Cacao Arriba: Wenn Edelkakao (fast) wie im Regenwald wächst | Coopzeitung
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Cacao Arriba: Wenn Edelkakao (fast) wie im Regenwald wächst

Vielerorts wird Kakao in Monokulturen angebaut. Darunter leiden Kakaobäume, Kleinbauern und die Umwelt. Chocolats Halba möchte dies mit einem Pilotprojekt in Ecuador ändern.

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Chocolats Halba
28. August 2017
Kakaobauern schneiden die Pflanzen zurück. Dabei dürfen sie die Baumrinde nicht verletzen.

Kakaobauern schneiden die Pflanzen zurück. Dabei dürfen sie die Baumrinde nicht verletzen.


Ecuador

Nein, die Kakao-Plantage von Manuel Salazar (63) in El Deseo wird ihrem Namen nicht ganz gerecht. Papaya- und Zitrusbäume stehen zwischen den Kakaopflanzen, am Boden wuchert das Grün von Kürbis, Bohnen, Mais und Maniok. Unter unseren Füssen knirschen halb verrottete Baumstämme und Äste. Grös-sere und kleinere Bäume, Büsche und bodennahe Pflanzen wechseln sich ab. Ein ziemlicher Gegensatz zur Nachbarfarm, wo sich trostlos ein Kakaobaum an den anderen reiht und der Boden maximal von etwas Unkraut bedeckt ist.

Wie im Garten Eden

Noch unreife Kakaofrüchte am Baum und

Dass die Farm von Bauer Salazar im Südwesten Ecuadors an einen chaotischen, immergrünen Garten Eden erinnert, ist gewollt. Dynamische Agroforstwirtschaft nennt sich das Ganze. Die Idee dahinter: Kakao in einer Umgebung anzupflanzen, die den Regenwald also die ursprüngliche Heimat der Kakaopflanze imitiert. Ein Konzept, das in Ecuador noch wenig Beachtung findet. Leider wurden in vielen Regionen die grossen, Schatten spendenden Bäume abgeholzt und durch Monokulturen ersetzt, sagt Petra Heid (51), Leiterin Nachhaltigkeit und Kommunikation bei Chocolats Halba. Die Farmer würden sich dadurch höhere Erträge erhoffen. Doch die Gleichung mehr Kakaobäume = mehr Früchte geht nicht auf. Da die Kakaopflanze nur kurze Wurzeln hat, geht in einer Monokultur die humusreiche Erde verloren. Nach wenigen Jahren läuft in diesen Plantagen ohne Dünger gar nichts mehr. Zudem werden die Pflanzen anfällig für Pilzkrankheiten wie etwa den Hexenbesen. Um Dünger und Pestizide zu kaufen, würden sich etliche Farmer verschulden. Und wenn die Erträge dann trotz allem zurückgehen, setzen viele Bauern auf den Anbau von Mais oder Bananen statt auf Kakao, weiss Petra Heid.

Misch- statt Monokultur

geöffnete Früchte nach der Ernte.

Einem Schoggihersteller wie Chocolats Halba macht solch eine Entwicklung natürlich Sorgen. Zumal die Tochterfirma von Coop konsequent auf fairen Handel und nachhaltigen Kakao setzt. In Ecuador hat Halba deshalb das Projekt Finca ins Leben gerufen, das vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit unterstützt wird. Gemeinsam mit der lokalen Kooperative Unocace und der Stiftung Swisscontact fiel im Januar 2016 der Startschuss.

Ziel des Projekts ist es, möglichst viele Farmer der Kooperative dazu zu bewegen, von Monokulturen auf Mischkulturen umzusteigen. In diesen können sie nebst dem Edelkakao Cacao National Arriba auch Früchte, Gemüse und Getreide ernten, für den Eigenkonsum verwenden oder auf dem lokalen Markt verkaufen. Hinzu kommen Edelhölzer, die den Kakaobäumen Schatten spenden und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Einnahmen generieren. Manche Pflanzen wiederum dienen in erster Linie als Biomasse. Die Bauern schneiden ihre Äste ab, lassen sie auf dem Boden verrotten und sparen damit den teuren Dünger.

Klingt ziemlich fabelhaft, nicht? Das einzige Problem bei der ganzen Sache: Mit guten Ratschlägen von Leuten aus anderen Ländern haben die ecuadorianischen Farmer schon so ihre Erfahrungen gemacht. Alle paar Jahre kommen wieder andere Leute aus den USA oder Europa und wollen uns sagen, wie wir unser Land zu bewirtschaften hätten, erzählt uns ein Bauer mit einer wegwerfenden Handbewegung. Deshalb setzt das Projekt FINCA auf Trainer genannt Facilitadores , lokale Kakaobauern, die nach einer intensiven Schulung anderen Bauern bei der Umstellung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Bisher arbeiten zehn Facilitadores, die je dreissig Bauern betreuen, für das Projekt. Manuel Salazar ist einer davon.

Der richtige Weg

Der nächste Schritt ist die Fermentation der frischen Kakaobohnen.

Die bisher einzige Frau, die diesen Job macht, heisst Margoth Borja.Die 26-Jährige bewirtschaftet zusammen mit ihrer Mutter 7 Hektaren Land. 5 Hektaren davon sind Kakao. Jeden Morgen fährt sie um sieben Uhr mit ihrem Motorrad los, um die ihr zugeteilten Bauern zu besuchen. Ihnen zeigt sie, wie sie die Bäume richtig zurückschneiden. Wie sie Äste von produktiven auf unproduktive Kakaopflanzen aufpfropfen können. Oder wie die jungen Pflanzen vor dem Austrocknen geschützt werden. Mit einer Machete halbiere ich einen Bananenstamm der Länge nach und lege die Hälften mit der Innenseite nach unten neben einen Kakaosetzling, erklärt sie. Was simpel klingt, hat einen grossen Effekt. Während konventionelle Farmen bei Dürre eine Mortalitätsrate von 50 Prozent haben, sind es bei Farmen, die bei Finca mitmachen, nicht einmal 10 Prozent.

Margoth Borja ist überzeugt vom Konzept der dynamischen Agroforstwirtschaft. Es ist der richtige Weg, sagt sie. Deshalb hofft sie auch, dass sich das Projekt gut weiterentwickelt. Denn: Je mehr Bauern dabei sind, desto mehr sehen andere Bauern, was es damit auf sich hat und versuchen es ebenfalls.

Tat Nr. 342

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