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Taten statt Worte

Die Energie, die aus der Kälte kommt

Coop produziert Eis, um Energie zu speichern. Was komisch klingt, hat seine Logik, denn in den Läden braucht es vor allem Kühlenergie.

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Philipp Zinniker
31. Dezember 2018

Im Eisspeicher wird der Strom … 

Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Darin sind sich Fachleute und Laien einig. Ganz oben auf der Sympathieliste: die Photovoltaik. Sie wandelt Sonnenenergie in elektrischen Strom um – ohne Geräusche, ohne Bewegung, ohne Abgase. Auch Coop rüstet die eigenen Gebäude, wenn immer möglich, mit Photovoltaik-Anlagen aus. Das Ganze hat nur einen Haken: Solarstrom fällt unregelmässig an. Scheint die Sonne, liefert eine Anlage unter Umständen mehr Energie, als der Laden braucht. Wenn aber Wolken die Sonne verdecken, liefern die Anlagen weniger Energie, und in der Nacht machen sie ganz Pause. Die Kühltruhen müssen aber auch nachts kühlen.

… der Photovoltaik-Anlage …

… der Verkaufsstelle in Etagnières gespeichert.

Die ideale Speicherform

Ingenieure wie David Guthörl (30), Leiter der Fachstelle Energie/CO2 bei Coop, versuchen daher, die tagsüber produzierte Energie zu speichern, damit man sie nachts verwenden kann. Das geschieht in einer neuen Verkaufsstelle in Etagnières VD mithilfe von Eis. Vom Dach und von der Fassade, die mit Solarzellen ausgestattet sind, fliesst tagsüber sehr viel Strom in den Laden. Mehr, als dieser braucht. Der überschüssige Strom kühlt einen Wasserspeicher, bis das Wasser gefriert. In der Nacht kann diese Kälte in den Kühl- truhen wiederverwendet werden. Die Ingenieure nutzen hier eine besondere physikalische Eigenschaft, die Energie des Phasenwechsels: Um kaltes Wasser am Gefrierpunkt in Eis umzuwandeln, ist sehr viel Energie nötig, etwa gleich viel, wie für das Erwärmen des Wassers von 0 auf 80 Grad Celsius benötigt wird. Umgekehrt setzt das Auftauen von Eis entsprechend viel Energie frei.

Eine moderne Verkaufsstelle braucht etwa 60 Prozent der Energie für die Kühlung. «Eis ist daher der ideale Energiespeicher. So hat die gespeicherte Energie schon die richtige Form, nämlich Kälte», erklärt Guthörl. Die Kühlenergie braucht nicht erst erzeugt zu werden. Zudem arbeite die Kältemaschine effizienter. So kann der Laden 90 Prozent der Energie aus der Photovoltaik- Anlage selber verwenden und viel Strom sparen.

Eis schlägt Batterie

Was hier so einfach klingt, ist technisch höchst anspruchsvoll. Die Anlage in Etagnières dient daher auch als Experimentierfeld, um herauszufinden, wie gross eine Photovoltaik-Anlage sein muss, damit eine maximale Eigenstromnutzung möglich ist.

Durch eine intelligente Steuerung können Eisspeicher helfen, das Stromnetz zu stabilisieren, denn wenn zu viele Solaranlagen gleichzeitig Strom einspeisen, müssten die Stromnetze ausgebaut werden, sagt Elimar Frank (44), Programmleiter «Solar- thermie und Wärmespeicherung» beim Bundesamt für Energie BFE. «Im Moment reichen die lokalen Netzkapazitäten noch aus, weil wir erst am Anfang stehen. In Zukunft müssen wir aber den Eigenverbrauch des Photovoltaik-Stroms verbessern.»

Die Anlage in Etagnières ist so innovativ, dass das BFE sie als Pilotprojekt unterstützt. «Es ist spannend, weil Coop dadurch mehr erneuerbaren Strom produzieren und selbst nutzen kann, ohne das Netz zusätzlich zu belasten», sagt Frank. Die Investitionskosten für einen Eisspeicher seien nach ersten Abschätzungen etwa gleich hoch, wie wenn man eine Batterie installieren würde. Durch seine Langlebigkeit schlage der Eisspeicher die Batterie aber deutlich. 

Tat Nr. 85

Wir senken den CO2-Ausstoss stetig

Wir haben uns 2008 das Ziel gesetzt, bis 2023 CO2-neutral zu werden. Um dies zu erreichen, reduzieren wir kontinuierlich unseren Energieverbrauch und setzen auf erneuerbare Energieträger. Bereits bis jetzt konnten wir Einsparungen von rund 100 Millionen Franken erzielen, die wir an unsere Kunden weitergeben.

Weitere Informationen hier: https://www.taten-statt-worte.ch/85