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Taten statt Worte

Clever! Umweltfreundlich verpackt

Die richtige Verpackung kann dafür sorgen, dass Lebensmittel besser halten und weniger schnell weggeworfen werden. Thijs Defraeye tüftelt an neuen Lösungen.

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Roberto Ceccarelli, Heiner H. Schmitt
29. Februar 2016

Hightech für mehr Haltbarkeit: Thijs Defraeye nutzt bei seiner Arbeit auch den Windkanal.


Forschungsarbeit

Kiste ist ja wohl Kiste, könnte man meinen Hauptsache, man kann Früchte irgendwie transportieren. Thijs Defraeye sieht dies anders: Nehmen wir als Beispiel eine Bananenkiste: Die hat nicht einfach Löcher, sagt der Ingenieur. Sie sind so angelegt, dass die Früchte im Frachtschiff ideal gekühlt und belüftet werden. Ist dies nicht gewährleistet, findet sich beim Entladen unter Umständen nur noch Matsch. Dass sich Form und Position der Löcher in den letzten Jahren verändert haben und die Haltbarkeit der Früchte besser wurde, liegt an Leuten wie Defraeye.

Sein Ziel: Haltbarkeit

Seit rund drei Jahren beschäftigt sich der Belgier an der ETH in Zürich sowie an der Empa in Dübendorf ZH mit Kühlketten und Verpackungen. Sein Ziel ist es, umweltfreundliche Verpackungen zu konstruieren, die auch die Haltbarkeit der Lebensmittel verbessern. Finanziell unterstützt wird seine Forschung vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit: Uns ist es ein Anliegen, dass während Transport und Lagerung möglichst wenig Qualitätseinbussen und Lebensmittelverluste entstehen, sagt Annina Böhlen, verantwortlich für den Fonds bei Coop.
Das Thema ist superspannend, findet der Ingenieur. Vor allem kann ich mit meiner Arbeit wirklich etwas bewirken. Nicht zuletzt, da viele Früchte eine lange Reise hinter sich haben, bis sie beim Kunden sind. Auch seien die Bedingungen nicht überall gleich: Hier in der Schweiz werden Früchte fast wie VIPs gepflegt und gehätschelt, scherzt der 32-Jährige. Doch in Südafrika um nur ein Beispiel zu nennen sieht dies anders aus.
Dabei ist Südafrika der drittgrösste Produzent für Zitrusfrüchte weltweit. Bei diesen ist insbesondere die erste Phase nach dem Pflücken wichtig: Damit sich die Früchte bis zum Kunden halten, müssen sie möglichst schnell gekühlt werden, sagt Defraeye. Doch in Südafrika ist dies oft Theorie: Häufig werden die Früchte bei hohen Temperaturen erst 1000 Kilometer weit gefahren, bevor sie in Kühlhäusern landen. Auf den Plantagen gab es bisher kaum Möglichkeiten, die Früchte zu kühlen. Entsprechend gross sind daher die Nachernteverluste.

Die Form ist wichtig

Defraeye spielte mit verschiedensten Ideen, um das Problem anzugehen. Schliesslich kam er zum Schluss, dass es am einfachsten wäre, jene Transportcontainer, die bei der Verschiffung verwendet werden, mit einer geeigneten Kühlung auszustatten und neben die Felder zu stellen. Doch mit der Kühlung allein ist es nicht getan: Auch das Verpackungsdesign spielt mit, erklärt er. Denn siehe Bananenkisten die Löcher müssen am richtigen Ort angebracht sein und vor allem zum Container passen. Denn es gibt verschiedenste Kühlsysteme: mal wird die Kälte von unten nach oben verteilt, mal von einer Seite her: Ist die Verpackung nicht abgestimmt darauf, kann dies innerhalb des Containers grosse Unterschiede geben.
Und bei alledem versucht Thijs Defraeye Aussehen, Gewicht und die Umweltverträglichkeit des Verpackungsmaterials nicht ausser Acht zu lassen. All das spielt eine grosse Rolle: Immerhin begleiten die Kisten und Behälter die Ware oft vom Feld bis in den Laden. Sprich: Es gibt noch viel zu tun.

Tat Nr. 92

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