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Taten statt Worte

Paradies für Fledermäuse

Hochstammbäume sind für Fledermäuse und Vögel Heimat und Jagdgebiet zugleich. Deshalb ist der Erhalt dieser Obstbäume besonders wichtig.

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zVg
08. August 2016

Bio-Bauer Peter Zahner überprüft regelmässig die Fledermauskästen an seinen Hochstamm-Bäumen.


Lebensraum

In den Hochstamm-Bäumen fühlt sich das Braune Langohr besonders wohl.

Rund 300 Hochstammbäume stehen grosszügig verteilt auf dem Land von Bauer Peter Zahner. Darunter grasen friedlich seine Kühe. Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen sie alle bilden einen wunderbaren Obstgarten in Waldkirch SG.
Die Hochstammbäume sind für Vögel und Fledermäuse ein wahres Paradies. Durch ihren lockeren Wuchs bieten sie viel Platz zum Herumflattern und Jagen. Auf dem Hof von Peter Zahner leben sechs Fledermaus-Arten: das Braune Langohr, der Kleine und der Grosse Abendsegler, die Fransenfledermaus, die Zwergfledermaus und das Mausohr.

Ein neues Zuhause

Zahners Passion für Fledermäuse nahm ihren Anfang in den frühen 1990er-Jahren, als er den Hof von seinem Vater übernahm. Er bemerkte, dass im Stall viele Fledermäuse hausten. Als er einen neuen Stall baute, sollten auch die Fledermäuse ein neues Zuhause bekommen.
Zahner zimmerte hölzerne Fledermauskästen nach Anleitung aus einem Naturheft. Viele belächelten mich damals, sie glaubten nicht, dass die Fledermäuse sich in einer solchen Konstruktion niederlassen würden, sagt Zahner. Doch sie kamen und blieben.
Obstgärten sind ideale Sommerquartiere für das Braune Langohr. In den Bäumen und dem Gras darunter verstecken sich viele Insekten ein Festmahl für Fledermäuse.
Weil Hochstammbäume, im Unterschied zu Niederstamm-Plantagen, nicht abgedeckt werden, können sich die Tiere frei bewegen und Käfer und Raupen von den Blättern und Stämmen ablesen. Insekten gibt es bei Zahner reichlich er führt einen Bio-Betrieb und verzichtet darauf, seine Bäume mit Insektiziden zu bespritzen.

Wichtige Birnbäume

Besonders wohl fühlen sich die Fledermäuse in Birnbäumen. Sie sind noch höher und ihre Äste stehen noch lockerer als diejenigen der Apfelbäume, weiss Zahner. Leider gibt es zurzeit ein Überangebot an Hochstamm-Birnen, die Preise sind in den Keller gefallen.
Deshalb hat Coop in Zusammenarbeit mit Hochstamm Suisse und der Mosterei Ramseier drei Hochstamm-Getränke mit extra viel Birnensaft lanciert. Der Coop-Birnensaft besteht zu 100 Prozent aus Schweizer Hochstammbirnen, der Ramseier Hochstämmer und die neue naturtrübe Schorle zu rund 30 Prozent. Durch Zugabe des Birnensaftes schmecken der Hochstämmer und die Schorle besonders mild.
Ich hoffe, damit können wir mehr Bauern dazu animieren, ihre Birnbäume stehen zu lassen. Denn nur, wenn es sich auch wirtschaftlich lohnt, werden sich die Bäume halten können, sagt Zahner, der auch im Vorstand von Hochstamm Suisse ist.
Zahners Engagement geht über die Pflege seines Hochstammgartens hinaus. Gemeinsam mit dem Fledermausschutz hat er an seinen Bäumen 30 zusätzliche Fledermauskästen aus Holzbeton angebracht. Alle paar Wochen zähle ich die Fledermäuse mittels Ultraschall-Detektor, sagt Zahner.

Tat Nr. 195

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