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Taten statt Worte

Feines essen zum kleinen Preis

Eine warme Mahlzeit in guter Gesellschaft und erst noch Service wie im Restaurant: Beim Verein Shalom gibt es all dies für wenig Geld.

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Christoph Kaminski, Stefan Bohrer
18. Dezember 2017

Koch Martin Inhelder zaubert jeden Mittag ein Viergangmenü für die Gäste des Vereins Shalom. Unterstützt wird er dabei von Freiwilligen.


Spenden

Mit Freunden Glühwein trinken auf dem Weihnachtsmarkt, das Essen im Büro, Feiern mit der Familie: Weihnachten ist die Zeit des Schlemmens und der sozialen Verpflichtungen. Doch es geht nicht allen so: Menschen, die eine IV-Rente beziehen oder ausgesteuert sind, können sich solche Festessen oft nicht leisten oder sie haben das soziale Umfeld nicht. Auch ältere Menschen, deren Ehepartner gestorben ist oder die keine Familie mehr haben, sind oft einsam. Sie finden eine Anlaufstelle beim Verein Shalom in Winterthur ZH. Aber nicht nur sie. Jeder ist willkommen. Soziale Durchmischung ist uns wichtig, sagt Monica Del Popolo (49), die Sekretärin des Vereins. Dieser serviert jeden Mittag unter der Woche ein vollwertiges Viergangmenü für wenig Geld. Wir servieren das Essen bewusst, damit auch Leute, die sich einen Restaurantbesuch nicht leisten können, sich mal bedienen lassen dürfen. Zur Stammkundschaft gehört auch Max Michel (94). Eine Nachbarin hatte ihn auf dieses Angebot aufmerksam gemacht. Meine Frau ist gestorben und da ich fast nichts mehr sehe, kann ich nicht selber kochen, sagt er. Die Stimmung hier ist angenehm, das Essen gut und ich treffe flotte Leute.

Gute Planung ist gefragt

Das alles ist das Verdienst des Teams, das mit viel Herzblut bei der Sache ist. Doch damit ist es nicht getan, sagt Monica Del Popolo. Sie ist neben Koch und Putzfrau die einzige feste Angestellte des Vereins. Unterstützt werden sie von freiwilligen Helfern. Ohne deren Einsatz sowie Geld- und Warenspenden ginge es nicht. Zweimal pro Woche liefert die Schweizer Tafel Lebensmittel, die sie bei Grossverteilern wie Coop abholt und an Institutionen wie den Verein Shalom verteilt. Auch über die Aktion 2Weihnachten des Schweizerischen Roten Kreuzes, die Coop ebenfalls unterstützt, kann der Verein Lebensmittel beziehen: Vor allem lang haltbare Ware wie Pasta oder Reis helfen uns sehr, so Del Popolo.

Dass daraus feine Mahlzeiten entstehen, liegt in der Verantwortung von Koch Martin Inhelder. Die Arbeit in der Shalom-Küche ist für den 62-Jährigen eine andere Herausforderung, als er sie von früheren Stellen in 5-SterneHäusern und auf Hochseeschiffen kennt. Ich habe jeden Tag andere Helfer in der Küche. Man muss sich immer wieder neu aufeinander einstellen, erzählt er. Das ist sehr spannend.

Auch das Warenmanagement hat so seine Tücken. Fleisch zum Beispiel bekommen wir eher selten und nur wenig aufs Mal. Daher friere ich es immer sofort ein, erklärt Inhelder. Wenn er genügend zusammen hat, taut er es auf und verarbeitet es. Gemüse haben wir jedoch immer genug. Das kann ich frisch zubereiten. Was er am 22.Dezember als Weihnachtsmenü auftischt, verrät Martin Inhelder noch nicht. Nur so viel: Es soll und wird etwas Besonderes sein.

Tat Nr. 105

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