Mit Heugabel und Herzblut | Coopzeitung
X

Beliebte Themen

Fokus Coop

Mit Heugabel und Herzblut

Tierwohl, Naturschutz, Wirtschaftlichkeit: Die Anforderungen an Bauernbetriebe sind hoch. Manuela und Beat Meier nehmen die Herausforderung an. Aus Überzeugung.

TEXT
FOTOS
Christoph KAminski
02. Dezember 2019
Beat und Manuela Meier führen den Hof mit den derzeit 19 Kühen seit Anfang Jahr.

Beat und Manuela Meier führen den Hof mit den derzeit 19 Kühen seit Anfang Jahr.

Manuela Meier (35) hätte die Kühe gern auf die Weide gelassen für den Fototermin. Doch das Wetter in Bachenbülach ZH ist kalt und nass und so stehen die Tiere im Stall. 19 sind es derzeit, die meisten mit, einige ohne Hörner. «Die Tiere, die wir selber aufziehen, enthornen wir nicht», sagt Beat Meier (38). Manuela und Beat Meier haben eine enge Beziehung zu ihren Tieren. Der ältere Anbindestall ist auf Handarbeit ausgelegt, zum Melken gehen sie mit den Aggregaten direkt zu den Kühen. «Dadurch sind wir sehr nahe an ihnen dran», so Manuela Meier. Zweimal pro Tag etwa eine Stunde dauert das Melken. Das Paar teilt sich diese Arbeit auf.

Einen Sonderstatus geniesst Kuh Olivia. Sie ist auf dem Hof geboren und schon 16 Jahre alt. «Solange es ihr gut geht, darf sie bei uns bleiben», sagt Manuela Meier und streichelt die Seniorin. Das Tierwohl liegt Meiers sehr am Herzen. Wenn immer möglich dürfen die Kühe auf die Weide. Ab 2020 erfüllen Meiers die Richtlinien von «RAUS» offiziell, die Kühe haben also von Mai bis Oktober mindestens 26 Tage pro Monat Weidezugang, von November bis April mindestens 13 Tage. «Es geht ihnen besser, wenn sie draussen sind. Sie sind dann zufriedener und ausgeglichener», stellt die Bäuerin fest. Neben Gras stehen auf dem Menüplan vor allem Heu, ergänzt durch etwas Mais und Treber. Mit mehr Kraftfutter würde die Milch- menge zwar steigen, «aber unser Ziel ist nicht die maximale, sondern die optimale Milchmenge bei gesunden Tieren», betont Manuela Meier.

Sie ist selber auf einem Bauernhof mit Kühen aufgewachsen. Dass sie dereinst selber Landwirtin wird, war aber alles andere als klar, im Gegenteil: «Ich habe immer gesagt, dass ich nie in diesen Beruf einsteigen werde», erinnert sie sich. Stattdessen absolvierte sie eine Lehre als Polygrafin – und steht nun doch täglich im Stall. «Tja, wenn die Liebe einschlägt …», sagt sie augenzwinkernd. Sie machte also die Bäuerinnenschule, «um zu sehen, ob das tatsächlich etwas für mich ist». Es ist!

Gute Planung ist ein Muss

Seit Anfang Jahr führen Manuela und Beat Meier den 30 Hektaren umfassenden Hof allein. Davor war es eine Generationengemeinschaft, in der auch Beats Eltern tätig waren. Sie führen den Hof wie bisher weiter: Milchwirtschaft mit maximal 20 Kühen, kombiniert mit dem Anbau von Mais, Weizen und Roggen. «Wir wollen unsere eigenen Erfahrungen sammeln und haben uns bewusst dafür entschieden, uns ein Jahr Zeit zu lassen, bevor wir Bilanz ziehen und schauen, wie es weitergehen soll», erklärt er. Den Businessplan für die Zukunft des Betriebs haben sie schon in der Schublade. Manuela Meier hat ihn im Rahmen ihrer Ausbildung erarbeitet. Im Sommer hat sie als eine von fünf Frauen zusammen mit 99 Männern die Prüfung zur Meisterlandwirtin abgelegt. Auch Beat – obschon Bauernsohn – ist Quereinsteiger: Er ist gelernter Sanitärmonteur und hat die Ausbildung zum Landwirt erst später absolviert. Beide arbeiten zusätzlich zur Arbeit auf dem Hof auswärts. «Finanziell wäre es sonst schwierig», sagen sie. Beat ist als Brunnen- und Werkmeister bei der Gemeinde in einem 60-Prozent-Pensum tätig, das er sich frei einteilen kann – je nachdem, was auf dem Hof gerade ansteht. Seine Frau arbeitet als Polygrafin und engagiert sich in verschiedenen Vorständen. Damit kommt sie auf 15 bis 20 Prozent Lohnarbeit auswärts. In ihren Aufgabenbereich fallen zusätzlich zum Stall die Büroarbeit und der Haushalt, er kümmert sich um die Ackerbauflächen.

Auf einen Bauernhof gehören Hühner, auch bei Meiers.

Um alles unter einen Hut zu bringen, braucht es eine gute Organisation und klare Absprachen. Schliesslich sollen auch die beiden Söhne (8 und 6) nicht zu kurz kommen. «Es ist uns wichtig, sie an den Räbeliechtliumzug und in den Schwimmkurs zu begleiten, obwohl diese meist zur Stallzeit stattfinden», sagt Manuela Meier. Das sei zwar eine Herausforderung, aber der Aufwand lohne sich. «Es ist toll, wie die Kinder hier aufwachsen; sie können mit ihren Spielzeugtraktoren herumfahren und es ist jemand da, wenn sie von der Schule kommen.»

Bio? Eine Option, aber nicht jetzt!

Auch die Selbstständigkeit schätzt das Ehepaar: «Es wird nie langweilig. Weil unsere Arbeit stark vom Wetter abhängig ist, muss man gut überlegen, wann man welche Tätigkeit einplant – und manchmal auch pokern. Das macht das Ganze interessant.» Die Kehrseite davon: «Oft sind die Tage sehr lang und man muss sich selbst Grenzen setzen und Feierabend machen, sonst geht man kaputt.» Wenn der Traktor stillsteht und die Kühe gemolken sind, ist nämlich noch lange nicht Schluss. Es braucht viel Zeit, bezüglich Vorschriften und Auflagen stets auf dem Laufenden zu sein und alle Aufzeichnungen vollständig und korrekt zu führen.

Als Bauern leisten sie zudem einen Beitrag zu Landschaftspflege. «Kühe auf der Weide gehören zur Schweiz. Unsere Umgebung ist ein beliebtes Ausflugsziel.» Das Interesse der Leute und der Austausch mit ihnen ist für Meiers eine Motivation. Zu reden geben Massnahmen wie Blühstreifen oder Steinhaufen auf den Wiesen. Sie werden von manchen Passanten als Unordnung empfunden oder werfen sonst Fragen auf, die aber jeweils gut geklärt werden können. Ab und zu stossen Meiers aber auch auf Unverständnis. «Wenn wir die Felder mit Pflanzenschutzmitteln behandeln, ernten wir manchmal schon böse Blicke», berichten sie. Einfach mal draufloszuspritzen sei aber weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. «Wir wollen ja den Boden nicht kaputt machen, sondern denken immer auch an die kommenden Generationen. Daher gilt der Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.»

Warum stellen Meiers nicht auf Bio um? «Langfristig würde sich Bio zwar rentieren, doch wir können die zweijährige Umstellungsphase derzeit nicht finanzieren und auch die noch höhere Arbeitsbelastung wäre aktuell nicht zu verkraften», erläutern sie. Fest steht hingegen für beide: «Wir wollen weitermelken – mit der gleichen Anzahl Kühen wie jetzt. Qualität vor Quantität!»