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Die Saat der Zukunft

Die Stiftung bioRe hat in Indien vor Jahren eine Saatgutforschung für gentechnisch freies Bio-Saatgut eingerichtet. Das ist nötig auch damit die Baumwolle für Naturaline-Kleidung wirklich Bio-Ansprüchen genügt.

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Berthold Baule, Stefan Hermann Siemer, Gilles Mauron
09. Juli 2018

Shreekant S. Patil entwickelt Saatgut für Bio-Baumwolle. Ein Bauer bringt seine Baumwolle zur Begutachtung. In Regalen ist das biologische, gentechfreie Baumwoll-Erbe Indiens gelagert.


Baumwolle

Nur wenn schon beim Saatgut strengste Regeln eingehalten werden, kann garantiert werden, dass die Baumwolle, die im Herzen von Indien angebaut und produziert wird, tatsächlich auch Bio ist. Dafür sorgt bioRe Indien, ein Unternehmen der Stiftung bioRe, mit Kontrollen, Tests und Analysen.

Die Saatgutforschung für Bio-Baumwollsamen verdankt ihre Existenz einem Zufall. Vor einigen Jahren stellte sich bei internen Routine-Tests heraus, dass ein Teil der Bio-Baumwollernte mit Spuren von gentechnisch veränderter Baumwolle verunreinigt war. Ein Tiefschlag nicht nur für das Unternehmen, das in Kasrawad im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh seinen Sitz hat. Sondern vor allem für die fast 4000 Bio-Bauern. Denn die Ernte musste zu einem deutlich tieferen Preis auf dem Markt verschleudert werden. Die Extra-Arbeit und der grosse Aufwand der Bauern der abgelaufenen Baumwoll-Saison waren umsonst.

Wie konnte es dazu kommen? Die interne Kontrolle stand vor einem Rätsel. Nach vielen Tests war die Ursache klar: Die Saatkörner waren der Knackpunkt, so Patrick Hohmann (68), Baumwollspezialist und Gründer der Stiftung bioRe. Ein Bauer hatte der Verlockung nicht widerstanden, konventionelles Saatgut einzusetzen, weil dies besser erhältlich war und das war gentechnisch verändert. Ein fataler Fehler. Und der Grund dafür, die interne Kontrolle auszuweiten und eine eigene Saatgutforschung aufzubauen.


Biologisches Erbe Indiens

Die Kontrolle tritt heute schon in Aktion, bevor ein Bauer das Bio-Saatgut kauft und zwar direkt vor Ort beim Verkäufer. Damit vermeiden wir eine unbeabsichtigte Kontaminierung auf den Feldern, so Hohmann. Eine weitere Analyse wird dann beim Bauern vor der Aussaat durchgeführt. Ausserdem gibt es zwei Untersuchungen nach der Baumwollernte. Sollten trotz allem doch Spuren von gentechnisch veränderten Organismen festgestellt werden, wird die jährliche Baumwollproduktion des Bauern abgelehnt.

bioRe geht aber noch einen Schritt weiter, denn die Problematik betrifft nicht nur die Bio-Baumwolle. Das gentechnisch veränderte Saatgut wurde in Indien vor 16 Jahren eingeführt, so Patrick Hohmann. Heute sind über 90 Prozent der indischen Baumwolle gentechnisch verändert. Das ist ein echtes Problem.

So nimmt die Saatgutforschung von bioRe eine zentrale Rolle ein: Wir sichern das biologische Erbe Indiens, so Shreekant S. Patil. Wissenschaftler lagern einheimische Bio-Saatkörner ein, um die Biodiversität zu erhalten. Zudem versuchen wir, durch Kreuzungen bessere Baumwollsorten für die biologische Landwirtschaft heranzuziehen, so der erfahrene Baumwollzüchter und Professor an der Universität Dharwad, mit dem bioRe Indien vor Ort eng zusammenarbeitet.

Jährlich werden bei bio-Re rund 70 Baumwollsorten unter biologischen Anbaubedingungen getestet. Die fünf besten sind demnächst marktfähig und dienen den Bauern als leicht zugängliches, garantiert gentechfreies Saatgut. Ausserdem testen Forscher verschiedene Anbaumöglichkeiten für Baumwolle von bio bis biodynamisch. Der Anbau erfolgt auch mit gentechnisch verändertem Saatgut. Wir haben aber festgestellt, dass die organische Saat langfristig eine konstante Produktion ermöglicht im Vergleich mit gentechnisch veränderten, bei der der Ertrag von einem Jahr aufs andere stark schwanken kann.

In Regalen ist das biologische, gentechfreie Baumwoll-Erbe Indiens gelagert.

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