ausgestorben sind. Vié erwähnt auch die Arabische Oryx, eine Antilopenart. In freier Wildbahn war diese bereits ausgestorben. Dank der Bestände in verschiedenen Zoos konnte sie wieder angesiedelt werden. Auch die Lage der Tibetischen Antilope, die wegen ihrer hochwertigen Wolle stark bejagt wird, hat sich dank eines Plans zur Bekämpfung der Wilderei verbessert. Und an der Konferenz über den Handel mit vom Aussterben bedrohten Arten verpflichteten sich die teilnehmenden Länder, den Handel mit Pangolinen zu verbieten. Der mit Schuppen bedeckte Ameisenbär ist eine der am stärksten durch Wilderei betroffenen Arten.

Jeder kann etwas tun

So wichtig derartige Konferenzen sind: Wirklich etwas verbessern kann nur die Zivilgesellschaft, glaubt Jean-Christophe Vié. Denn wir alle sind Verbraucher und Wähler man braucht nur das entsprechende Bewusstsein und den Willen, etwas zu verändern. Hilfe bietet dazu die WWF-Liste mit Umwelttipps (Link online), von denen sich viele leicht umsetzen lassen.

Partnerschaft

Im Jahr 2006 wurde der Grundstein für die Partnerschaft zwischen Coop und dem WWF gelegt. Damit wurde Coop zur ersten Detailhändlerin der Schweiz, die mit dem WWF umfassend zusammenarbeitet. Die Verbindung erwies sich bisher als äusserst erfolgreich: Der WWF bezeichnete Coop erst vor Kurzem als führendes Zukunftsunternehmen, Grund waren die erreichten Ergebnisse im Bereich Umweltschutz:

  • In Zusammenarbeit mit dem WWF wurden 737000 Tonnen CO2 kompensiert.
  • Der Anteil an nachhaltigem Papier und Holz beläuft sich im Coop-Sortiment aktuell auf 73 Prozent.
  • Der bei Coop verkaufte Frisch- und Tiefkühlfisch stammt zu 100 Prozent aus nachhaltigen Quellen.
  • 95 Prozent des Sojas, das Tieren verfüttert wird und deren Fleisch bei Coop verkauft wird, entspricht den Kriterien des Soja-Netzwerks Schweiz.
  • 92,7 Prozent des für Coop-Produkte verwendeten Palmöls stammt aus nachhaltigen Quellen.
  • Die Zusammenarbeit mit dem WWF hat sich seit dem Jahr 2015 weiter intensiviert. Beispielsweise empfiehlt der WWF die Coop-Eigenmarke Oecoplan als umweltbewusste Alternative für Haushalt, Büro und Garten. Zudem haben die Partner neue verbindliche Ziele bis 2019 vereinbart.
  • Zwischen dem 9. und dem 26.November werden als Pandas verkleidete Botschafter in den Läden Oecoplan-Spülmaschinentabs verteilen.
Mehr Informationen bei Oecoplan Rote Liste des IUCN Umwelttipps WWF Living Planet Report 2016 des WWFs Bilder und Videos des Wiens Zoos, wo man die Pandababy anschauen kann

Wird genug getan, um bedrohte Tierarten zu retten?»