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Taten statt Worte

Trend: Ökotourismus

Die Schweiz, ein Tourismusland par excellence. Doch viele Touristiker sägen am Ast, auf dem sie sitzen. Sagt der Tourismus-Experte Dominik Siegrist.

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weblife.ch, ZVG
16. Januar 2012

Skilift mit Solarpanels im Safiental im Spannungsfeld zwischen Stromautarkie und Landschaftsschutz. Das Projekt ist umstritten und zeigt, dass es im Tourismus nicht schwarz oder weiss gibt.


Interview

Dominik Siegrist ist Präsident von Cipra International.

Coopzeitung:Sie sind Präsident von Cipra International, einer Organisation, die sich für das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Leben in den Alpen einsetzt. Ihre Organisation warnt insbesondere auch vor den Folgen eines überbordenden Tourismus. Wollen Sie uns die Ferien vermiesen?
Dominik Siegrist:Nein, im Gegenteil. Ich komme gerade von den Winterferien im Glarnerland Schneeschuhlaufen, Skitouren und Schlitteln in den Weissenbergen. Alles machbar mit ÖV. Wunderschön.

Schon möglich. Aber ich würde lieber mal wieder auf der Piste Ski fahren muss ich ein schlechtes Gewissen haben?
Ich operiere lieber mit Fakten statt mit schlechtem Gewissen:Und die Fakten sehen in Bezug auf die Alpen unter anderem so aus: Wegen der menschgemachten Klimaerwärmung steigt die Schneegrenze seit Jahren immer weiter an. Dabei ist gerade der Tourismus ein grosser CO2-Verursacher. Stichworte Flug- und Autoverkehr, der Tagestourismus, aber auch die energieintensive Hotellerie. Warum setzt man in einer Branche, die von einem derart sensiblen Gebiet wie den Alpen abhängig ist, nicht mehr auf ÖV und erneuerbaren Ökostrom?
Aber was sollen die Tourismusanbieter in den Wintersportgebieten denn aktuell tun? Denen schmelzen mit der Klimaerwärmung die Umsätze weg!
Die warmen Saisons stärken und dabei das Wandern in all seinen Formen gezielt fördern, aber auch neue Wintertrends neben der Piste erkennen. Allerdings werden sich die finanziellen Ausfälle vom Skitourismus nicht vom einen auf den anderen Tag ausgleichen lassen.
Also kein Skifahren mehr?
Doch aber mit Köpfchen. Ich fahre auch gerne Ski und es gibt Destinationen wie zum Beispiel Scuol: Wenn Sie dort buchen, wird Ihnen das Gepäck direkt in Ihr Feriendomizil angeliefert. Die Hotelkette Sunstar bietet klimaneutrale Ferien an. Das renommierte Palace-Hotel in St.Moritz erzeugt 80 Prozent der Energie durch Wärmeaustausch mit dem St.Moritzersee. Das eben renovierte Berghotel auf Muottas Muragl ist eines der ersten Plus-Energie-Hotels Europas.

Ist das mehr als ein Werbegag Einzelner?
Seit einigen Jahren ist ein Trend in Richtung Nachhatigkeit erkennbar. Ich habe in meiner Arbeit an der Hochschule für Technik Rapperswil oft mit Touristikern zu tun: Bei einigen findet tatsächlich ein Umdenken statt. Andere versuchen, dem Klimawandel mit Symptombekämpfung zu begegnen: immer mehr Schneekanonen, neue Lifte in immer höhere Lagen. Dabei soll ihnen auch noch der Staat unter die Arme greifen. Doch wie viele unberührte Gebiete haben wir noch?
Wird das Angebot also etwa die neue Achtergondel auf den letzten freien Berg nicht von der Nachfrage bestimmt?
Das stimmt ein Stück weit, aber diese fortschreitende Industrialisierung schreckt heute viele Gäste ab. Hinzu kommt, dass sich viele so teure Skiferien nicht leisten können. Angesichts von Klimaänderung und gesellschaftlichem Wandel ist zu befürchten, dass es Ende des Jahrhunderts in den Alpen kaum mehr Skigebiete geben wird.

Und dann? Immerhin bietet der Tourismus 140000 Vollzeitstellen, und mit Einnahmen von gut 15,6 Milliarden Franken ist er der viertwichtigste Exportsektor, das können Sie nicht negieren.
Im Gegenteil. Aber warum kommen die Touristen zu uns? Wegen der unverbauten Berglandschaften, der reinen Alpenluft, der Ursprünglichkeit der Natur. Das ist unser einzigartiges Kapital. Das sehen zunehmend auch die Einheimischen in Tourismusgebieten.

Zum Beispiel?
In Savognin. Der Ort liegt im Parc Ela in Graubünden, einem der neuen Naturpärke der Schweiz. Dort hat sich die Bevölkerung 2010 klar gegen ein neues Tourismusresort und für den Naturpark ausgesprochen. Die Einheimischen setzen lieber auf Langfristigkeit statt auf noch mehr Beton.

Wie soll ich mich also als Konsument verhalten?
Während wir (es ist der 2.Januar in Zürich, die ersten Sonnenhungrigen flanieren in T-Shirts, die Parks sind grün, Anm. d. Red.) hier einen Frühlingstag erleben, gibt es beispielsweise im Jurapark Aargau wunderbare Schneeschuhwanderungen. Nur weiss das kaum jemand. Wer wirklich ökologische Hotels, nachhaltige Angebote oder umweltfreundliche Tourismus-Anbieter sucht, wird aber immer häufiger fündig.
Die Schweiz, ein Tourismusland par excellence. Doch viele Touristiker sägen am Ast, auf dem sie sitzen. Sagt der Tourismus-Experte Dominik Siegrist.
Skilift mit Solarpanels im Safiental im Spannungsfeld zwischen Stromautarkie und Landschaftsschutz. Das Projekt ist umstritten und zeigt, dass es im Tourismus nicht schwarz oder weiss gibt.

Cipra: Schutz der Alpen

Die Cipra, die Commission Internationale pour la Protection des Alpes, ist eine nicht staatliche, unabhängige und nicht gewinnorientierte Dachorganisation, die sich seit 1952 für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung in den Alpen einsetzt. Mit ihrer internationalen Geschäftsstelle in Liechtenstein, den Vertretungen in sieben Alpenstaaten und ihren rund 100 Mitgliedsorganisationen und -institutionen bildet die Cipra heute ein wichtiges alpenweites Netzwerk. Unter anderem geht die Alpenkonvention auf die Cipra zurück.

Zur Webseite der Commission Internationale pour la Protection des Alpes

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