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Wasser!

Coop investiert in ein Wasserfilterprojekt in Afrika und kompensiert damit CO2. Die Bauern kommen so zu sauberem Trinkwasser, ohne dass sie die letzten Wälder verfeuern müssen. Das hilft auch der Ökologie der Region.

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Felix Seuffert/WWF
03. Oktober 2016

Tansania

Die Wasserfilter machen ungeniessbares Wasser zu sauberem Wasser. 

Seit 2008 kompensiert Coop das gesamte CO2, das durch den Flugtransport von Waren, die Lieferungen von Coop@home und durch Geschäftsreisen entsteht. Kompensiert bedeutet, dass irgendwo anders weniger CO2 anfallen darf. Dazu haben Coop und der WWF ein neues Wasserfilterprojekt in den Distrikten Karagwe und Kyerwa im Nordwesten Tansanias gestartet. Die Wasserfilter ersetzen Feuerholz, denn um sauberes Trinkwasser zu bekommen, müssen die Menschen dort ihr Wasser abkochen. Sie verfeuern dazu ihre letzten Bäume. Coop und der WWF verkaufen diese Wasserfilter zu einem günstigen Preis.
Vor Kurzem ist die für Klima und Energie zuständige Projektleiterin des WWF Schweiz, Bella Roscher (48), in Tansania gewesen und hat sich ein Bild gemacht, ob und wie die Wasserfilter verwendet werden.

Wozu brauchen die Menschen in Tansania Wasserfilter?
Die Menschen dort haben nur begrenzten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Sie holen es zum Teil aus Grundwasserfassungen oder von Quellen. Aber auch wenn es auf den ersten Blick sauber aussieht, ist das Wasser nicht geniessbar. Man muss es abkochen oder zum Beispiel mit Chlortabletten entkeimen.

Und die Filter können dies ersetzen?
Ja, sehr gut. Das System ist einfach und relativ kostengünstig. Das Wasser sickert durch einen einfachen Keramikfilter und wird von Bakterien und Verschmutzungen gesäubert. So gereinigtes Wasser hat Trinkwasserqualität, ohne dass man es abkocht. Eine Familie muss dadurch viel weniger Holz verbrennen. Jeder Filter reduziert die CO2-Emission um rund zwei Tonnen. Zum Vergleich: So viel CO2 verursacht ein Flug von Zürich nach Nairobi und zurück pro Person. Hinzu kommt, dass der Wasserhaushalt und die Biodiversität der ganzen Region profitieren, wenn nicht der letzte Wald verfeuert wird.

Was kosten diese Filter?
Die Filter kosten im Moment umgerechnet Fr. 14.50. Das ist etwa die Hälfte des Marktpreises. Über das Projekt subventioniert Coop die andere Hälfte. Das ist aber nicht alles. Kosten verursacht auch der Aufbau der Verkaufsorganisation. Die Leute können nicht einfach in den nächsten Supermarkt um die Ecke fahren und diesen Filter kaufen. Zudem ermöglicht Coop die Durchführung von Schulungen und Hygienekampagnen sowie den Zertifizierungsprozess.

Bis jetzt wurden 540 Filter verkauft. Das ist nicht viel.
Richtig. Man muss aber wissen, dass das monatliche Familieneinkommen in der Region bei 50 Franken liegt. Für die Menschen in Tansania sind die Filter teuer. Sie können sie also nicht so nebenbei mal beschaffen.

Das Quellwasser in Tansania hat nicht immer Trinkwasserqualität.

Warum subventioniert man die Filter nicht stärker und gibt sie billiger ab?
Das funktioniert nicht, das haben wir bei anderen Projekten erkennen müssen. Wenn die Filter unter dem Wert verkauft werden, besteht das Risiko, dass sie sofort weiterverkauft werden, und es entsteht ein Schwarzmarkt. Unser Ziel ist, bis Ende des nächsten Jahres 4000 Filter zu verkaufen. Damit kann Coop in den nächsten sieben Jahren 35000 Tonnen CO2 kompensieren.

Ist es schwierig, die Menschen vom Gebrauch der Filter zu überzeugen?
Nein, das ist nicht das Problem. Tansania hat ein gutes Bildungssystem, die Menschen sind informiert. Sie wissen, dass viele Verdauungskrankheiten vom schmutzigen Wasser herrühren. Wenn sie trotzdem verschmutztes Wasser trinken, dann, weil es ihnen an Zeit oder Geld mangelt, Feuerholz zu beschaffen. Aber die Informationskampagnen fangen an, Früchte zu tragen.

Wofür wird das gereinigte Wasser verwendet?
Ausschliesslich zum Trinken. Ein Filter kann pro Stunde vier bis fünf Liter Wasser reinigen: Er schafft in vier Stunden den Tagesbedarf einer Familie. Suppe machen die Menschen noch immer aus dem nicht gereinigten Wasser, weil die ja ohnehin gekocht wird. Auch das ist eine Geldfrage. Je mehr Wasser durch den Filter läuft, desto früher muss man ihn ersetzen. Ein Filter hält bei sparsamem Einsatz ein bis zwei Jahre, er muss lediglich regelmässig mit einem Putzschwamm gereinigt werden. Ein Ersatzfilter kostet acht Franken.

Warum wurde gerade diese Region ausgewählt?
Coop möchte ihre Projekte entlang der eigenen Wertschöpfungskette realisieren. Aus den Distrikten Karagwe und Kyerwa kommt Kaffee, den Coop in der Eigenmarke Qualité&Prix verwendet.

Tat Nr. 322

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