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Taten statt Worte

Gut betreute Hülsenfrüchte

Menschen wie Annafried Widmer-Kessler helfen, alte Pflanzensorten vor dem Vergessen zu retten. Besonders angetan haben es der Sortenbetreuerin die Bohnen.

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zVg
23. Mai 2016

Pro Specie Rara

Kaum zu glauben wie viele Bohnensorten existieren. Hier eine kleine Auswahl (vlnr) Klosterfrauen Vogel, Max Meier, Klapprotts Lila Schecke, Wädenswiler Schwertbohne, Fasöi Grisoni, Tansania.

Wenn Annafried Widmer-Kessler im Brustton tiefster Überzeugung sagt: Man muss Bohnen wieder mehr Respekt entgegenbringen, klingt das erst mal befremdlich. Doch wer der engagierten Sortenbetreuerin von Pro Specie Rara zuhört, merkt schnell: Das Herz der ehemaligen Primarlehrerin schlägt für die Bohne. In ihrem Garten hat sie im Lauf der letzten 25 Jah-re über 60 seltene und beinahe vergessen gegangene Bohnensorten kultiviert und bewahrt diese so vor dem Aussterben.
Das macht Sinn, denn Bohnen sind nicht nur gesund und schmackhaft, sie bringen auch viel Stickstoff in den Boden, was sie zu einem wichtigen biologischen Helfer der Landwirtschaft macht. Zudem sind sie verhältnismässig anspruchslos in der Pflege. Da Bohnen, gute Lagerung vorausgesetzt, ihre Keimfähigkeit über Jahre behalten, gelten sie in vielen Ländern als krisensicheres Grundnahrungsmittel. Dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2016 zum internationalen Jahr der Hülsenfrüchte erklärt hat, ist für Annafried Widmer-Kessler somit eine längst fällige Anerkennung für ihre Leidenschaft und ihr grosses Engagement.

Bescheidener Anfang

Dabei hat alles ganz klein angefangen, wie sie erklärt: Als ich mit meinen Mann aus Neugierde zum ersten Mal an ein Sortenbetreuertreffen von Pro Specie Rara ging, waren da keine zwanzig Leute, und das Saatgut, was es unter den Interessierten zu verteilen gab, passte in eine Schuhschachtel. Für die angehende Sortenbetreuerin gabs 12 Stangenbohnensamen der Sorte Klapprotts Lila Schecke, von denen sie sieben pflanzte und fünf als Notfallreserve zurückhielt, falls etwas schiefgeht. Das war aber nicht der Fall und die Bohnen haben sie nicht mehr losgelassen. Heute ist Widmer-Kessler fast schon so etwas wie ein wandelndes Bohnenlexikon. Und obschon die Schweiz ein traditionelles Stangenbohnenland ist, finden sich in ihrem Fundus auch seltene ausländische Sorten, von der roten Montezuma aus Mexiko bis zur Spargelbohne aus Äthiopien.
Ihr Wissen gibt die engagierte Sortenbetreuerin unter anderem an Pro-Specie-Rara-Märkten weiter. Entsprechend verbringt sie auch viel Zeit mit Recherchen über die einzelnen Sorten, die sie zieht, und wagt auch gerne das eine oder andere Experiment. Zum Beispiel ein Hummus mit Saubohnen. Es müssen nicht immer Kichererbsen sein, die Geschmacksvielfalt der Bohnen ist nämlich überwältigend. Nur logisch, dass ihr Wissen mittlerweile auch bei Köchen gefragt ist, insbesondere in der gehobenen Gastronomie, wo seltene und alte Gemüsesorten begehrt sind.

Doch auch ohne Schädlinge ist der Gewürzanbau ein harter Job, denn Maschinen kann man so gut wie keine einsetzen und die Arbeit hat es in sich: Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Pflücker mit einem Weidenkorb auf dem Rücken auf die Muskatbäume klettern, um die reifen Früchte einzeln zu ernten, erzählt von Felten.

Wollen Sie sich um seltene und alte Garten- und Ackerpflanzen kümmern und dabei aktiv zu deren Erhaltung beitragen? Pro Specie Rara sucht neue Sortenbetreuer.

Mehr Informationen bei www.prospecierara.ch

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