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Neues Design für SBB-Lokomotive

Eine Re 460 fährt neu mit Coop-Pro-Montagna-Logo auf dem Schweizer Bahnnetz. Die Gestaltung macht das Fahrzeug zum Blickfang. Ein fiktives Gespräch mit der Schienenschönheit.

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FOTOS
Heiner H. Schmitt; Sandro Mahler, Bombardier Transportation Switzerland AG
10. April 2017

Auf Jungfernfahrt von Bellinzona nach Basel: Die neu gestaltete Werbe-Lok ist nicht zu übersehen. Im SBB-Industriewerk Bellionzona wird die Re 460 065-6 auf das Umbranding vorbereitet. Zunächst wird die Lok gründlich gereinigt, von Schmutz befreit und der Lack abgeschliffen. Die zu folierende Fläche darf keine Dellen, Kratzer oder Rost aufweisen. Unregelmässigkeiten werden gespachtelt. Bis zum Umbranding gemäss Skizze sind noch einige Massnahmen notwendig. Grundierung mit der Spritzpistole. Malerarbeiten am Dach der Lok. Die zu folierende Fläche ist riesig. Die Rillen des Lokkörpers müssen passgenau mit der Folie beklebt werden. Es braucht Fingerspitzengefühl, Konzentration und viel Geduld. Nur mit viel Geschick kann die Folie auch an schwer erreichbaren Stellen nahtlos aufgetragen werden. Mit dem Föhn wird die Folie erhitzt, dadurch wird sie weicher und lässt sich besser spannen. Die Tücken beim Folieren sind gross, Luftblasen lauern überall. Darum braucht es viel Fachwissen und Geschick. Auf den Millimeter genau muss die Folie aufgeklebt werden. Beim Logo müssen die Coop-Corporate-Branding-Vorgaben exakt eingehalten werden. Bei dieser Arbeit ist eine ruhige Hand von Vorteil. Das Werk ist vollbracht die Lok erstrahlt im neuen Kleid. Die Überführung von Bellinzona nach Basel führt die Lok über die alte Gotthard-Strecke. Die Re 460 065-6 ist jetzt ein Star und im Fokus des Fotografen. Auf dem Weg passiert die Lok die Kirche von Wassen. Unterwegs im Kanton Schwyz, im Hintergrund die Mythen. Im Hauptbahnhof Basel wird die Pro-Montagna-Lok standesgemäss von einer Alphornformation empfangen. Joos Sutter, Vorsitzender der Geschäftsleitung Coop, übernimmt den feierlichen Akt der Taufe. Gruppenbild mit Dame: Die Taufpaten Coop-Chef Joos Sutter, Irène Kaufmann (Verwaltungsratspräsidentin der Coop Patenschaft für Berggebiete) und SBB-CEO Andreas Meyer.

Im SBB-Industriewerk Bellionzona wird die Re 460 065-6 auf das Umbranding vorbereitet.

Zunächst wird die Lok gründlich gereinigt, von Schmutz befreit und der Lack abgeschliffen.

Die zu folierende Fläche darf keine Dellen, Kratzer oder Rost aufweisen. Unregelmässigkeiten werden gespachtelt.

Bis zum Umbranding gemäss Skizze sind noch einige Massnahmen notwendig.

Star-Lok

Re 460, ich hätte Sie beinahe nicht wiedererkannt. Sie haben das rote Farbkleid der SBB abgelegt und tragen jetzt Pro-Montagna-Design. Was ist geschehen?
Ich wurde als Botschafterin für das Label Pro Montagna von Coop auserkoren und mache jetzt dafür Werbung auf der Schiene.

Entspricht das Outfit Ihrem Typ?
Das Äussere widerspiegelt das Innere, heisst es doch. Das ist bei mir nicht anders: Ich vertrete Werte wie Authentizität, Bodenständigkeit, Naturverbundenheit, Seriosität und Zuverlässigkeit. Als Universallok, die sich auch für bergiges Gelände eignet, gehört meine Liebe den Bergen. Pro Montagna und ich passen also bestens zueinander.

Im SBB-Industriewerk Bellinzona wird die Re 460 065-6 auf die Umgestaltung vorbereitet. Der Lokkörper wird von Beulen und Blessuren befreit, bevor er neu eingekleidet wird. 

Aufgrund des Looks richten sich künftig viele Blicke auf Sie.
Als Lokomotive der Familie Re 460 bin ich seit meiner Produktion Anfang der 90er-Jahre Aufmerksamkeit gewohnt. Viele Eisenbahnfans bezeichnen mich gar als schönste und innovativste Lok.

Warum das?
Man sagt von mir, ich sei eine Design-Ikone. Niemand geringerer als Sergio Pininfarina hat mein Design entworfen. Der italienische Designer hat mit edlen Karosserie-Entwürfen internationalen Ruhm erlangt. Er designte unter anderem den Ferrari Testarossa. Bei seinen Entwürfen legte er nicht nur Wert auf das rein funktionelle Aussehen, sondern auch auf die Ästhetik.

Das Design der Coop-Eigenmarke mit dem Bergmotiv wird mit einem Speziallack digital auf Folien gedruckt und dann aufgeklebt.

Wo versteckt sich bei Ihnen die Innovation?
Erwähnenswert ist, dass bei meiner Produktion erstmals in der Geschichte des Schweizer Lokomotivbaus die Führerstandskabinen und Abdeckschürzen unten herum in Glasfaserkunststoff verbaut wurde, die Loks davor waren in erster Linie aus Stahl gebaut. Dies ermöglichte ein neuartiges Design und eine bessere Aerodynamik.

Seit wann stehen Sie im Einsatz?
Ich, die Re 460 065-6 mit dem Taufnamen Rotsee, fahre seit dem 27.Oktober 1993 auf dem Schweizer Schienennetz und habe seither mehr als sechs Millionen Fahrkilometer zurückgelegt.

War Lok schon immer Ihr Berufswunsch?
Der öffentliche Verkehr hat mich immer interessiert. Täglich benutzen unzählige Pendler, Touristen und Ausflügler die Bahn. Die Reisenden freuen sich immer, wenn ich sie abhole und sicher und pünktlich ans Ziel fahre. Als Lok werde ich gebraucht und trage eine grosse Verantwortung. Ich bin stolz, zur SBB-Familie zu gehören: Zwischen den grossen Ballungszentren in der Schweiz gibt es kein effizienteres und ökologischeres Verkehrsmittel als die Bahn.

Sie gelten als Symbol für Bahn 2000, werden auch Lok 2000 genannt.
Ich bin die einzige Lokomotive in der Flotte der SBB, die mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern fahren darf. Darum war ich wichtig bei der Einführung von Bahn 2000. Unter anderem dank meiner Leistungsstärke war es möglich, die Verbindung BernZürich in unter einer Stunde Fahrzeit zurückzulegen.

Die grossflächige Aussenbeklebung ist eine Kunst und es braucht dafür Spezialisten, die millimetergenau arbeiten. 

Sie sind eine von 119 Lokomotiven des Typs Re 460
mit denen 50 Prozent des Schweizer Bahnverkehrs abgedeckt wird. Jeder zweite Personenkilometer wird von der Re 460 gefahren. Die gesamte Flotte fährt täglich rund 104000 Kilometer.

Man sagt Ihnen nach, Sie seien ein Kraftpaket auf Rädern. Können Sie uns ein Beispiel Ihres Könnens schildern?
Nun, ich bin problemlos in der Lage, 650 Tonnen schwere Züge mit Tempo 80 über Steilstrecken mit einem Gefälle bis 27 Promille zu ziehen.

Im Juni 2016 wurde der Gotthard-Basistunnel eingeweiht. Fahren Sie auch diese Strecke?
Nein, den Basistunnel dürfen zurzeit nur ein Dutzend Re 460 befahren, die dafür sicherheitstechnisch ausgerüstet sind. Ich bin aber sonst auf dem ganzen Fernverkehrsnetz unterwegs.

Welches ist Ihre Lieblingsstrecke?
Die Simplonstrecke, die Genf mit Brig verbindet und am Genfersee entlang führt, ist für mich eine der schönsten. Der Blick über den Lac Léman und auf die Walliser Alpen ist atemberaubend. Ein landschaftlicher Höhepunkt sind auch die terrassenförmig angelegten Weinberge von Lavaux, die seit 2007 zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Am liebsten würde ich mich auf der Fahrt jeweils zurücklehnen und nur die Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft geniessen.

Sie sind früher auch die alte Gotthard-Linie gefahren. Tunnelfahrten sind aber nicht jedermanns Sache ist. Wie ist es bei Ihnen?

Bei meiner ersten Fahrt durch den Gotthard-Scheiteltunnel war mir schon etwas mulmig. Ich war froh, nach 15 Kilometern Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Heute bin ich versiert und routiniert.

Mussten Sie auch schon mal eine Gefahrensituation bewältigen?
Davor war ich bis jetzt zum Glück verschont. Einmal hatte ich aber einen Zwischenfall mit einer Kuh. Das Tier war aus einer Weide ausgebüxt und hatte sich aufs Gleis verirrt. Dank meiner Reaktionsfähigkeit konnte ich rechtzeitig abbremsen; niemand wurde verletzt. Die Durchsage Kuh auf der Fahrbahn sorgte bei den Pendlern natürlich für Erheiterung.

Seit mehr als 20 Jahren im Einsatz stehen Sie in der Mitte Ihrer Lebensdauer. Ich habe gehört, Sie werden modernisiert.
Ja, die SBB rüsten die Familie der Re 460 in den nächsten Jahren mit der neuesten Technologie aus. Damit werde ich künftig energieeffizienter und umweltfreundlicher meinen Job ausüben können und darf dann mit der ganzen Flotte den Gotthard-Basistunnel befahren.

Einweihung

Das auffällige Megaposter rollt jetzt durch die Schweiz.

SBB-CEO Andreas Meyer (links) und Coop-Chef Joos Sutter sind sichtlich erfreut über die neue Markenbotschafterin.

Wenn sich der Chef von Coop und der CEO der SBB treffen, dann hat das einen triftigen Grund: So geschehen am 3.April am Hauptbahnhof Basel. Joos Sutter und Andreas Meyer sowie rund 40 geladene Gäste versammelten sich auf dem Perron zur Einweihung der neuen Werbelok. Gespannt warteten sie auf die Hauptakteurin. Kurz nach 11 kündigte die Lautsprecherdurchsage die Ankunft an: Einfahrt der Coop-Pro-Montagna-Lok auf Gleis 1. Dann rollte das 84 Tonnen schwere und 8300 PS starke Fahrzeug langsam und unter Applaus in den Bahnhof ein.
Sieht sie nicht fantastisch aus? Joos Sutter zeigte sich begeistert vom neuen Look der Lok. Die Front der umgestalteten Re 460 065-6 ziert das Coop-Logo und auf den Seiten prangt prominent das Pro-Montagna-Motiv mit dem Werbeslogan Von den Bergen. Von den Bauern.

Bei der Einweihungsfeier mit Basler Alphornformation bewies Coop-Chef Joos Sutter eine starke Puste.

Vom Bergler zum Bähnler

Für den Vorsitzenden der Geschäftsleitung Coop und Bergler aus dem Bündnerland, wie Joos Sutter sich selber bezeichnete, war es eine grosse Freude, das Fahrzeug seiner Bestimmung zu übergeben: Auf der einen Seite komme ich aus den Bergen und Pro Montagna liegt mir sehr am Herzen; auf der anderen Seite konvertiere ich immer mehr zum Bähnler. Die Bahn sei sein Transportmittel erster Wahl, wenn es ums Geschäft gehe. Coop setzt auf den kombinierten Güterverkehr und hat in den letzten Jahren viele Transporte auf die Schiene verlagert und wird dies weiter konsequent tun.
Die SBB bediene zwar nicht alle Bergstrecken, aber die Berge seien eine Herzensangelegenheit, erklärte Andreas Meyer. Mit seiner Präsenz an der Loktaufe unterstrich der oberste Bähnler die langjährige, enge Partnerschaft mit dem Grossverteiler.
Das zehnjährige Bestehen von Pro Montagna nimmt Coop zum Anlass, die Lokomotive als Werbeplattform einzusetzen, um die Marke mit ihrer nachhaltigen Philosophie im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Die Lok wird während ihrer einjährigen Laufzeit etwa 300000 Kilometer zurücklegen und dabei von Millionen von Menschen in der Schweiz gesehen: Eine gute Werbung ist somit garantiert.

10 Jahre Pro Montagna

Berggebiete unterstützen

Die Arbeits- und Lebensbedingungen im Berggebiet stellen die Bevölkerung vor grosse Herausforderungen. Darum hat Coop vor zehn Jahren Pro Montagna lanciert. Unter dem Label werden authentische, hochwertige Produkte verkauft, die in Schweizer Bergregionen hergestellt und verarbeitet werden. Damit bietet der Detailhändler zahlreichen Verarbeitungsbetrieben und Bauern einen Absatzkanal für ihre Produkte und ermöglicht, dass Arbeitsplätze im Alpenraum erhalten bleiben. Pro verkauftes Produkt fliesst ein Teil des Kaufpreises an die Coop Patenschaft für Berggebiete, die damit Projekte unterstützt. Seit 2006 sind so über 8 Millionen Franken zusammengekommen.

www.coop.ch/promontagna