Die Waldhüter | Coopzeitung
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Taten statt Worte

Die Waldhüter

Dass Wald schützt, wissen die Menschen schon lange. Noch relativ jung ist das Wissen um die Schutzwaldpflege.

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Thomas Andenmatten
11. September 2017
Arbeiten im Schutzwald (v.l.) Lehrling Samuel Biderbost, Forstwart Matthias Lauber, Förster Fredy Zuberbühler und Forstwart Dominik Brantschen.

Arbeiten im Schutzwald (v.l.) Lehrling Samuel Biderbost, Forstwart Matthias Lauber, Förster Fredy Zuberbühler und Forstwart Dominik Brantschen.


Forst

Die Motorsäge fährt gnadenlos dem Stamm entlang und lässt die Äste wegspringen. Dann setzt Forstwart Dominik Brantschen (25) das Gerät am Stamm an und fünf Sekunden später liegt die kleine Fichte zerstückelt am Boden. Den Laien, der schon ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er einem Baum ein Blatt abreisst, mag das schmerzen, doch die Arbeit mit der Motorsäge ist keine zerstörende, sondern eine erhaltende, erklärt Förster Fredy Zuberbühler (56). Dass die Motorsäge das wichtigste Hilfsmittel des Försters ist, hängt mit der Art der Waldpflege zusammen. Jungwaldpflege nennt man das, was die Forstwarte im Schutzwald oberhalb Blitzingen im Goms VS tun.
Zuberbühler, der die Gommer Schutzwälder seit über 30 Jahren pflegt, stammt ursprünglich aus Appenzell. Man hört es noch heute, wenn er davon spricht, dass man vor allem die Leäche pflegen müsse und damit die Lärche meint. Sein Ziel sei es, einen stabilen Schutzwald aufzubauen, der durchmischt ist mit jungen und alten Bäumen. Deshalb schneiden die Forstwarte Lücken in den Wald. Wenn Licht auf den Boden fällt, wachsen neue Bäume. So kann der Schutzwald seine Funktion über lange Zeit erfüllen.
Aus der Geschichte weiss man, dass der Wald auch früher eine Schutzfunktion hatte. Nur: Damals überliess man die Natur sich selber. Der Wald überalterte, fiel irgendwann einer Krankheit oder dem Alter zum Opfer und konnte erst danach langsam wieder entstehen. In der waldlosen Zeit jedoch waren die Menschen in den Berggebieten den Lawinen und Murgängen ausgeliefert. Bei der dichten Besiedlung von heute wäre das undenkbar. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Schutzfunktion aller Wälder der Schweiz wird auf vier bis fünf Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Wald dient der Sicherheit

Die ältesten Bäume ob Blitzingen sind um die 700 Jahre alt, erzählt Zuberbühler und freut sich über jeden knorrigen Stamm. Da isch wondebar, meint er und staunt selber über die historischen Dimensionen. Die ältesten Lärchen standen wohl schon, als die Walliser noch zu Savoyen gehörten und auf dem Rütli ein neuer Bund entstand; ganz sicher aber, als das Gebiet noch intensiv beweidet wurde. Erst um die Mitte des 20.Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass Wald der Sicherheit mehr dient. Die meisten Bäume sind deshalb kaum älter als 70 oder 80 Jahre.
Das Holz der Bäume, die herausgeschlagen werden, wird zu Brennholz zerkleinert und als Pro-Montagna-Brennholz bei Coop und Coop Bau+Hobby verkauft. Der Preis für Brennholz ist zwar tief, sagt Willy Werlen (44), Geschäftsführer von Forst Goms, dennoch lohne sich der Verkauf. Weil wir Holz selber schlagen und hier durch eine Behinderteninstitution verpacken lassen, bleibt die ganze Wertschöpfung im Goms. Zudem fliessen 50 Rappen pro verkaufte Kiste Brennholz an die Coop-eigene Stiftung Patenschaft für Berggebiete, die mit diesem Geld wiederum Aufforstungsprojekte im Goms unterstützt.

Tat Nr. 234

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