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Taten statt Worte

Schäfchen unter dem Weihnachtsbaum

Shropshire-Schafe arbeiten zwischen den Tannenbäumen der Familie Wälchli als Rasenmäher und Düngerlieferanten. Die angehenden Weihnachtsbäume aber schonen sie. Das spart Pestizide und Kunstdünger.

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Philipp Zinniker
10. Dezember 2018

Während Pascale Wälchli die zu schlagenden Bäumchen markiert, betätigen sich ihre Schafe als Rasenmäher.

Auf Niki (6) kommt es an. Niki ist die Chefin der 90-köpfigen Schafherde auf dem Hof Wäckerschwend in Oschwand BE. Die Herde hat eine spezielle Mission auf der zwölf Hektaren grossen Weihnachtsbaum-Plantage: Sie muss das Gras zwischen den Bäumchen kurzhalten, darf die frischen Triebe der Bäumchen selber aber nicht mal mit dem Hintern anschauen. Sagt Niki «auf gehts, Mädels!», machen sich die Schafe über das nachwachsende Grün her. Fehlt ihr die Lust und macht sie sich auf den Weg Richtung Stall, verweigern auch die übrigen Tiere die Arbeit.

«Alle zum Metzger»

Gras fressen, Bäumchen stehen lassen: Was die Weihnachtsbaum-Bauern Pascale (48) und Paul Wälchli (62) von ihren Schafen verlangen, widerspricht deren Naturell. Kaum eine Rasse ist dieser Anforderung gewachsen, Wälchlis Shropshire-Schafe schon. Als sie 1998 die ersten fünf Tiere gekauft hatten, schickten sie sie des Nachts probehalber auf eine abgezäunte, kleine Fläche ihrer Plantage – am nächsten Morgen stand das Gras noch in voller Pracht, die Bäumchen aber waren allesamt verbissen. «Am liebsten hätte ich die Viecher zum Metzger gebracht», sagt Paul Wälchli.

Dass sie das Prinzip Gras-fressen-Tännchen-stehenlassen begriffen, hatten die Shropshire-Schafe schon vielerorts bewiesen. Aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Haben die Tiere Stress, zum Beispiel zu wenig Platz zum Weiden, bauen sie diesen mit Tannenbäumchen-Beissen ab. Machen sich Würmer in ihren Gedärmen breit, bekämpfen sie diese mit dem Fressen von Koniferen-Zweigen. Und fehlen ihnen Mineralsalze, kompensieren sie dies mit dem Verzehr von Nadelbaum-Trieben. Dass sich der Mineralsalzbedarf übers Jahr verändert und von Tier zu Tier verschieden ist, macht die Sache nicht einfacher.

Paul und Pascale Wälchli fanden nach und nach heraus, was für ihre Schafe und damit für die Weihnachtsbäume und damit auch für sie selber das Beste ist. Heute lassen sie ihre Herde in der Nacht auf einer grossen Fläche weiden. Kehrt sie am nächsten Morgen zurück in den Stall, stehen fünf Kessel mit verschiedenen Mineralsalzen bereit, aus denen sich die Tiere instinktiv bedienen. Und eine jährliche Entwurmungskur ist Standard.

Rasenmäher und Dünger

Paul und Pascale Wälchli produzieren jedes Jahr 6000 bis 7000 Weihnachtsbäume und haben eine Schafherde, die in Spitzenzeiten im Frühling bis zu 200 Tiere umfasst, davon 100 Lämmer. Die Produktion von Schaffleisch ist zu einem zweiten Standbein ihres Betriebs geworden.

Doch die Tiere sind empfindlich. Stets lauern Bakterien, die eine Klauenfäulnis verursachen können. Oder Schmeissfliegen legen ihre Eier auf das Fell der Schafe; bleiben sie unentdeckt, machen sich die Maden nach dem Schlüpfen auf den Weg Richtung Haut und beginnen, diese bei lebendigem Leibe anzufressen.

Dank des aufmerksamen Umgangs mit den Tieren haben Wälchlis diese Probleme weitgehend im Griff. Und so kürzen die Tiere nicht nur das Gras unter den Bäumen, sie sorgen auch gleich für die nötige Düngung. Schafe statt Pestizide und Kunstdünger. Natürlicher gehts kaum. So Niki denn will.

Tat Nr. 300

Schweizer Weihnachtsbäume

Jahr für Jahr verkaufen wir Tausende von Weihnachtsbäumen, die in der Schweiz angepflanzt und grossgezogen werden. Damit stärken wir die regionale Produktion und vermeiden lange Transportwege. Übrigens: Die Nordmanntanne ist mit 98 Prozent die beliebteste Sorte in der Schweiz – gefolgt von der Rot- und der Blaufichte.

Weitere Informationen hier: https://www.taten-statt-worte.ch/300