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Taten statt Worte

Mutterliebe: Die natürliche Rinderhaltung

Fleisch von glücklichen Tieren ist laut einer Studie gesünder. Nicht nur die Tiere, auch die Menschen profitieren, wenn das Kalb möglichst lange bei seiner Mutter bleibt.

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Visualimpact.ch / Rainer Eder, zVg
25. April 2016

Nach der Geburt bleibt das Kalb zehn Monate bei seiner Mutter.


Tierfreundlich

Eddi, Fjord, Fjell oder Ding und Dong. Cecile Müller (50) muss nicht lange überlegen, um die Namen ihrer Kühe aufzuzählen. 22 Mutter- und 23 Jungtiere sind es, die da auf dem 14 Hektar grossen Gehöft von Bauernpaar Cecile und Josef Müller im luzernischen Ruswil genüsslich vor sich hin grasen.
Wir geben allen Tieren einen Namen, erklärt die Bäuerin und fügt an: Bei so vielen ist das gar nicht so einfach. Erschwerend kommt die Eigendoktrin hinzu, dass der Name des jeweiligen Kalbes mit demselben Anfangsbuchstaben wie derjenige der Mutter beginnen soll.

Persönlicher Bezug

Das ist wichtig für uns, das mit den Namen, ergänzt Josef Müller. Es gebe einen persönlichen Bezug zu den Tieren. Rasch wird klar, das sind keine leeren Worthülsen. Bauer Josef bewegt sich inmitten der Herde, als wäre er Teil davon. Natürlich ist dies nicht nur der Namensgebung geschuldet, sondern hat auch damit zu tun, dass sich das Bauernpaar mit seinen Kühen abgibt, mit ihnen spricht sich um sie kümmert. Fast so herzlich wie das die Muttertiere mit ihren Kälbern tun.
Denn der Hof von Cecile und Josef Müller ist ein Mutterkuhbetrieb. Das heisst: Nach der Geburt bleibt das Kalb bei seiner Mutter auf der Weide und im Stall. So können die Jungtiere rund um die Uhr von ihren Müttern gesäugt werden, erklärt Daniel Flückiger, Kommunikationsleiter von Mutterkuh Schweiz.

Ein persönlicher Bezug zu den Tieren ist uns wichtig.»

Josef Müller (53), Bauer

Zehn Monate dauert die traute Zweisamkeit, bevor der natürliche Ablöseprozess vollzogen wird. Mutterkuhhaltung ist aber kein Jekami. Die Auflagen sind streng. Freilandhaltung mit Sommerweide, Winterauslauf sowie eingestreute Liegeflächen sind Voraussetzung. Der Einsatz von Soja, wachstumsfördernden Zusatzstoffen, tierischen Eiweissen oder Fetten und gentechnisch veränderten Futtermitteln ist verboten. Damit sich die Betriebe garantiert daran halten, werden sie von einer unabhängigen Stelle jährlich kontrolliert ohne Voranmeldung, wie Flückiger betont.

Auch der Mensch profitiert

Mutterkuh Schweiz zählt heute 5000 Mitglieder, die zusammen über 90000 Mutterkühe halten. Doch obwohl die Zahl der Neumitglieder stetig wächst, macht die Mutterkuhhaltung in der Schweiz mit 12 Prozent nach wie vor einen kleinen Teil des Rindviehbestandes aus. Es besteht also noch Ausbaupotenzial.
Doch profitiert auch der Mensch davon? Ist Rindfleisch aus tierfreundlicher Haltung besser? Eine Studie der Newcastle University beweist dies, sagt Adrian Schlageter, Projektleiter im Fachbereich Tierwohl und An-sprechpartner für Naturafarm bei Coop. So enthalte Fleisch aus Weidehaltung rund 50 Prozent mehr gesundheitsfördernde Omega-3-Fettsäuren als konventionelle Produkte.
Schon seit über 30 Jahren fördert Coop diese nachhaltige und natürlichste Art aller Rinderhaltungen und weist mittlerweile über 50 Prozent des gesamten Rindfleischabsatzes unter dem Label Natura-Beef aus dem Label, das für Fleisch aus Mutterkuhhaltung steht.

Tat Nr. 62

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