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Hilfe für die Bergler

Die neue Käserei macht auf der Grossalp endlich effizientes Arbeiten möglich, und auch der Wohnraum wurde modernisiert.

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zVg
25. September 2017
Francesco Silvestri kennt sowohl die Arbeit als Ziegenhirt als auch jene des Käsers. Beides hat seine Vor- und Nachteile, findet er.

Francesco Silvestri kennt sowohl die Arbeit als Ziegenhirt als auch jene des Käsers. Beides hat seine Vor- und Nachteile, findet er.


Sanierung

Sein Blick geht immer wieder hinauf zur Uhr, die neben dem Kupferkessel an der gefliesten Wand hängt Francesco Silvestri wartet auf den richtigen Zeitpunkt, um den Käsebruch in die Form zu geben. Bei dieser Arbeit kommt es auf die Minute an. Im vergangenen Jahr habe ich als Ziegenhirt gearbeitet da hat man viel mehr Freiheit, erzählt der 27-Jährige. Beide Tätigkeiten, das Hüten der Tiere ebenso wie das Käsen, hätten sowohl Vor- als auch Nachteile: Bei Regen bin ich froh, dass ich in der Käserei bleiben kann.
Michele Arcioni (36), Landwirt aus Bosco Gurin TI, führt die Grossalp seit 14 Jahren. Er erklärt, dass die Arbeit auf der Alp in diesem Jahr eine 180-Grad-Wende erfahren habe. Dies sei insbesondere den umfangreichen Verbesserungen zu verdanken, welche die Bürgergemeinde Bosco Gurin, Eigentümerin der im Maggiatal gelegenen Alphütte, vorgenommen hat. Dabei unterstützt wurde sie von der Coop Patenschaft für Berggebiete.

Umfassende Sanierung

Das Arbeiten auf der Grossalp wurde durch die Sanierung der Alphütte spürbar erleichtert. 

Heute haben wir eine moderne Käserei: bis zur Decke gefliest, ausgestattet mit einem grossen Kupferkessel mit 1400 Liter Fassungsvermögen und einer dazugehörigen Heisswasseranlage, die mit lokalem Holz betrieben werden kann, erklärt Arcioni. Dank dieser Massnahmen können wir nun effizienter arbeiten, uns auch um kleinere Dinge kümmern und vor allem die hygienischen Anforderungen erfüllen. Zuvor sei es trotz stundenlangem Putzen einfach nicht möglich gewesen, die optimale Sauberkeit zu erreichen. Auch das Wohnhaus der Alpenbewohner, die im Sommer von Mitte Juni bis Ende September auf 1800 Metern Höhe verbringen, wurde erneuert. Das Haus ist nun frisch verputzt, die Küche hat eine funktionelle Einrichtung und an den Fenstern wurden Fliegengitter angebracht.

Wichtig für das Maggiatal

Was als Kleinigkeit erscheinen mag, wird zu etwas Besonderem, wenn man hier oben sieben Tage in der Woche von fünf Uhr morgens bis spätabends auf den Beinen ist. Zudem sind die Bergbewohner den Launen der Natur ausgeliefert sie müssen ihren Alltag danach ausrichten.
Raffaele Sartori (47), Mitglied der Coop Patenschaft für Berggebiete, erklärt, warum sich seine Organisation für die Unterstützung des Projekts Grossalp entschieden hat: Es handelt sich dabei um eine der wichtigsten Alphütten des Maggiatals, die dringend saniert werden musste. Zudem werde dort hervorragender Käse produziert der unter anderem bei Coop erhältlich ist. Im Walserdorf Bosco Gurin, der letzten Ortschaft in der Sohle des Maggiatals, ab der man die Alp zu Fuss oder allenfalls mit Allradantrieb erreichen kann, befindet sich übrigens auch die kleinste Coop-Filiale der Schweiz ein Laden in der Grösse eines Wohnzimmers.

Die Laibe erhalten den letzten Schliff, bevor der Käse für mindestens 60 Tage gelagert wird.

Der kleine Unterschied

Die Grossalp ist geräumig und sehr sonnig gelegen ein grosser Vorteil: Diese Lage bedeutet, dass das Gras überall gleich schnell wächst, sagt Michele Arcioni. Der einzige Unterschied ergibt sich aus der Schneegrenze: der Schnee auf 1800 Metern Höhe schmilzt früher als auf 2000 Metern Höhe. Bei der Weidewirtschaft müsse man darauf achten, dass die Tiere vor allem das junge, frische Gras fressen, erklärt Arcioni. Dieses Jahr verbrachten gut 60 Kühe und über 200 Ziegen den Sommer auf der Grossalp. Die Spezialität, die hier oben produziert wird, sei im Tessin einzigartig, betont der Landwirt: Das DOP-Label* sieht einen Ziegenmilchanteil von maximal 30 Prozent vor das gibt dem Käse seinen typischen Geschmack.

Die Qualität stimmt

Zum Abschluss unseres Besuchs auf der Grossalp werfen wir einen Blick in die ebenfalls sanierte Schatzkammer den Käsekeller, in dem das Ergebnis der schweren Arbeit reift. Schon bevor wir die Rohmilchspezialität verkosten, können wir das in der Luft liegende Aroma geniessen. Die Holzregale sind nicht voll belegt aufgrund des trockenen Beginns der Alpsaison ist der Ertrag niedriger als im Vorjahr. Die Qualität wird jedoch genauso hoch sein. Der Alpkäse Vallemaggia DOP gelangt nach 60 Tagen Reifezeit in den Verkauf. Wir bevorzugen ihn jedoch etwas reifer: Dann hat er mehr Aroma und mehr Charakter darin sind sich Käser Francesco und sein Chef Michele einig.

* Denominazione di origine protetta (geschützte Ursprungsbezeichnung)

Tat Nr. 192

Hier finden Sie die Tat Nr. 192 Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick