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Visionär: Überraschen und begeistern

Coop-Chef Joos Sutter schaut ganz genau hin: auf ein erfolgreiches 2017, in eine vielversprechende Zukunft und manchmal sogar, ob vor den Filialen die Flaggen gehisst sind.

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Heiner H. Schmitt
26. Dezember 2017

Entspannt: CEO Joos Sutter in seinem Büro im 12. Stock am Coop-Hauptsitz in Basel.


Joos Sutter (53)

Der Bündner Joos Sutter ist seit 2011 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Coop-Gruppe. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule St.Gallen (HSG) und einer Weiterbildung zum Wirtschaftsprüfer trat er 1996 bei Import Parfumerie in die Coop-Gruppe ein. Joos Sutter ist verheiratet, Vater dreier Söhne und begeisterter Motorradfahrer und Fliegenfischer.

Joos Sutter, vor einem Jahr sagten Sie an dieser Stelle, dass Sie 2017 mehr Zeit mit der Familie verbringen wollen Ziel erreicht?
(Lacht.) Sagen wir es so: Ich arbeite noch daran. Entscheidend ist für mich aber, dass ich die wichtigen Momente mit der Familie verbringe und das ist mir glücklicherweise gelungen.

Was aus dem ablaufenden Jahr ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Sicher die Eröffnung unseres ersten Megastores nach dem neuen Ladenkonzept. Hier finden unsere Kundinnen und Kunden ein ganz spezielles Einkaufserlebnis mit viel Liebe zum Detail und einem Fokus auf Handwerk und Regionalität: vom Chäs Hüsli mit mehr als 200 Käsesorten über die hauseigene Wursterei bis hin zur Kaffeerösterei. Ein Highlight war auch die Eröffnung des neuen Logistikzentrums in Pratteln mit der angeschlossenen Produktion von Chocolats Halba, die in 20 Länder und an internationale Detailhändler liefert. Und auch unser grösster Produktionsbetrieb, die Bell Food Group, entwickelt sich gut. Sie konnte mit der vollständigen Übernahme von Hilcona ihre führende Position in der Convenience ausbauen.

International tut sich einiges ...
Ja, Transgourmet hat sich in diesem Jahr sehr gut entwickelt und hat heute eine führende Stellung im europäischen Gastro-Grosshandel. 2017 konnten wir unsere Online-Kompetenz und unsere digitalen Services für Gastronomen deutlich ausbauen auch aufgrund von verschiedenen Zukäufen.

Ein spezieller Moment dürfte die Wiedereröffnung der Coop-Filiale in Thusis, wo Sie aufgewachsen sind, gewesen sein
Das war gewaltig, ja. 500 Menschen kamen, sogar die Hauptstrasse wurde gesperrt, das müssen Sie sich mal vorstellen! Ich sprach mit Leuten, die ich seit 30 Jahren nicht mehr
gesehen hatte und mit denen ich mich sofort wieder verbunden fühlte. Das war sehr eindrücklich.

Was wollten Sie als Bub eigentlich werden? Kaum Coop-Chef, nehme ich an!
(Lacht.) Natürlich nicht! Meine Bubenträume hatten wenig mit dem Berufsleben zu tun. Eher mit schnellen Autos, Fischen und solchen Dingen

Optimistischer Blick in die Zukunft: Joos Sutter beim Interview.

Wie oft sind Sie noch in den Filialen und worauf achten Sie dort besonders?
Ich schaue, dass ich ein bis zwei Tage pro Woche in den Läden bin. Ich war ja Verkaufschef bei Interdiscount und kenne das Geschäft von der Pike auf, daher achte ich auf jedes Detail, das läuft ganz automatisch ab: Ist die Filiale gut angeschrieben, sind die Flaggen gehisst, sind die Parkplätze breit genug, liegt irgendwo Abfall rum, sind die Regale gefüllt, klappt die Bedienung etc.?

Ein Albtraum für jeden Filialleiter, den Sie besuchen!
Nein, überhaupt nicht! Meist ist ja alles in Ordnung und es gibt nichts zu kritisieren. Ich achte einfach darauf, ich kann gar nicht anders. Und ich gehe ja nicht in die Filialen, um den Oberlehrer zu spielen sondern um zuzuhören. Das ist meine Hauptaufgabe: den Leuten an der Front zuhören.

Was beschäftigt die Mitarbeitenden denn?
Ganz konkrete Dinge: Lieferungen, die zu spät kommen, Einsatzpläne oder die Warenpräsentation. Und erstaunlich oft sprechen wir über Produkte. Was die Kunden mögen, wo wir noch zulegen müssen und solche Dinge. Die Mitarbeitenden in den Filialen sind unglaublich engagiert.

Ist die viel besprochene Digitalisierung ein Thema beim Verkaufspersonal?
Eigentlich nicht. In den Filialen findet die Digitalisierung schon lange statt, angefangen mit den Kreditkarten als Zahlungsmittel über die automatisierten Bestellungen bis zum Self-Checkout. Die Mitarbeitenden haben viele gute Erfahrungen mit neuen Technologien gemacht und sind entsprechend aufgeschlossen und interessiert.

Nächstes Jahr steht das 25-Jahr-Jubiläum von Naturaplan an. Was bedeutet das für Coop?
In der Rückschau muss man ganz klar sagen, dass das ein visionärer Entscheid war. Naturaplan prägte Coop wie nichts anderes, seither tragen wir die Nachhaltigkeit in unserer DNA. Noch heute wirkt sich diese historische Entscheidung tagtäglich und in allen Bereichen auf uns aus: das Angebot in den Filialen, wie wir bauen, wie wir transportieren. Das ist alles durch den Entscheid von damals geprägt. Wegweisend war auch, dass wir es mit den besten Partnern und den strengen Standards der Bio-Knospe durchgezogen haben.

Ging das immer problemlos?
Im Gegenteil! Das gab viele Reibereien und hartnäckige Diskussionen. Aber die haben sich gelohnt, die haben uns zu Höchstleistungen gezwungen. Und am Schluss war das Engagement von Coop die Basis für den Bio-Landbau in der Schweiz. Ohne Naturaplan wäre die Schweizer Landwirtschaft nicht die, wie wir sie heute kennen. Naturaplan ist eine Bewegung, die Coop und das Land nachhaltig verändert hat.

Wird es bei Coop irgendwann nur noch Bio geben?
Nein. Das entspricht nicht unserer Überzeugung. Wir werden den Kunden immer die volle Wahlfreiheit anbieten. Wenn sich jemand für Bio entscheidet, dann soll er das aus Überzeugung tun und nicht unter Zwang.

Lassen Sie uns noch kurz über das Thema sprechen, das 2017 in aller Munde war: die Insekten-Produkte bei Coop. Ein Erfolg oder bloss ein Gag?
Sehen Sie: Jeder hat eine Beziehung zu Insekten. Das fängt beim Mückenstich an und hört bei den Regenwürmern im Garten auf. Deshalb bewegt das Thema so viele Leute. Und dann gibt es auch noch diesen ganz ernsten Hintergrund: Wie versorgen und ernähren wir uns in Zukunft? Deshalb war es kein Gag, sondern ein gut überlegter Schritt.

Und damit ich Sie nächstes Jahr wieder fragen kann, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben: Was nehmen Sie sich für 2018 vor?
Für mich persönlich: Mehr Sport treiben und mehr Zeit mit der Familie verbringen. Für Coop wünsche ich mir, dass wir weiterhin überraschen und begeistern können.