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Biogas: Die Gülle wird zu Strom

Der Bauer produziert unser Essen das war einmal. Heute bietet er auch Ferien an, ist Landschaftspfleger und seit Neuestem Stromproduzent.

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Heiner H. Schmitt, Keystone, Fotolia, ZVG
02. Januar 2012
Saugut: Landwirtschaftliche Biogas-Anlagen sind im Trend und sie haben nur Vorteile. In der Vorgrube werden Gülle und Getreide- und Gemüseabfälle vermischt.

Saugut: Landwirtschaftliche Biogas-Anlagen sind im Trend und sie haben nur Vorteile. In der Vorgrube werden Gülle und Getreide- und Gemüseabfälle vermischt.

In der Vorgrube werden Gülle und Getreide- und Gemüseabfälle vermischt.

Reportage

Eigentlich sind Manfred Näf und Alois Amsler ganz normale Bauern. Der eine hat 2200 Freilandhühner, die Eier legen, der andere Coop-Naturaplan-Schweine in 800 Mastplätzen. Also verkauft Amsler Eier und Näf Schweine. So weit, so gut. Beide halten auch noch Kühe, die Naturabeef-Fleisch geben. Nun aber produzieren Hühner, Säue und Kühe mit ihren Kälbern auch Mist und Gülle. Und weil beide Landwirte findige Bauern sind, verkaufen sie auch diese landwirtschaftlichen Produkte in Form von Strom. Für 1,4 Millionen Franken und unter finanzieller Beteiligung des Coop Fonds für Nachhaltigkeit haben Näf und Amsler eine Biogas-Anlage gebaut. Die macht aus Gülle und Mist sowie Getreide- und Gemüseabfall, dem sogenannten Substrat, Strom. Knapp 6000 Tonnen organisches Material ergeben so jedes Jahr 850000 Kilowattstunden Strom. So viel verbrauchen etwa 180 Haushalte.

Hinter dem ganzen Projekt steckt nicht allein Bauernschläue. Mich hat die ganze Idee überzeugt, sagt Bauer Näf. Die ist tatsächlich bestechend: Die Gülle und Abfall aus landwirtschaftlicher Produktion werden durch einen Gärprozess zu Biogas, das einen Motor antreibt. Dieser erzeugt über einen Generator Strom. Mit der Abwärme des Motors wird zudem die Gärmasse auf 42 Grad erwärmt. Diese Temperatur ist nötig, damit die Vergärung optimal abläuft. Durch die Vergärung der Gülle entsteht zudem ein besserer Dünger. Er wird durch die Zugabe von Sub-strat sogar noch mit Nährstoffen angereichert. Und schliesslich entzieht man der Gülle den unangenehmen Geruch das freut die Bevölkerung, schmunzelt Näf.

Ein Gewinn auf der ganzen Linie? Im Prinzip ja, sagt Näf, muss aber einschränken: Ich habe mir das Ganze weniger kompliziert vorgestellt. Die Anlage sei sehr technisch, mit vielen Vorschriften und durch zig verschiedene Amtsstellen abgenommen. Es braucht viel Know-how und hat nicht mehr wirklich mit Landwirtschaft zu tun, sagt Bauer Alois Amsler, der die Anlage betreibt und unterhält. Täglich kontrolliert er sie vor Ort, und zu Hause blickt er drei- bis viermal am Tag auf den Computer und überprüft alle Werte: die Füllmengen der Behälter, die Temperatur der Masse, den Gas-Stand und so weiter. Unser Motor soll immer auf voll laufen, erklärt Amsler. Deshalb muss er dafür sorgen, dass die Biologie im Fermenter stimmt und stets genug Treibstoff, also Gas vorhanden ist.
Die strengen Vorgaben und die vielen Auflagen machen die Anlage und damit den Strom teuer. Weil Näf und Amsler aber sogenannten Ökostrom produzieren, können sie diesen für rund 40 Rappen pro Kilowattstunde verkaufen und die Anlage rentabel betreiben. Konsumenten, die bewusst Ökostrom verbrauchen wollen, sind heute bereit, diesen Mehrpreis zu zahlen, denn eine Kilowattstunde konventioneller Strom kostet nur etwa 20 Rappen. Die Netto-Einnahmen aus der Biogas-Anlage machen heute bis zu einem Drittel des bäuerlichen Einkommens aus.

In der Schweiz gibt es aktuell rund 80 Biogas-Anlagen auf Bauernbetrieben. 11 dieser Anlagen, die auf Betrieben von Coop-Naturafarm- oder Bio-Produzenten stehen, hat Coop mitfinanziert. Allein diese 11 Anlagen produzieren 6,4 Millionen Kilowattstunden Strom für fast 2000 Schweizer Haushalte und sorgen dafür, dass organische Abfälle aus der Lebensmittel-produktion sinnvoll genutzt werden. Derweil denken die Bauern Näf und Amsler schon über das nächste Projekt nach: Weil die Vergärung das Methan aus der Gülle nimmt, tun die beiden nämlich auch etwas für die Umwelt. Denn Methan ist ein Treibhausgas, etwa 25 Mal schädlicher als CO2. Wir könnten also, weil wir ja weniger Treibhausgas emittieren, CO2-Zertifikate verkaufen, überlegen sich Näf und Amsler... Doch noch sei die Sache nicht spruchreif.

Erneuerbare Energieträger

Mit Holz backen, mit Sonne Strom erzeugen. Coop fördert erneuerbare Energieträger. In der Grossbäckerei in Gossau wird mit Holz geheizt und mit Sonne Strom produziert.

Die Solaranlage auf dem Dach der Coop-Verteilzentrale Gossau.

Coop arbeitet weiter an ihrem ehrgeizigen Ziel, bis 2023 in allen direkt beeinflussbaren Bereichen CO2-neutral zu werden. Ein weiterer Schritt wurde kürzlich in Gossau gemacht. Dort nahm Coop die erste Holzfeuerung in einer Grossbäckerei in Betrieb. Pro Tag werden 30 Kubikmeter Holzschnitzel aus der Region verbrannt. Die CO2-Reduktion ist eindrücklich: Die bisherige Gas-/Öl-Feuerung stiess jährlich rund 1300 Tonnen CO2 aus. Die Holzschnitzel-Anlage reduziert diesen Ausstoss um etwa 70 Prozent.

Zusätzlich hat Coop auf der Verteilzentrale Gossau SG die grösste Photovoltaik-Anlage der Ostschweiz mit einer Fläche von rund 4500 Quadratmetern in Betrieb genommen. Damit vergrössert sich die Photovoltaik-Fläche von Coop um zirka 50 Prozent. Coop hat damit auf ihren Immobilien insgesamt fast 15000 Quadratmeter Photovoltaik-Fläche installiert dies entspricht etwa 70 Tennisfeldern. Diese Anlagen produzieren jährlich rund 1,8 Millionen Kilowattstunden an Solarstrom, was dem Strombedarf von etwa 540 Haushalten entspricht.

CO2-Reduktion

Coop geht voran, helfen Sie mit!

Coop engagiert sich für das Klima und will bis Ende 2023 CO2-neutral werden. Damit setzt Coop neue Massstäbe im Klimaschutz. Konkret heisst das: Coop senkt bis 2023 die CO2-Emissionen durch die Reduktion des Energieverbrauchs und den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energieträger um über 50 Prozent gegenüber 2008 die restlichen Emissionen werden kompensiert.

Was Sie persönlich zusammen mit Coop zum Klimaschutz beitragen können, erfahren Sie unter:

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