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Taten statt Worte

Time-out: Die Bienen ruhen aus

Bienen sind Frühlingsboten: Wenn die Tage wärmer werden und die Pflanzen neu blühen, sind sie wieder unterwegs. Doch was machen die fleissigen Insekten im Winter?

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Alain Intraina
04. Januar 2016

In ihrer kleinen Rösterei im italienischen Bergamo verarbeiten Erminia Nodari (rechts) und Tullio Plebani die äthiopischen Harenna-Kaffeebohnen von Slow Food.


Flugpause

Das Jahr 2015 war ein gutes Bienenjahr. Vor allem die Ernte beim Waldhonig fiel üppig aus, sagen die Imker Birgit Steiner (55), Stefan Schelbert (41) und Robert Fehr (63) vom Projektteam Kleiner Imker in Kaltbrunn SG. Durch die milden Temperaturen im Herbst war es ausserdem eine lange Bienensaison. Noch bis weit in den November hinein flogen die Schützlinge der Bio-Imker und zogen weiterhin Brut auf. Die Imker mussten daher mit der obligatorischen Behandlung gegen die Varroa-Milben zuwarten. Wir hätten es daher lieber, es wäre schon früher kalt, erklärt Birgit Steiner. Denn die Behandlung muss bis Ende Dezember in brutfreiem Zustand erfolgen so will es die imkerliche Praxis. Da die Bienen das Brüten erst bei Frost einstellen, müssen die Imker flexibel sein. Wenn er dann einsetzt, ziehen sich die Bienen in der sogenannten Wintertraube zusammen, in deren Mitte die Königin sitzt. Die Bienen in der äussersten Schicht erzeugen durch das Bewegen ihrer Flügelmuskulatur Wärme. Im Innern der Traube entsteht so eine Temperatur von mindestens 25 Grad. Bienen halten also keinen Winterschlaf, wie immer wieder gesagt wird, stellt Robert Fehr klar, sondern vielmehr eine Winterruhe.

Winterliche Ausflüge

Die Bienen verlassen auch im Winter den Stock hin und wieder. Sobald die Temperaturen mindestens 12 Grad betragen, machen die Bienen einen Reinigungsflug, auf dem sie den Darm entleeren, erzählt Robert Fehr. Dann setzen sie die Traube in neuer Besetzung wieder zusammen. Wichtig ist, dass die Bienen genügend Luft bekommen und vor Lärm und Erschütterungen geschützt sind. Dann überstehen sie auch harte Winter gut, so Fehr. Als Nahrung dienen ihnen die Vorräte, welche sie im Sommer und Herbst in den Futterwaben eingelagert haben.

Ferienzeit für Imker

Im Gegensatz zu den Bienen kann sich der Imker keine Winterruhe leisten. Es wartet viel Arbeit auf ihn, die Varroa-Behandlung ist nur eine davon. Neben dem Honigverkauf geht es auch darum, das Wachs einzuschmelzen, zu reinigen und für die Weiterverarbeitung aufzubereiten, zum Beispiel für die Kerzenherstellung, die Verarbeitung in Kosmetikprodukten oder die Produktion neuer Mittelwände für die Wabenrahmen. Und es gilt, alles wieder bereit zu machen für den Frühling, etwa das nötige Material zu bestellen. Dafür und für die Planung muss sich der Imker auch überlegen, mit wie vielen Völkern er die kommende Saison bestreiten will. Und man müsse hin und wieder schauen, ob mit den Bienen alles in Ordnung ist. Dennoch: Man hat es als Imker im Winter nicht ganz so streng wie während der Saison, sagt Stefan Schelbert. Herbst und Winter sind Ferienzeit für uns Imker. Im Sommer liegen nur wenige Tage am Stück drin. Dafür hat der Imker dann auch mehr Kontakt zu seinen Schützlingen. Das sei viel schöner, als nur für die Hardware verantwortlich zu sein, sind sich alle drei einig. Das Herz schlägt höher, wenn die ersten Bäume blühen und die Bienen wieder anfangen zu fliegen.

Tat Nr. 82

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