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Taten statt Worte

Osterlämmer echte Berglerinnen

Die Bio-Bauernfamilie Buchli in Zalön GR lebt von und mit Spiegelschafen. Das ist nicht nur gut für die Buchlis und die Schafe, sondern auch für die Liebhaber von exquisitem Berg-Lammfleisch.

FOTOS
Arno Balzarini
15. April 2014

Fast gab es sie nicht mehr, die Spiegelschafe. Doch dank Menschen, die ihr Fleisch gerne essen, werden sie wieder gezüchtet.


Reportage

Wie man sich doch irren kann! Eben lagen, frassen, spielten da 250 Wollknäuel. Doch plötzlich sagen zwei davon nicht mäh, sondern wau, nein WAU!!!. Sie haben scharfe Augen und blitzende Zähne. Wären wir Raubtiere, hätte unser letztes Stündlein geschlagen. Aber wir sind nur harmlose Besucher auf dem Schafbauernbetrieb in Zalön, hoch über dem Safiental. Dort bewachen die Herdenschutzhunde Rifle und Meggy eine Art Paradies für Schafe und Menschen auf 1500 m ü.M.

Zuständig für das Paradies sind Anita und Simon Buchli-Würsch. Und sie haben ihre Schafe wirklich gern. Die Bio-Bäuerin kennt jedes einzelne der 100 Muttertiere. Wenn sie diese beschreiben muss, fallen Worte wie schön, clever, lustig, zahm. Es sind ja auch nicht irgendwelche Blöker, sondern Spiegelschafe mit den klassischen Merkmalen: schmaler Kopf, glatte und wollfreie Stirn (Spiegel) und dunkle Zeichnung um Maul und Augen. Spiegelschafe sind eine alte Bündner Rasse, die man wegen scheinbar schlechter Wirtschaftlichkeit beinahe hat aussterben lassen, erzählt Bio-Bauer Simon Buchli. 1985 war es eigentlich schon fünf nach zwölf für die schönen Tiere. Pro Specie Rara fand noch ein paar letzte Exemplare und stellte die Zeiger zurück. Inzwischen gibt es wieder etwa 2000 Muttertiere, auch und vor allem dank Bauern wie den Buchlis. Sie leben in der Bergzone 4, also mit den schlechtesten Produktionsbedingungen. Dafür sind die Spiegelschafe wie gemacht.

Die leichtfüssigen Tiere schonen den Boden. Ausserdem sind sie robust, widerstandsfähig und mit wenig zufrieden. Richtige Berglerinnen eben.Doch das wenige ist gut. Was im Unterland als Heilpflanze gilt etwa Thymian oder Frauenmänteli , ist hier Viehfutter. Das spürt man auch im Fleisch. Die Koteletts, die die Bäuerin später auftischen wird, haben kaum sichtbares Fett und zergehen auf der Zunge. Schäfelen tun sie auch nicht. Diesen eher unangenehmen Geruch nehmen die Tiere vor allem an, wenn sie mit Kraftfutter gemästet werden. Solches aber haben die Schafe der Buchlis noch nie gefressen. Dafür wachsen die Lämmer langsamer und ihr Fleisch ist begehrt. Es landet bei privaten Kunden und auch in den Coop-Metzgereien und wird rund um Ostern unter dem Pro-Montagna-Label verkauft.

Warum aber werden Tiere, die man gern hat, geschlachtet? Ganz einfach: Wäre das Fleisch von Spiegelschaf-Lämmern nicht begehrt, dann hätte PSR die Uhr nicht mehr zurückdrehen können. Niemand hätte Interesse, sie zu züchten. Anita Buchli meint dazu: Die Tiere werden geschlachtet, das ist so. Doch bis es so weit ist, sollen sie ein gutes, artgerechtes Leben haben. Dafür stehen wir gerade.

Anita und Simon Buchli-Würsch behandeln ihre Tiere mit Respekt und Liebe.

Tatsächlich sind die Tiere unglaublich zutraulich. Das ist nur so, wenn eine enge Bindung zum Menschen besteht. Die beginnt auf dem Hof der Buchlis schon bei der Geburt der Lämmer: Spiegelschafe könnten auch alleine gebären, erklärt der einheimische Bauer. Doch wir wollen für den Fall des Falles einfach möglichst dabei sein, ein geglückter Start ins Leben ist die halbe Miete. Nachtschichten im Stall kann es daher schon geben.

Je länger die beiden erzählen, desto klarer wird:Die Buchlis und ihre Schafe leben tatsächlich an einem paradiesischen Ort. Doch das Ehepaar muss heuen, hüten, alpen, holzen und insgesamt rund 30 Hektaren steiles Land am Ende der Welt bewirtschaften. Das Paradies muss täglich erarbeitet, manchmal auch erkrampft werden.

Mehr Informationen unter: www.bio-lammfleisch.ch

Pro Montagna

www.coop.ch/promontagna