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Bauen für die Zukunft

Die Bergdörfer stehen und fallen mit bäuerlichen Familienbetrieben. Darum hilft die Coop Patenschaft für Berggebiete in Valendas einem jungen Paar.

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Heiner H. Schmitt
25. November 2019

Wenn Bauern nicht nur bauern, sondern auch noch bauen wollen, dann können sie was erleben. Ursin Zinsli (32) und Nadja Geisser (28) aus dem Dorf Valendas GR sind ein hoffnungsvolles Bauernpaar, das anpacken will. Sie sind stolze Eltern der beiden Buben Leon (1) und Colin (3) und seit diesem Jahr bewirtschaften sie einen 23-Hektar-Betrieb mit Mutterkuhhaltung in der Berg-zone zwei bis vier, übersetzt bedeutet das mittlere bis steile Lage.

So weit so gut und unspektakulär: «Im Elternhaus, das zum Hof gehört, wohnen meine Eltern und die Grossmutter», erklärt der Jungbauer. Und die sollen auch so lange dort wohnen bleiben, wie es ihnen gefällt. Also wollten Ursin und Nadja ein Haus bauen und hier beginnt eine zweijährige Odyssee durchs Raumplanungsgesetz, durch kantonale Vorschriften, bäuerliches Bodenrecht … Und um es kurz zu machen: Am Ende dürfen die beiden zwar bauen, aber nicht auf dem eigenen Land. «Wir mussten einen Bauplatz kaufen – das sprengte unser Budget», so Nadja Geisser.

Im Zeichen der Solidarität

Aber manchmal meinen die Götter es ja gut mit den Menschen und zufällig erfuhr Bistgaun Capaul (69) von der verzwickten Lage. Capaul ist Experte der Coop Patenschaft für Berggebiete in Graubünden. Er arbeitete sich durch Aktenberge, verhandelte und stellte am Schluss den Antrag an die Coop Patenschaft: Sie musste hier einfach helfen. «Ein 23-Hektar-Betrieb ist zwar nicht enorm», sagt er. «Doch er bietet eine Existenz für Menschen, die gut ausgebildet sind und arbeiten wollen.» Dann fügt er noch hinzu: «Die Dörfer bei uns im Berggebiet brauchen nicht noch grössere Traktoren. Was wir da brauchen, sind Familienbetriebe. Ohne sie sterben die Täler aus.»

«Ohne Familienbetriebe sterben die Täler aus.»

Bistgaun Capaul

Capauls Antrag kam durch. Schliesslich ist Förderung der dezentralen Besiedlung eine der Leitlinien der Coop Patenschaft. Und darum will sie zusammen mit den Leserinnen und Lesern der Coopzeitung dem Paar aus Valendas helfen. Ende gut, alles gut? Nein – jetzt fängt die Arbeit erst an. Denn auch wenn Ursin Zinsli und Nadja Geisser Unterstützung erhalten, müssen sie neben der Betreuung ihres Hofes auch auswärts schaffen. Die Bäuerin, die wegen der Liebe vom Toggenburg, vom Rand des Alpsteins, an den Rand der Rheinschlucht gezogen ist, arbeitet Teilzeit im Coop Ilanz GR. Der Bauer steht im Winter in der Weissen Arena am Skilift. Im Sommer übernimmt er Lohnarbeiten auf anderen Höfen, zum Beispiel Ballen pressen. Wie sieht es aus mit weiteren Betriebszweigen – etwa Direktvermarktung? «Direktvermarktung geht für uns nicht», sagt der Bauer, der demnächst auf Bio umstellt. «Wir haben bereits einen Betrieb im Dorf, der das sehr gut macht. Soll ich jetzt hingehen und ihn konkurrenzieren? Das ist nicht unsere Idee von bäuerlicher Solidarität.» Er wolle das recht machen, was er könne. Und so landen seine Jungtiere mit etwa zehn Monaten bei Coop als Natura-Beef.

Nicht einfach, aber wunderschön

Ein neues Haus hin oder her: Einfacher wird das Leben auf 800 Meter über Meer sicher nicht. Und grosse Sprünge erlauben die Umstände wohl nie. Aber das ist offenbar auch nicht das Ziel der beiden, auch wenn die Bäuerin beim Blick auf die Baupläne sagt: «Hier kommt der Pool hin.» Die beiden lachen laut auf bei dieser absurden Vorstellung.

Für Ursin Zinsli war eigentlich immer klar, dass er Bauer werden wollte, darum hat er auch die entsprechende Ausbildung gemacht. «Ich hätte ihn auch genommen, wenn er im Büro oder auf dem Bau gearbeitet hätte», lacht seine Partnerin und ergänzt dann ernsthaft: «Ich bin selber auf einem Bauernhof gross geworden. Das möchte ich unseren Kindern auch weitergeben. Etwas Schöneres kann ich mir nämlich nicht vorstellen.»

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