X

Beliebte Themen

Taten statt Worte

Gerettet: Die mit dem Kupferhals

Kupferhalsziegen sind wunderschön und fast so selten wie Goldstücke auf der Strasse. Bei Jennis haben die Tiere gerade Junge bekommen.

FOTOS
Philipp Zinniker
03. April 2013

Einfach schön: Kupferhalsziege auf dem Hof der Jennis.


Reportage

Freude herrscht. Wenn der Spruch je gepasst hat, dann jetzt und hier auf dem Hof von Peter und Sabine Jenni und vor allem ihrer Tochter Lena in Scheunen BE. In den letzten sechs Tagen sind hier drei Gitzi auf die Welt gekommen. Gesund, aufgestellt und schon verspielt. Neugeborene ob Mensch oder Tier sind ja an und für sich schon ein Ereignis, jedesmal wieder ein Wunder. Doch Konrad, Nelly und Netty sind darüber hinaus etwas ganz Spezielles: Die drei sind Kupferhalsziegen, eine Rasse, die bis vor wenigen Jahren als ausgestorben galt. Jetzt gibt es wieder etwa 180 Zuchttiere, sagt Bauer Jenni mit Freude und auch mit ein bisschen Stolz in den Augen.

Einst lebte die Kupferhalsziege in ganzen Herden im Wallis. Doch dann zog sie aus diversen Gründen gegen die zahlreicheren Schwarzhälse den Kürzeren. Den Wallisern gefielen die Kupferhalsziegen wohl nicht, sie wurden nicht gefördert und es gab nie ein Zuchtbuch, so Philippe Ammann von Pro Specie Rara. Das wäre (fast) das Todesurteil für die Kupferhalsgeissen gewesen. Denn wer in keinem Amt, keinem Register registriert ist, der existiert nicht. Wenn dann doch mal ein Gitzi mit kupfrigem Langhaar um den Hals zur Welt kam landete es in der Regel im Kochtopf, so Ammann.

2006 wurde Pro Specie Rara auf eines der allerletzten Exemplare aufmerksam gemacht und es begann eine fiebrige Suche nach weiteren Tieren. Wir machten Aufrufe, durchforschten Ställe, alte Bücher und andere Dokumente, erzählt Ammann. Das war keinen Moment zu früh. 2007, als mit dem Wiederaufbau der Rasse begonnen wurde, gab es noch genau 28 Zuchttiere. Auch Menschen wie Sabine und Peter Jenni, denen etwas am Erhalt alter Rassen und Sorten liegt, widmeten sich der Zucht. Die Jennis sind gerade dabei, ihren Hof auf Bio umzustellen und meinen: Man kann nicht einfach alles kaputtgehen lassen, weil es vielleicht auf den ersten Blick nicht rentiert. Es geht auch um Überzeugungen und die Freude an dem, was man tut. So halten die Jennis original Schweizer Braunvieh, pflegen alte Pro-Specie-Rara-Apfelsorten und seit drei Jahren eben auch die Kupferhalsziegen.

Es geht auch um die Freude an dem, was man tut.»

Peter Jenni, Bauer und Ziegenhalter

Sehr zur Freude von Tochter Lena, die den neugeborenen Konrad umarmt, der nach einem neuen Kinderbuch benannt ist (siehe Nebenartikel). Sehr zur Freude auch von Philippe Ammann. Kupferhalsziegen sind nicht einfach nur schön, sie sind eine uralte Rasse und stellen ein lebendiges Kulturgut dar. Darüber hinaus sind die alten Rassen auch genetisch speziell. Beim Auftauchen neuer Tierkrankheiten oder bei sich ändernden klimatischen Bedingungen ist man vielleicht froh um deren Eigenschaften. Kupferhalsziegen sind zudem robust, genügsam und eignen sich für die extensive Landwirtschaft.

Vier, die sich mögen: Lena Jenni mit Konrad, Nelly und Netty.

Während die Erwachsenen reden, hämpfelet die kleine Lena den noch kleineren Konrad. Sie hört ihren Vater sagen, dass die Tiere schon bald wieder und bis in den Herbst hi-nein im Freien leben. Oder dass auch die Leute vom Tierschutz und von Pro Specie Rara die Haltung überwachen. Zum letzten Mal Freude kommt bei der Frage auf, was mit dem Ziegennachwuchs der Jennis geschieht: In der Pfanne jedenfalls landen die Tiere nicht dafür sind sie uns und Lena viel zu sehr ans Herz gewachsen. Und vor allem werden sie zur Weiterzucht gebraucht: Mit 180 Exemplaren sind die Kupferhalsziegen die seltenste Ziegenrasse der Schweiz, sagt Ammann. Wir suchen darum weitere Ziegenfreunde, die sich an der Rettung der Kupferhälse beteiligen.

Essen statt vergessen

Erleben ein Comeback: alte Gemüsesorten wie Küttiger Rüebli, Chioggia-Randen ...

Als Resultat der Zusammenarbeit mit Pro Specie Rara führt Coop seit 2001 alte, vergessene Tomaten-, Rüebli-, Kartoffel- und Apfelsorten und vieles mehr. Es ist uns wichtig, einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt zu leisten, insbesondere auch zur Agrobiodiversität, erklärt Simona Matt, die zuständige Frau bei Coop.

... oder diverse Tomatensorten.

Besonders für den eigenen Garten oder den Balkon sind die Pro-Specie-Rara-Setzlinge und -Sämereien geeignet, weil sie andere Formen, Farben oder intensivere Geschmackserlebnisse bieten als etwa eine 08/15-Tomate.

PSR-Produkte sind keine Hybride. Das heisst, Sie können die Samen wieder aussäen. Coop ist Sponsorin von Pro-Specie-Rara-Events in der ganzen Schweiz.

Weitere Informationen zu Pro-Specie-Rara auf der Internetseite von Coop

Buchempfehlung

Konrad ist eigentlich ein herziges Kupferhals-Gitzi doch seine andersfarbigen Cousinen, die Schwarzhälse, scheinen ihn nicht zu mögen. Also büxt Konrad aus, um schwarz zu werden, und trifft dabei auf Gundula, die Rhätische Grauviehkuh, und Wollschwein Mathilda mit ihren Ferkeln. Aber schwarz wird er nicht. Oder nur für kurze Zeit. Aber natürlich geht die Geschichte von Konrad gut aus. Wie? Das erfahren Kinder (und Erwachsene) im Bilderbuch von Philippe Ammann und Vera Eggermann. Das schön illustrierte Buch ist erhältlich für Fr. 24.90 unter Tel. 0615459911 und unter folgendem Link.

Bestellen Sie dieses Buch auf der Internetseite von Pro-Specie-Rara