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Taten statt Worte

Für Mensch und Tier

Die Arbeitskreise und Stallvisiten des Projektes Provieh von Bio Suisse bringt Bio-Bäuerinnen und -Bauern zusammen. Davon profitieren Mensch und Tier. Knospe-Bauer Robert Baumeler schätzt dies «rüüdig» – das bedeutet «sehr».

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Mischa Christen, Andreas Vetsch
15. Oktober 2018

Claudia und Robert Baumeler mit zwei ihrer 27 Kühe.

Vom Städtchen Malters LU geht es bergauf in Richtung Schwandenegg, dort gelangt man zum Bühl. Der Hof von Robert (49) und Claudia Baumeler (43) schmiegt sich hier an die Hügel, stellenweise ist das Gelände steil. 27 Kühe grasen rund ums Haus. Die Baumelers arbeiten seit sechs Jahren nach den strengen Richtlinien von Bio Suisse, aus Überzeugung und aus Liebe zu den Tieren. Am Projekt Provieh haben Claudia und Robert von Anfang an teilgenommen. «Bei Provieh dreht sich alles ums Tierwohl und die artgerechte Haltung, dabei spielen die Bäuerinnen und Bauern eine zentrale Rolle», erklärt Thomas Pliska (42), Leiter des Projektes bei Bio Suisse. «Wir wollen die Vernetzung der Bäuerinnen und Bauern fördern. Denn man lernt voneinander, wenn man sich mit Berufskolleginnen und -kollegen über Erfolge, aber auch Misserfolge austauscht», sagt Veterinärmediziner Christophe Notz (58) vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Die beiden haben Provieh vor fünf Jahren initiiert und aufgebaut.

Gemeinsam stärker

Mittlerweile nahmen an über neunzig Stallvisiten auf Bio-Höfen mehr als 2300 Bäuerinnen und Bauern teil. Daraus haben sich 35 Arbeitskreise in 16 Kantonen gebildet. Die Teilnehmenden treffen sich rund fünfmal im Jahr in Gruppen von rund 10 bis 15 Personen. Geleitet werden die meisten von den Bio-Bäuerinnen und -Bauern selber, die dafür eine Ausbildung zu Moderatoren durchlaufen. Es wird aber nicht nur geredet, man besucht sich bei den Arbeitskreistreffen gegenseitig auf den Höfen, um zu sehen, wie es die anderen machen. So verbreiten sich gute Ideen zur Haltung dank des Projektes schneller.

Für Robert Baumeler ist das ein wichtiger Aspekt. «Bei der Arbeit auf dem Hof kommt man ja selten mit anderen Bauern zusammen. Diese Arbeitskreise geben mir quasi einen Querblick. Das schätze ich ‹rüüdig›.» Claudia Baumeler: «Wichtig ist auch das Vertrauen zueinander. So tun sich immer wieder neue Perspektiven auf.» Diskutiert wird etwa über komplementärmedizinische Heilmethoden wie zum Beispiel Phytotherapie und Homöopathie oder die Fütterung. Dank der Arbeitskreise und Stallvisiten gibt es auf dem Hof der Baumelers zum Beispiel neue Liegeboxen für das Vieh, die sie bei einem anderen Bauern gesehen haben. Robert Baumeler: «Diese sind noch bequemer für die Tiere.»

Coop engagiert sich

Das Projekt ist nun für weitere drei Jahre finanziert, daran beteiligt sich auch Coop mit dem Fonds für Nachhaltigkeit. Unterstützung bekommt es zudem von den Coop-Kundinnen und -Kunden: Zum 25-Jahre-Jubiläum von Naturaplan erhält Provieh 500 000 Franken. Denn vom Verkauf der Naturaplan-Einkaufstaschen floss jeweils ein Franken in das Projekt. «Wichtig für den Erfolg von Provieh ist das breite Engagement der Bäuerinnen und Bauern sowie Beraterinnen und Berater der kantonalen Landwirtschaftsschulen», erklärt Thomas Pliska. «Und Coop leistet einen massgeblichen finanziellen Beitrag – das wissen wir sehr zu schätzen.»