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Taten statt Worte

Geissen-Jon: Ein Strahlemann im Element

Der Bündner Landwirt Jon Paul Thom liebt seine Ziegen. Zusammen mit der Coop Patenschaft für Berggebiete hilft er, die neugierigen Tiere noch beliebter zu machen.

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Andreas Eugster, zVg
27. Juni 2016

Landwirt Jon Paul Thom schätzt das wunderbare Wesen der Geissen.


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Geissen sind extrem verschmust

Regen mögen sie gar nicht. Da gehts schnurstracks und im Laufschritt zurück in den Stall. Doch nicht ohne sich beim Vorbeilaufen noch ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Ein Szenario, das beide Parteien sichtlich geniessen. Geissen sind extrem verschmust, erklärt Thom und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Als wollte sie diesen Worten Nachdruck verleihen, schmiegt sich Ursina an sein Bein und verfolgt danach ihr Herrchen auf Schritt und Tritt.

Sie ist eine von sieben Ziegen, die dem 55-Jährigen gehören. Bündner Strahlenziegen sind es. Man erkennt sie an den zwei weissen Streifen oder eben Strahlen , die vom Horngrund bis zur Nase verlaufen. U huara schön, oder, entfährt es dem Landwirt und wiederum strahlt er. Kein Wunder, hat sich Jon Paul Thom für die Rasse mit dem Strahlen im Namen entschieden. Neben Thoms Geissen beherbergt die Alp Valmala von Anfang Juni bis Ende September 123 weitere Ziegen. 16 Bauern aus der näheren Umgebung lassen ihre Tiere dort sorgfältig auserlesene Kräutchen aus dem steilen Hang rupfen. Geissen sind die Gourmets der Wiederkäuer, weiss Thom, sie pflücken sich nur die Delikatessen raus, nicht so wie die Kühe, die einfach alles abgrasen.



Während der Alpsaison ist auch Besuch willkommen. Denn Valmala oberhalb der 400-Seelen-Gemeinde Ardez ist neben Sust Peil in Vals, Suot in Guarda und Falla in Klosters eine der vier Bündner Alpen, die sich dem Ziegenpatenschaftsprojekt der Coop Patenschaft für Berggebiete angeschlossen haben. Dabei haben Interessierte die Möglichkeit, einen Sommer lang Gotte oder Götti einer Ziege zu sein. Eine gute Sache, findet Jon Paul Thom und ergänzt: Das hilft uns, die Geissen wieder ein wenig bekannter zu machen und deren wunderbares Wesen den Besuchern näherzubringen. Der Vater von drei erwachsenen Kindern ist sich dabei nicht zu schade, auch schon mal erklären zu müssen, dass die Milch nicht im Tetrapak, sondern im Euter gedeiht. Bei einem Thema aber verdunkelt sich die Miene des sonstigen Strahlemannes ein wenig. Ich weiss, beginnt er, das Thema ist viel diskutiert und kontrovers, aber viele Städter verstehen nicht, warum wir hier keine Bären und Wölfe haben wollen und versuchen, diese zu verscheuchen.

Schutzhunde wären ein Risiko

Würden sich diese in der Nacht auf der Alp herum- treiben, sei das am nächsten Morgen meist kein schöner Anblick. Warum haben Sie denn keine Schutzhunde?, werde er dann oft gefragt. Der Grund, der dagegen spricht, ist simpel, argumentiert Thom. Schutzhunde müssen abgerichtet und scharf sein. Hätte ich solche, wäre dies ein Risiko für die Besucher, insbesondere für jene, die mit eigenen Hunden anreisen.

Sie lieben steiles Gelände

Meist sei die Diskussion dann aber sowieso rasch beendet, wenn ich den Leuten sage, dass es für uns so ist, als hätten sie ein solches Raubtier in ihrem eigenen Garten. Während sich die Miene von Jon Paul Thom langsam wieder aufheitert, verziehen sich auch die Wolken, die Sonne drückt durch und die Geissen machen sich auf den Weg zurück in den Steilhang. Dort sind sie am liebsten, erklärt er, schaut ihnen hinterher und ... strahlt.

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