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Pralles Leben: Bio-Böden sind fruchtbarer

Erde muss leben, um längerfristig Ertrag zu geben. Das zeigt ein Langzeitversuch vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau und vom Bund.

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Pino Covino
09. Februar 2015
Gesunder Boden lebt: Finden Sie den Regenwurm in der Erdscholle?

Gesunder Boden lebt: Finden Sie den Regenwurm in der Erdscholle?


Der Bericht

Die UNO hat 2015 zum internationalen Jahr des Bodens erklärt. Dieser ist weltweit in Gefahr, weil er von uns Menschen zugebaut, nicht nachhaltig genutzt oder gar vergiftet wird. Dabei bildet fruchtbarer, gesunder Boden die Basis für unsere Lebensmittel. Wie ein fruchtbarer Boden aussieht, zeigt uns Paul Mäder (60) vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Die Handvoll Bio-Erde, die er uns entgegenreckt, wimmelt nur so von Leben: Bakterien, mikroskopisch kleine Pilze, fette Würmer sie machen aus Erde erst Muttererde.

Bereits seit 36 Jahren untersucht das von Coop unterstützte FiBL in Kooperation mit dem Bund auf einem Versuchsfeld in Therwil BL diese Grundlage unserer Nahrung. Wir wollten in der sogenannten DOK-Studie herausfinden, wie der Boden langfristig auf den Bio- und auf den konventionellen Landbau reagiert, so Mäder.

Bio-Erde ist reicher an Humus, Regenwürmern und Wurzelpilzen.»

Paul Mäder (60), Bodenforscher

Die gute Nachricht

Ein Hektar Weideland macht oberirdisch rund drei Kühe satt. Unterirdisch, im Boden, sind es umgerechnet 30 Kühe oder 25 Tonnen lebende Organismen wie Regenwürmer, Pilze und Bakterien.

Die gute Nachricht zuerst: Generell geht es den hiesigen Landwirtschaftsböden seit 1997 besser. Damals wurde ein ökologischer Mindeststandard eingeführt, den alle Bauern erfüllen müssen, die Direktzahlungen vom Bund erhalten. Die konventionelle Landwirtschaft hat einige unserer Methoden ansatzweise übernommen. Natürlich wird dort auch heute noch mit Chemie von der Aussaat bis zur Ernte gearbeitet einfach weniger, sagt der Bodenforscher. Und vor allem viel weniger als in ausländischen Monokulturen.

Und jetzt die noch bessere Nachricht: Böden, mit denen nach Grundsätzen des Bio-Landbaus gearbeitet wird, sind bis zu 20 Prozent reicher. Reicher? Ja, an Humus, Regenwürmern oder Wurzelpilzen, die die Pflanzen mit dem natürlichen Dünger Phosphor versorgen. Das mag ein Detail sein. Doch wenn man weiss, dass die weltweiten Phosphor-Lager endlich sind, dass dieser Dünger in wenigen 100 Jahren ausgeht, könnte dieses Detail einmal wichtig werden. Was die DOK-Studie auch zeigt: Die Ernte auf Bio-Böden fällt zwar rund 20 Prozent geringer aus. Dafür sparen die Bio-Bauern etwa 40 Prozent Dünger und ebenso viel Energie ein, weiss Mäder. Weil Bio-Bauern mit Hofdünger arbeiten, keine Pestizide und keinen Kunstdünger kaufen müssen, steht unter dem Strich eine schwarze Null. Der Minderertrag gleicht sich wieder aus, so Mäder.

Weniger Klimagase

Mehr noch: Mäder und seine Wissenschaftskollegen Colin Skinner und Andreas Gattinger haben nachgewiesen, dass biologisch bewirtschaftete Böden weniger Klimagase in die Atmosphäre abgeben. Beim Bio-Weizen etwa sind es bis zu 30 Prozent pro Tonne. Auch die Artenvielfalt ist auf und in Bio-Böden deutlich grösser. Bio-Böden verlieren ihre Lebendigkeit nicht, ist Mäder überzeugt. Sie werden auch in Zukunft die Menschen ernähren.

Bio-Landbau

Bodenforschung: Paul Mäder untersucht Proben im Labor.

Ohne gesunde Böden keine gesunden Lebensmittel. Darum hat die UNO 2015 zum Jahr der Böden ausgerufen. Auch für Coop ist Boden ein zentrales Anliegen. Deshalb fördert Coop seit Jahren die biologische Landwirtschaft und eine Vielzahl von innovativen Projekten, welche die Bodenfruchtbarkeit erhalten und verbessern. Pionierin im Bereich der Bodenforschung ist das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), eine langjährige Partnerin, die Coop seit 1993 mit jährlich einer Million Franken unter-stützt. Die sogenannte DOK-Studie (siehe Hauptartikel) ist so aussagekräftig, dass die weltweit wichtigste Wissenschaftszeitung Science Resultate daraus veröffentlichte.

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