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Taten statt Worte

Vanille

Vanille ist eines der teuersten Gewürze der Welt. Wie die Orchideenart angebaut und verarbeitet wird und was die Kleinbauern im Indischen Ozean davon haben.

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Rijasolo/Riva Press/Laif, Heiner H. Schmitt
22. August 2016

Mit dünnen Holzstäbchen drücken die Bauern den Blütenstaub auf die Narbe der Pflanze und sorgen so für die Befruchtung.


Madagaskar

Nur für einen Tag öffnen sich die Blüten der Vanillepflanzen, dann verwelken sie. Zu wenig Zeit für
natürliche Bestäuber, alle Blüten einer Pflanze bestäuben zu können. Um ja keine Blüte zu verschenken, wird seit Mitte des 19.Jahrhunderts die Befruchtung künstlich vorgenommen vor allem in Madagaskar, von wo heute über 70 Prozent aller geernteten Vanille-Schoten stammen. Hier gehen in den frühen Morgenstunden die Leute, wie die über 620 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern der Kooperative Association des Planteurs de Mananara im Nordosten der Insel, auf die Felder und suchen nach neuen Blüten. Mit dünnen Holzstäbchen drücken sie von Hand den männlichen Blütenstaub auf die weibliche Narbe und sorgen damit für eine Befruchtung.
Die manuelle Bestäubung hat auch einen anderen, skurril anmutenden Grund: Auf Madagaskar gibt es gar keine Insekten, welche die Vanilleblüten bestäuben! Die darauf spezialisierten Insekten wie die Melipona-Biene und eine besondere Kolibri-Art kommen nämlich nur im Dschungel von Mexiko vor.

Sklave findet die Lösung

Jahrhundertelang besass die Kolonialmacht Spanien deswegen das Monopol auf Vanille und bestimmte nach Belieben die Weltmarktpreise. Versuche der Franzosen, das Monopol zu durchbrechen und die Vanille-Pflanze in anderen Regionen anzubauen, scheiterten kläglich. Ein Sklave brachte die Wende: Edmon Albius hatte die Idee zur manuellen Befruchtung das war im Jahre 1841 auf der Insel La Réunion, die damals Île Bourbon hiess. Und so gelangte die bis heute bekannte Bourbon-Vanille dann auch auf die nicht weit entfernte Nachbarinsel Madagaskar und wurde dort zu einem der wichtigsten Exportprodukte.
Nicht nur wegen der aufwendigen manuellen Befruchtung ist Vanille das teuerste Gewürz nach Safran. Auch die anschliessende Verarbeitung ist zeit- und arbeitsintensiv: Nach der Ernte der grünen Schoten kommen sie in ein Warmwasserbad und danach für 48 Stunden mit Wolltüchern zugedeckt in Holzboxen. Danach startet der langwierige, bis zu sechs Monate dauernde Trocknungsprozess, bei dem die Schoten abwechselnd in der Sonne und im Schatten gewendet und massiert werden. Erst dadurch werden sie dunkelbraun und erhalten ihren typischen Geschmack.

Kleinbauern profitieren

Von den teuren Vanille-Preisen profitieren oft nicht die, die am meisten Arbeit haben: die Kleinbauern. Anders ergeht es der Kooperative Ma-nanara. Weil Coop diverse Artikel wie Glace, Jogurt oder andere Desserts auf Fairtrade umstellt und über 30 Prozent der Vanille-Ernte garantiert abnimmt, verbessern sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern, die aus 20 Dörfern der Gegend stammen.
Zusätzlich erhält die Kooperative eine Fairtrade-Prämie. Damit werden der Bau von Brücken oder Schulen und Weiterbildungsmassnahmen finanziert. Auch Schäden, die schwere Stürme immer wieder anrichten, beheben die Bauern mit den Geldern aus der Fairtrade-Prämie.

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