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Taten statt Worte

Hoch hinaus für die nächste Generation

Hochstamm-Bäume sind ein Versprechen an die Zukunft. Hier im Berner Oberland sind sie zwar noch klein, aber in einigen Jahren liefern sie Obst für Most, Jogurt oder Wähen. Schon jetzt bereichern sie das Öko-System.

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Andreas Fahrni, Hochstamm Suisse
24. August 2015

Hier wächst die Zukunft heran: Christina und Stephan Thalmann mit Tochter Jael (8).


Reportage

Auf der taufeuchten Wiese kommt eben die Morgensonne an, die Luft ist klar und rein. Über die Hügel schweift der Blick hinunter bis an den Thunersee, zur Linken erhebt sich schützend die mächtige Pyramide des Niesen ein gesegneter Ort. Wir sind zu Gast auf dem Erlebnishof Hatti in Aeschi bei Spiez BE und stehen inmitten der 200 Hochstamm-Bäume, die Bauer Stephan Thalmann (52) hier vor zwei Jahren mit seinen Söhnen Linus (23) und Clemens (21) gepflanzt hat.

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Robuste Sorten

Apfel- und Kirschbäume zumeist, aber auch ein paar Edelkastanien sind darunter. Robust mussten sie schon sein, denn hier oben auf gut 900 m ü. M. kommt der Obstbau an seine Grenzen. Wir haben etwa 35 Sorten ausgewählt, erzählt der Bauer, auch alte Pro-Specie-Rara-Äpfel. Wenn diese Bäume in 15 bis 20 Jahren erwachsen sind und im Vollertrag stehen, wird Sohn Clemens den Hof führen. Und die kleine Mosterei am Ort wird wohl nicht mehr zur Verarbeitung der Früchte ausreichen. Gut, hat es ein Depot des Getränkeherstellers Ramseier in der Nähe.

Hochstämmer: Es geht wieder aufwärts, auch dank Coop

Markt statt Zuschüsse

Dass es für die Früchte der Hochstämmer wieder einen wachsenden Markt gibt, ist auch dem Engagement von Coop zu verdanken (s. Box). Gemeinsam mit dem Verein Hochstamm Suisse und dem Fonds Landschaft Schweiz hat Coop zudem die Pflanzung von über 4200 Bäumen unterstützt. Beiträge aus der Staatskasse waren für Thalmann dagegen keine grosse Motivation: Mit dem Staat gschirre? Das ist hoffnungslos!, seufzt der Bauer. Hochstamm Suisse bestätigt diese Erfahrung: Die Förderung, die mit der Agrarpolitik 14/17 eben erst ausgebaut wurde, sei bereits wieder gefährdet.

Diesen kleinen Schatten habe ich jetzt beim Heuen schon angenehm gespürt.»

Stephan Thalmann (52), Bauer

Der Bund wolle die Direktzahlungen für Biodiversitätsflächen nun wieder kürzen und die Förderflächen auf maximal 50 Prozent der Betriebsfläche beschränken, teilte die Organisation vor zwei Monaten mit. Dennoch ist Thalmann überzeugt, dass die Hochstamm-Anlage für seinen mit 7 Hektaren vergleichsweise kleinen Betrieb die richtige Entscheidung war: Wir haben kaum Möglichkeiten, die Fläche auszuweiten. Die Hochstämmer sind daher wie ein zweites Stockwerk. Die Wiese darunter wird natürlich weiter genutzt. Und obwohl die Bäume noch lange keinen nennenswerten Ertrag bringen, machen sie sich bereits positiv bemerkbar: In der Hitze der vergangenen Wochen habe ich selbst diesen kleinen Schatten schon beim Heuen angenehm gespürt, lacht Thalmann. Und dann erzählt er von Vogelarten, die jetzt wieder öfter zu sehen sind, von Käfern und jeder Menge anderem Getier. Da entstehen ganz neue Lebenswelten. Das sei nicht nur gut für die Natur, sondern auch für das benachbarte Kinderheim Tabor, mit dem der Hof seit vielen Jahren verbunden ist, erzählt Thalmann. Wenn wir mit den Kindern in Wald und Wiesen unterwegs sind, staune ich selber immer noch über die Vielfalt, die es da zu entdecken gibt!

Tat Nummer 195

Hier finden Sie die Tat Nr. 195 Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick