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Taten statt Worte

Einsatz für bessere Hygiene

Die Schweizer Stiftung bioRe und Coop haben in Indien ein Hilfsprogramm für die Errichtung von Sanitäranlagen ins Leben gerufen. Von diesem Projekt hängen die Gesundheit, Sicherheit und Existenz zahlreicher Familien ab.

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Faeroj Sheik, AFP, Boethling
05. März 2018

Schüler demonstrieren gegen einen Missstand: 500 Millionen Menschen im Land (weltweit 2,5 Milliarden) haben keine Toilette.


Sanitäre Hilfe

Sunilsingh Rathod (33) ist Bauer und produziert in der indischen Region Kasrawad Bio-Baumwolle. In seinem Haus gibt es nur einen grossen Raum. Der dient gleichzeitig als Küche, Wohn- und Schlafzimmer. Hier lebt Sunilsingh mit seiner Frau und seinen Kindern, mit der Familie seines Bruders Praveesing (27) und mit seiner Mutter Bhagwati Bai (45) (sie war tatächlich 12 Jahre alt, als Sunilsingh auf die Welt kam). Insgesamt leben heute elf Menschen im Haus.

Sunilsingh Rathod und seine Mutter vor ihrem neuen WC.

An diesem Tag ist eine Vertretung von bioRe auf Besuch. bioRe ist die Schweizer Stiftung, die vor allem für die Naturaline-Produkte von Coop Bio-Baumwolle anbaut. Die beiden Brüder begrüssen die Gäste herzlich, die Frauen und Kinder halten sich im Hintergrund. Das Thema, das zur Sprache kommt, ist für alle etwas peinlich: Kürzlich wurden im Hinterhof Toiletten installiert.

Die Männer führen die Gäste zu dem kleinen Backsteinhäuschen mit farbigem Anstrich: eine Hocktoilette mit gekachelten Wänden. Einfach, aber funktional. Neben der Toilette führt eine Tür durch die Grundstücksmauer auf das angrenzende Land. Früher, bevor es die Toilette gab, verrichteten die Hausbewohner ihre Notdurft dort in der Natur. Dies ist nicht besonders hygienisch, aber es wird noch von der Hälfte der indischen Bevölkerung so praktiziert, also von etwa 500 Millionen Menschen. Mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit: Durch die Exkremente werden Boden und Wasser verschmutzt. Bakterien und Viren können sich verbreiten und unheilbare Darmkrankheiten verursachen. Dies ist einer der Hauptgründe für die hohe Kindersterblichkeit.

Zu wenig Geld, zu viel Tabu

Die Einrichtung sauberer Toiletten scheint ein einfaches Mittel zu sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Doch es gibt zwei Schwierigkeiten: das Geld und die Tabuisierung: Eine Toilette kostet zwischen 15'000 und 22'000 Rupien (220 bis 320 Franken), und das bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 12'500 Rupien, erklärt Suresh Verma, der bei bioRe für das Sanitärprojekt verantwortlich ist.

Projektleiter Aashish Joshi auf Inspektionstour.

Das zweite Problem ist kultureller Natur: Für viele Hindus ist es unrein, die Notdurft im oder in der Nähe des Wohnhauses zu verrichten. Deshalb ziehen sie es vor, dies in der freien Natur zu erledigen: Viele Frauen und Mädchen haben Angst, belästigt zu werden. Sie warten daher, bis es dunkel wird, und legen dann manchmal weite Strecken zurück, bis sie einen sicheren Ort finden.

Information ist wichtig

bioRe startete 2015 ein Projekt gegen diese Situation. Es umfasst zwei Dinge: Informationsveranstaltungen in den Dörfern, um das Tabu zu beseitigen, und technische und finanzielle Unterstützung für die Einrichtung von WCs. In den Schulen der Stiftung werden den Kindern auch grundsätzliche Hygienekenntnisse vermittelt. Darüber hinaus fährt ein Spitalbus durch das Land, in dem Ärzte die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren.

Seit Beginn des Programms wurden 255 Toiletten eingerichtet. Rund 20 befinden sich derzeit noch im Bau. Coop hat etwa zwei Drittel der Gesamtprojektkosten sowie weitere Aktivitäten von bioRe in Indien finanziert. Das Projekt ist so erfolgreich, dass die bioRe-Stiftung es fortsetzen will und nach weiteren Geldgebern sucht.

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