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Das Bio-Trio packt an

Drei junge Leute haben ein Start-up gegründet und züchten im Aargau Insekten – und das nach den strengen Knospe-Richtlinien von Bio Suisse. Das Trio treibt der Glaube an eine bessere und nachhaltigere Zukunft an.

FOTOS
Kostas Maros, Nom-Nom.ch, Beatrice Thommen-Stöckli
04. März 2019

Christian Bärtsch, Benjamin Steiner und Mina Gloor sind überzeugt von Insekten-Food - und sind selbst in Endingen in die Zucht von Mehlwürmern und Grillen eingestiegen.

Ein Blick hinter die Kulissen der Insektenbauern

Mehlkäfer und deren Larven, die Mehlwürmer, sind anspruchslos; sie fressen hauptsächlich Weizenkleie.

Wir verlosen 10 x 2 Plätze für einen Besuch der Produktion am 30. März oder 6. April 2019 – inklusive Zuchtführung, Apéro und kulinarischem Geschenk.

Sanfte Hügel erheben sich über dem Flüsschen Surb, in Obstwiesen stehen schmucke Bauernhäuser und Kinder toben ungestört auf der Strasse – in Endingen im Kanton Aargau scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Doch auch hier gibt es Menschen, die Neues ausprobieren. In einem der Bauernhäuser haben sich drei junge Leute der Insektenzucht verschrieben.

Drei Experten sind an Bord

In einem grossen Raum stehen Dutzende rote Kästen, in denen es raschelt, hört man genau hin. «Unter strengen hygienischen Bedingungen leben hier Tausende von Mehlkäfern und machen die vier Lebensstadien wie Ei, Larve, Puppe, Käfer durch», erklärt Mina Gloor. Die 35-Jährige ist Tierpflegerin. Ihre Fachrichtung sind Reptilien, die Insekten fressen. «Vor Jahren habe ich erkannt, dass diese auch auf unserem Speisezettel stehen können», sagt sie. «So servierte ich meinen Freunden zum Apéro knusprige Grillen oder als Dessert Mehlwurmpralinés.» Anfangs habe es geteilte Reaktionen gegeben, so Gloor. «Jetzt ist es für sie nicht mehr exotisch.»

Mehlkäfer und deren Larven, die Mehlwürmer, sind anspruchslos; sie fressen hauptsächlich Weizenkleie.

 

Balls and Burger

Insekten in Bio-Suisse-Qualität

In einer neuen Rezeptur sind nun Insekten- Balls (150 g/Fr. 7.80) und Insektenburger (170 g/Fr. 8.70) von Essento in grösseren Coop- Supermärkten erhältlich. In ihnen stecken die Bio-Insekten vom Schweizer Start-up «Ensectable».

Die Faszination für Insekten hat auch Benjamin Steiner gepackt, in dessen Elternhaus er und seine Kollegen die Zucht aufzogen. «Ich habe erst als Tierarzt auf dem Land gearbeitet und war dann in der Pharmaindustrie unterwegs», erzählt der 39-Jährige. «Die Problematiken bei der Nutztierhaltung liessen mich nach Alternativen Ausschau halten.» Für ihn seien die Insekten eine gute Alternative. «Sie sind die effizientesten Tiere, die pflanzliches Futter in tierisches Protein umwandeln können – und tierisches Protein kann der Mensch leichter aufnehmen.» Zudem war Steiner wichtig, dass die Zucht auch Bio ist. Drei der vielen Anforderungen zählt er gleich auf: «Unsere Insekten bekommen nur biologisches Futter, sie haben viel Platz zur Verfügung und unser Heizungssystem ist energieeffizient.»

Dritter im Bund ist Christian Bärtsch. Er kümmert sich um Verkauf und Marketing beim jungen Start-up namens «Ensectable». Trotz seiner erst 29 Jahre ist er ein Pionier. «Mit Kollegen haben wir es geschafft, dass 2017 das Lebensmittelgesetz geändert wurde und damit gewisse Insekten ohne Bewilligung als Lebensmittel verkauft werden dürfen.» Dem Ökonom geht es nicht darum, viel Geld zu scheffeln. Ihn fasziniert vielmehr, dass «Insekten viel weniger Wasser und Futtermittel brauchen und viel weniger Treibhausgas produzieren als andere tierische Proteinquellen», so Bärtsch. Bis wann sich Insekten-Food bei uns durchgesetzt hat? «Da brauchen wir Schweizer noch etwas Zeit. Wenn ich bedenke, dass wir in meiner Generation schon ganz anders essen als meine Eltern vor 30 Jahren, bin ich aber guter Dinge.»