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Taten statt Worte

Die wilden Kerle aus Irlands Norden

In der Irischen See werden Bio-Lachse gezüchtet, ohne Antibiotika, ohne Dichtestress und ohne Zeitdruck, dafür mit Leidenschaft und Erfahrung.

FOTOS
Christoph Kaminski, Charly Rappo/Arkive.ch
17. Dezember 2018

Trotz schönstem Juniwetter tragen die Mitarbeiter der Lachsfarmen das Ölzeug. So sind sie vor dem Wasser und den nassen Fischen geschützt.

Zuchtlachs

Was macht Bio aus?

  • Das Futter ist in Bio-Qualität.
  • Im Netz leben viel weniger Fische pro Kubikmeter Wasser.
  • Es werden nicht präventiv Medikamente gefüttert.
  • Um Schädlinge fernzuhalten, werden Putzerfische in die Netze gesetzt. 

Eingebettet in grüne Wiesen und umgeben von felsigen Hügeln liegt im Westen Irlands im County Galway die Fischzucht von Craig McCleane (50). Am idyllischen Bach Screb und – nach eigenen Angaben – mit dem «besten Wasser Irlands» lässt er hier seit 30 Jahren aus Lachseiern Jungfische heranwachsen. Jeweils im Dezember kommen die Eier aus einer norwegischen Zucht zu ihm. Etwa zwei Jahre wird es dauern, bis sich aus den winzigen orangenen Kügelchen fünf Kilo schwere Lachse entwickelt haben.

Immer unter Wasser

In den ersten vier Wochen nach dem Schlüpfen leben die Jungfische ausschliesslich von ihrem Dottersack, den sie noch unter dem Bauch tragen. Sobald sie bereit für feste Nahrung sind, ziehen sie in Wassertanks mit sechs Metern Durchmesser um. In jedem dieser Becken wachsen bis zu 150 000 Kleinstfische auf. Im Frühling sind die Tiere etwa fingerlang und werden in Aussenbecken gepumpt, wo das Wasser schon etwas stärker strömt. «So müssen sie das Wasser nicht verlassen», erklärt Craig Mc- Cleane. In Gruppen von 40 000 Fischen leben die Lachse hier bis im Hochsommer. Dann steht der nächste Umzug an: McCleane bringt sie in sogenannte Schwimmkäfige, die er in der Mitte eines Brackwassersees verankert hat. Hier, in der Übergangszone von Süss- zu Salzwasser, können sich die Lachse ans Meerwasser gewöhnen. «Wir füttern nicht nur mit Maschinen, sondern auch von Hand. So sehen wir, ob es den jungen Fischen gut geht», erzählt McCleane, während er mit Schwung eine Handschaufel voll Futter über die Wasseroberfläche schleudert. «Wenn sie ein Problem haben, sind sie an Nahrung nicht so interessiert wie sonst.»

Über Wasser sind nur die Schwimmer der Netze im Fjord von Kilkieran sichtbar.

Chef Craig McCleane füttert persönlich. Bei der Lachszucht ist halt alles Handarbeit:von der Fütterung bis zum Veredeln der Lachshälften.

Bei unserem Besuch im Sommer ist es den Fischen zu warm. Sie sind träge und schnappen langsamer nach den Futterpellets als sonst. Ende August haben die Lachse eine Grösse von etwa 15 Zentimetern erreicht. Per Helikopter fliegen sie nun in einem Wassersack auf dem schnellsten Weg zur Aufzuchtstation im Meer.

Immer in guten Händen

Ab jetzt sind die jugendlichen Fische in der Obhut von Bobby Kerr (62) und seiner Mannschaft. Das Team aus Matrosen, Fischern und Berufstauchern kümmert sich um die 16 Unterwassernetzkäfige mit 30 Metern Durchmesser, in denen je bis zu 18 000 Bio-Lachse schwimmen. Die Käfige sind in einem geschützten Kanal zwischen Inselgruppen und Festland verankert. Hier bleiben die Bio-Lachse bis Ende Sommer und erreichen ein durchschnittliches Gewicht von fünf Kilogramm. Das Füttern übernimmt jetzt eine Maschine. Während die Fische heranwachsen, hat das Team der Fischfarmer viel Arbeit damit, die Netze zu warten und sie algenfrei zu halten. «Im Sommer können die Algen und Muscheln, die sich an den Netzkäfigen festsetzen, alle zwei Wochen ihr Gewicht verdoppeln, wenn sie nicht entfernt werden.» Dann sinken die Netze oder reissen sogar. «Wir setzen dazu Taucher ein, denn die arbeiten ruhiger und der Stress für die Fische ist niedriger als beim Einsatz von Robotern», erläutert Bobby Kerr. Wenn die Lachse gross genug sind, werden die Schwärme in kleinere Gruppen geteilt und an die Oberfläche gedrängt. Hier werden sie abgefischt, anschliessend betäubt und getötet, bevor sie in den Eiswassertank des Kutters gleiten.

Immer frisch aus dem Meer

Für die Verarbeitung der Lachse ist die Irish Seafood Producers Group (ISPG) zuständig. Dahinter steht ein Zusammenschluss aus Lachszüchtern der Region. In der Fabrik werden die Fische gewaschen. Anschliessend nimmt eine Maschine die Lachse aus. Jetzt werden sie von Hand nach Gewicht sortiert und auf Eis gelegt. Anschliessend geht das Filettieren von Hand so schnell und mit so scharfen Messern vonstatten, dass man schon beim Zuschauen um seine Finger Angst hat.

Die Lachshälften werden verpackt, gekühlt und in die Schweiz nach Balsthal SO zur Dyhrberg AG zum Räuchern geschickt. «Wir räuchern noch traditionell in Altonaer Öfen, das heisst ohne Elektronik und über dem offenen Sägemehlfeuer», sagt Marcel Gyger (44), Produktionsleiter bei Dyhrberg, während er die pechschwarzen Ofentüren schliesst. «Was unseren Rauchlachs auszeichnet ist, dass wir ihm viel Zeit im Ofen geben, vier bis sechs Tage.» Stolz ist er auch, dass so gut wie keine Maschinen zum Einsatz kommen. Bis wir an Weihnachten feine Lachsfilets auf dem Teller haben, sind Züchter, Fischer, Matrosen, Taucher, Fahrer, Metzger, Räuchermeister und Techniker im Einsatz. In einem Punkt sind sie sich alle einig: Der Zuchtlachs bietet einige Vorteile gegenüber dem Wildlachs. Sie beteuern, dass er besser schmeckt. «Weil die Fische sehr viel weniger gestresst beim Fangen sind, als wenn sie auf See mit einem Schleppnetz abgefischt werden», vermutet Bobby Kerr. Und Craig McCleane schwört, dass es an der Liebe liegt, mit der er die Tiere züchtet.

Tat Nr. 134

Irischer Zuchtlachs

Beim Zuchtlachs setzen wir auf kleinere Produktionsstätten anstelle von grossen Monokulturen. Diese kleineren Lachszuchten befinden sich in Irland und sind von Bio Suisse zertifiziert. Regelmässig wird kontrolliert, ob die Züchter die Knospe-Richtlinien einhalten.

Weitere Informationen hier: https://www.taten-statt-worte.ch/134