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Taten statt Worte

Verwerten statt wegwerfen

Die Wintersaison im «Soup & Chill» in Basel hat begonnen. Hier bekommen täglich bis zu 100 randständige Menschen eine warme Suppe – zubereitet aus Lebensmittelspenden.

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Kostas Maros, zvg
19. November 2018

Claudia Adrario de Roche von «Soup & Chill» freut sich über die Warenanlieferung von Klaus Krattenmacher und Shane Chu (rechts) von der Basler Schweizer Tafel. Auch Blumen, um das Lokal zu verschönern, sind willkommen.

Kurz vor zehn fährt der Lieferwagen mit der Aufschrift «Schweizer Tafel» vor dem Lokal «Soup & Chill» vor, das sich hinter dem Bahnhof Basel SBB befindet. Erwartungsvoll steht Claudia Adrario de Roche (63) unter der Eingangstür. Was heute wohl an Esswaren geliefert wird?

Das Kühlfahrzeug ist vollgestapelt mit Kisten. Klaus Krattenmacher (53) und Zivildienstler Shane Chu (27) von der Schweizer Tafel Region beider Basel laden die Kisten mit Früchten, Gemüse, Salat, Brot und Kleingebäck sowie Grossgebinde mit Reis aus. Für die Basler Tafel sind täglich Freiwillige mit fünf Fahrzeugen unterwegs, die bei Grossverteilern wie Coop überschüssige Lebensmittel abholen und damit rund 100 regionale Hilfsorganisationen gratis beliefern. Pro Tag werden so durchschnittlich drei Tonnen Ware verteilt.

Heute gibt es einige Kisten ins «Soup & Chill» zu schleppen. Claudia Adrario packt mit an. Die Frau mit abgeschlossenem Studium in klassischem Gesang und Frühgeschichte ist eine Macherin, die sich auf verschiedenen Bühnen des Lebens bewegt. Vor zwölf Jahren hat sie mit zwei Mitbegründerinnen «Soup & Chill» ins Leben gerufen. Seither engagiert sie sich unermüdlich für Randständige und versucht mit sozialen Kulturprojekten Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, mit jenen, die mehr Glück im Leben haben, zu verbinden.

Wärmstube

Der Verein «Soup & Chill» beschäftigt acht Mitarbeitende. Das gleichnamige Lokal hat sozusagen eine Doppelfunktion. Untertags wird der Raum als Restaurant «du coeur» genutzt, ein Beschäftigungsprogramm der Kantone Basel-Stadt und Baselland: Täglich gibt es ein Menü suprise, wofür jeder Gast so viel bezahlt, wie er kann und möchte. Im Winter, von November bis März, öffnet das «Soup & Chill» jeden Abend von 17 bis 21 Uhr seine Türen für Bedürftige und Obdachlose – ausser an Heiligabend. Hier bekommen sie gratis ein Essen, meist eine reichhaltige Suppe, und können sich aufwärmen.

«Soup & Chill» ist eine Institution. Allabendlich kommen etwa 100 Gäste hierher, am Wochenende gar bis zu 140. Die Lebensmittel von Schweizer Tafel entlasten das Budget. Haupteinnahmequellen sind Subventionen vom Kanton und Spendengelder von Stiftungen, Institutionen und Privaten. In der Wintersaison 2017 wurden etwa 15 000 Gäste verköstigt. «Dabei mussten wir für den Lebensmitteleinkauf nur 7000 Franken ausgeben, das sind knapp 50 Rappen pro Essen», rechnet Claudia Adrario vor.

Die Abendgäste sind in die Arbeit eingebunden: Sie decken den Tisch, räumen ab oder helfen beim Abwasch. «Das funktioniert sehr gut», schildert Adrario die friedliche Situation. Das Lokal ist gepflegt: Fotos hängen an den farbigen, von den Gästen gestrichenen Wänden, Blumen stehen auf den Tischen. Sauberkeit und eine wohlige Atmosphäre sind Claudia Adrario wichtig, denn sie ist überzeugt: «Wenn das Elend einmal reingekrochen ist, kriegt man es nicht mehr raus.»

Mehr Infos über den Spendenanlass

Tat Nr. 105

Wir spenden Lebensmittel und Geld

Wir überlassen seit 2005 einen wesentlichen Teil der Lebensmittel, die qualitativ einwandfrei sind, jedoch nicht mehr verkauft werden dürfen, den sozialen Organisationen Schweizer Tafel und Tischlein deck dich. Wir unterstützen die Organisationen zudem mit jährlich je 175 000 Franken.