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Interview

Was tun bei Insolvenz des Veranstalters?

Mit Thomas Cook ging der weltweit grösste Tourismuskonzern Konkurs. Ob eine solche Pleite auch in der Schweiz passieren kann und was Reisende dann beachten müssen, erklärt Andi Restle vom Reiseveranstalter ITS Coop Travel.

FOTOS
Getty Images, Remy Steiner
02. Dezember 2019

Wegen der Insolvenz mussten viele Touristen am Ferienort verharren und kamen viel später als geplant heim.

Thomas Cook

Die Pleite in Kürze

Am 23. September 2019 stellte Thomas Cook, der damals älteste und weltweit grösste Reisekonzern, wegen einer über die Jahre immer grösser gewordenen Finanzlücke seinen Betrieb ein. Zum 1841 gegründeten Unternehmen gehörten Hotels, Ferienresorts, Airlines und veranstaltete Kreuzfahrten. Insgesamt hatte Thomas Cook rund 21 000 Mitarbeiter in 16 Ländern. Von der Insolvenz des britischen Veranstalters unmittelbar betroffen waren 600 000 Touristen, die in zum Teil aufwendigen Rückhol- aktionen in ihre Heimatländer zurückgebracht werden mussten

Wo waren Sie zuletzt in den Ferien?

Im Herbst mit meiner Familie auf Zypern zum Sonnetanken. Es war eine klassische Pauschalreise mit «All-inclusive-Leistungen».

Hatten Sie wegen der Thomas-Cook- Pleite kein komisches Gefühl?

Nein. Ich hatte bei ITS Coop Travel gebucht, die nicht direkt betroffen war. Persönlich tut es mir leid, weil ein immenser Schaden für alle Beteiligten entstanden ist. Ausserdem ist es schlecht, dass Kundengelder voraussichtlich nicht abgesichert sind, weil die Gesetzgebung im Ausland unterschiedlich ist. Dadurch leidet das Image der Pauschalreise. In der Schweiz ist die Angst unberechtigt.

Warum?

Die Dimensionen hierzulande sind viel kleiner. In der Schweizer Branche gibt es kein solch komplexes Konstrukt, welches über hohe Investitionen mit eigenen Hotels und Flugzeugen verfügt.

Wie viele Schweizer Kundinnen und Kunden waren oder sind betroffen?

Der Marktanteil von Thomas Cook in der Schweiz war gering. Dennoch hatten ein paar Hundert Kunden in der Schweiz bei einer Marke von Thomas Cook gebucht.

Ist man bei einer Pauschalreise gegen Insolvenz abgesichert?

In der Schweiz sind Reiseveranstalter gemäss Bundesgesetz über Pauschalreisen verpflichtet, die einbezahlten Kundengelder abzusichern. Dafür haben der Schweizerische Reiseverband und die grossen Reiseveranstalter einen Garantiefonds in Form einer unabhängigen Stiftung gegründet. Im Falle einer Insolvenz eines Teilnehmers deckt der Garantiefonds die Kundengelder und allfällig entstehende Rückführungskosten unlimitiert. Dies gilt aber nur für Pauschalreisen.

Wann und wie bekommt man also sein Geld zurück?

Wichtigste Voraussetzung ist, dass eine Pauschalreise gebucht wird und die Buchungsstelle oder der Reiseveranstalter über eine Kundengeldabsicherung verfügt. Bei einer Insolvenz vor der Reise ist es beim Garantiefonds so, dass eine Rückerstattung erfolgt oder die Durchführung der Reise einem Drittpartner übertragen wird. Lehnt ein Leistungsträger, wie etwa ein Hotel oder die Fluggesellschaft, die Erbringung der Leistung während der Reise ab und besteht auf nochmalige Zahlung, so wird diese durch den Garantiefonds nachträglich vergütet. In jedem Fall steht der unabhängige Garantiefonds als Anlaufstelle mit Rat und Tat zur Seite.

Wie sieht es aus, wenn man Flug oder Hotel selbst gebucht hat?

Für eine einzelne Leistung gibt es gesetzlich keine Verpflichtung für eine Kundengeldabsicherung. Somit ist das Risiko gross, dass einbezahlte Gelder bei Insolvenz einer Fluggesellschaft oder eines Hotels verloren gehen.

Als Pauschaltourist ist man da eindeutig im Vorteil ...

... wenn bei Buchung einer Pauschalreise die Gewissheit einer Kundengeldabsicherung besteht. Eine Pauschalreise besteht aus mindestens zwei Leistungen, die zum Paketpreis angeboten wird.

Was sind die weiteren Pluspunkte?

Bei Pauschalreisen, wie sie ITS Coop Travel anbietet, hat man alles in einem. Dies bedeutet, dass die wichtigsten Leistungen wie Flug, Transfer und Unterkunft sowie Betreuung vor, während und nach der Reise enthalten sind. Man hat einen Ansprechpartner, der jederzeit erreichbar ist. Das ist vor allem dann wertvoll, wenn einmal etwas nicht so läuft wie vorgesehen. Und man kann sich die zeitintensive Suche im Internet sparen und sich auf die persönliche Beratungskompetenz verlassen.