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Taten statt Worte

Frisch gefischt: Ein Leben für Bio-Regenbogenforellen

Seit Jahrzehnten betreibt August Nadler im aargauischen Rohr eine Bio-Fischzucht. Das freut nicht nur die Graureiher.

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Patrick Lüthy, zvg
29. Januar 2018

August Nadler mit einer Regenbogenforelle.


Ein guter Fang

Kühl ist es in diesen Wintertagen in Rohr AG. Das macht August Nadler aber nichts aus. In stoischer Ruhe steigt er zuerst in seine Neopren-Wathosen und dann ins Wasser. Genau gesagt in einen der vier wild verwachsenen Kanäle, in denen sich unzählige Forellen tummeln und die, kaum taucht ein Mensch beim Kanal auf, um Futter betteln. Nichts vermag die friedliche Stimmung zu stören. Selbst die Graureiher passen sich harmonisch in die Szenerie ein. Doch die gefallen August Nadler nur bedingt. Die gab es früher kaum hier. Unterdessen haben wir an Spitzentagen bis zu 30 Stück auf dem Gelände. Und die sind ganz schön hungrig. Um den Vögeln die Fresslust zu vermiesen, hat er über die Kanäle feinmaschige Schutznetze gespannt. Blöd nur, dass der ebenfalls seit geraumer Zeit wieder ansässige Biber grosse Löcher in die Netze reisst, was die Reiher dann wieder ausnützen. Aber was will man machen? Wenigstens ist der Biber Vegetarier, bemerkt Nadler lakonisch.

Verdenken kann man das den Vögeln nicht, denn was aus den Naturkanälen kommt, ist beste Qualität und natürlich Bio-Knospe-zertifiziert.

Ein wahrer Pionier

Die Nadlersche Forellenzucht war die erste Zucht ihrer Art in der Schweiz und wurde 2001 Bio-zertifiziert. Ich war dabei, als das Reglement zusammen mit Coop und Bio Suisse ausgearbeitet wurde, sagt der 67-jährige Familienvater stolz. Und: Eine grosse Umstellung war das für uns jedoch nicht, denn wir hatten schon immer sehr naturnah produziert. Und das geschieht bei Nadlers bereits in der dritten Generation. Schon 1912 verkaufte der Grossvater, eigentlich ein Drogist, Fische. Die Zucht, so wie sie heute besteht, stammt aus den 30er-Jahren. In den Kanälen finden sich zu rund 70 Prozent Regenbogenforellen, die im 19.Jahrhundert erstmals aus Amerika importiert wurden und die heute in der Gunst der Käufer ganz oben rangieren. Dazu kommen noch ein kleiner Teil an Bachsaiblingen und einige wenige einheimische Bachforellen, die aber im Verkauf kaum eine Rolle spielen.

Kein Mangel an Arbeit

Stolz ist August Nadler auf die hohe Qualität, aber auch darauf, dass er die Fische selber aufzieht. Dabei lässt er pro Jahr rund eine halbe Million Eier ausbrüten. Das ergibt unterm Strich circa 100000 Regenbogenforellen, von denen 60 Prozent bei Coop unter Naturaplan in den Verkauf gelangen.

Das gibt Arbeit. August Nadlers Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens. Feierabend ist dann, wenn alle Kanäle geputzt, die Fische gepflegt und gefüttert sind. Selbstverständlich mit biologischem Futter ohne chemische Zusätze. Logisch, dass ihm die Tiere am Herzen liegen. Fisch essen kann er trotzdem. Vorwiegend die eigenen. Einmal pro Woche mindestens. Schliesslich ist das die beste Qualitätskontrolle. Doch bei aller Liebe zu den Fischen, irgendwann ist genug. Deshalb gedenkt er sich zusammen mit seiner Frau zur Ruhe zu setzen.

Tat Nr. 161

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