Määähhh! In Südtirol blökt wieder das BrillenschaF | Coopzeitung
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Määähhh! In Südtirol blökt wieder das BrillenschaF

Dem Brillenschaf hatte beinahe die letzte Stunde geschlagen. Doch zwei Männer aus dem Villnösser Tal haben sich der Rettung der um ein Haar verschwundenen Tierart verschrieben.

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Pino Covino, Véronique Hoegger
01. Mai 2017
Die Väter des Brillenschaf-Revivals: Günther Pernthaler (links) und Oskar Messner.

Die Väter des Brillenschaf-Revivals: Günther Pernthaler (links) und Oskar Messner.


Slow Food

Jakob, nicht anfassen! Du bekommst einen Schlag!, ruft Oskar Messner aus. Sein Sohn, der seine Finger in den Elektrozaun stecken wollte, in dem rund dreissig Schafe eingezäunt sind, lässt davon ab und läuft unbekümmert auf einem Weg davon, der durch die auf 1300 Meter Höhe befindliche Gemeinde St.Jakob führt. Hier im Südtirol, am Fusse des gewaltigen, zu den Dolomiten gehörenden Furchetta-Massivs, vermarktet der Gastwirt und Koch das Fleisch der Brillenschafe. Die lustig wirkenden Tiere heissen so, weil der Bereich um ihre Augen, Ohrenspitzen und Mäuler dunkel gezeichnet ist. Unser Villnösser Tal ist die Heimat dieser Bergschafrasse, die im
18.Jahrhundert durch eine Kreuzung des Kärntner Brillenschafs mit dem Paduaner Schaf und dem Bergamaskerschaf gezüchtet wurde. Vor 15 Jahren gab es nur noch 250 Exemplare. Heute leben im ganzen Südtirol wieder etwa 3000 Tiere.

Wahrung der Biodiversität, traditionelle Herstellungsmethoden in der Region sowie faire Preise das sind die Ziele des Non-Profit-Vereins Slow Food, dem Oskar Messner angehört und der auch von Coop unterstützt wird. Wir möchten, dass unser Tal ebenso wie die gesamte Alpenregion unseren Kindern eine Zukunft bietet und einen nachhaltigen Tourismusansatz fördert, der die Umwelt und die Tiere respektiert, bekräftigt Messner. Vor allem das Wohl der Tiere ist ihm wichtig. Wir geben den Schafen Heu aus dem Tal und Futter, das aus einer Südtiroler Mühle stammt, keine Bestandteile von genmanipulierten Pflanzen enthält und zu 100 Prozent natürlich ist, erläutert der 43-Jährige.

Nun kommt auch Günther Pernthaler hinzu, Präsident des Südtiroler Verbands der Züchter von Brillenschafen, dem gut 80 Landwirte angehören. Sobald er die Einzäunung mit einem Futtereimer betritt, wird er mit erwartungsvollem Blöken begrüsst. Schafbock Monni nähert sich Pernthaler und lässt sich streicheln. Der 46-Jährige kommt gerade vom Schlachthof Brixen.

Winter im Freien

Die Schlachtung der Lämmer erfolgt, wenn die Tiere vier bis sechs Monate alt sind und etwa 30 bis 35 Kilogramm wiegen, meint er. So wird das Muttertier aufgrund der Trennung nicht traumatisiert. Pernthaler erzählt, dass die Schafe den Winter nicht im Stall, sondern draussen im Freien verbracht haben.

Das Experiment ist gelungen. Die Tiere haben keine Zuflucht in der Hütte gesucht, sondern sind selbst bei -12 C draussen in der Kälte geblieben. So hatten sie mehr Auslauf und frische Luft. Das Sonnenlicht, das für die Produktion von Vitamin D wichtig ist, hat sich auf ihre Gesundheit und die Zeugungsfähigkeit des Schafbocks positiv ausgewirkt. Und das Fleisch ist jetzt noch zarter und besser. Für das spezielle Fleisch hat Pernthaler Abnehmer in Bayern, Österreich und auch in St.Gallen gefunden. Ein gutes Zeichen. Aber ohne die Zusammenarbeit mit Coop, die unser Projekt unterstützt und unser Lammragout abnimmt, wäre der Fortschritt nur schwer zu erreichen gewesen, so Messner.

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