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Taten statt Worte

Güllenenergie: Kleinbiogasanlage dank Kompensationsgeld

Coop kompensiert zum ersten Mal CO2-Emissionen im Inland freiwillig. Das kostet zwar viel, ist aber ökologisch sinnvoll.

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Philipp Zinniker - Infografik: Caroline Koella
08. Januar 2018

Bauer Andreas Ballif zieht die letzten Schrauben im Inneren der Biogasanlage fest. Heute gärt dort Gülle.


Klimaschutz

Keine Freude am Ganzen hat wohl nur der Hahn. Denn ihm fehlt jetzt der Miststock, auf dem er so unsere romantische Vorstellung vom bäuerlichen Leben sitzen soll, um seinen Harem an Hühnern zu kontrollieren. Aber da muss er durch, denn die Biogasanlage, die Bauer Andreas Ballif (46) in Twannberg BE seit Kurzem betreibt, bringt ansonsten nur Gewinner hervor: Gülle wird zu Biogas, daraus entstehen Strom und Wärme, und am Ende auch noch ein Dünger, der das Klima nicht belastet.

Aus der Gülle, die seine Kühe und Schweine hinterlassen, produziert Ballif Biogas. Dieses treibt ein kleines Blockheizkraftwerk (BHKW) an, das ihm pro Jahr rund 200000 Kilowattstunden Strom liefert. Das entspricht dem Verbrauch von 50 Durchschnittshaushaltungen. Die Abwärme des BHKW, nochmals rund 400000 Kilowattstunden Energie, nutzt er, um sein Wohnhaus, den Schweinestall und den Gärbehälter zu beheizen, in dem das Biogas entsteht. Weil der Dünger, der am Ende des Gärprozesses bleibt, kein Methan mehr enthält, wirkt sich das positiv auf die CO2-Bilanz aus, denn das Methan in der Gülle ist ein Klimakiller. Es hat eine um den Faktor 30 grössere Wirkung als CO2.

Teure Kleinbiogasanlage

Die Kleinbiogasanlage ist ein Vorzeigeprojekt. Das Potenzial für solche Kleinbiogasanlagen mit Hofdünger ist in der Schweiz riesig, sagt Niklaus Hari (56), der seit 25 Jahren solche Anlagen baut und betreibt. Die auf Ballifs Hof ist für den Betrieb mit rund 300 Schweinen und 50 Kühen ausgelegt und hat knapp 700000 Franken gekostet. Ein Teil der hohen Kosten ist auf die Umweltauflagen zurückzuführen, weil Ballifs Hof in einer Gewässerschutzzone liegt. Aber auch ohne diese Auflagen, ist der Preis der grösste Nachteil von Kleinbiogasanlagen, gibt Hari zu. Ballif kann sie finanzieren, weil er selber viel Arbeit investiert hat und weil Coop sich im Rahmen der CO2-Kompensation finanziell beteiligt.

Coop kompensiert damit erstmals CO2 in der Schweiz, erklärt Christian Som (51) vom WWF. Das sei zwar teuer eine in der Schweiz kompensierte Tonne CO2 kostet sechs bis zehn Mal mehr als ein Gold-Standard-Zertifikat im Ausland , aber Coop gehe hier mit gutem Beispiel voran. Erst kürzlich hat nämlich das Stockholm-Environment-Institute in einer Studie festgestellt, dass das Angebot an Zertifikaten auf dem Weltmarkt so gross ist, dass Zertifikate sehr günstig zu haben sind. Zu günstig, denn so entfällt die Lenkungswirkung, die im Kyoto-Protokoll und im Pariser Klimaabkommen vorgeschrieben ist. Es ist für Firmen günstiger, billige Zertifikate im Ausland zu kaufen als Anstrengungen zu unternehmen, CO2-Emissionen zu vermeiden.

Coop hofft nun, dass andere Firmen diesem Beispiel folgen und es sich leisten, CO2-Emissionen im Inland zu kompensieren. Kleinbiogasanlagen lassen sich bei den heutigen Rahmenbedingungen sonst kaum finanzieren. Es ist kein billiger Strom, den wir produzieren, sagt Ballif, aber er tut viel fürs Klima.

Tat Nr. 356

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