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«Better Cotton» überzeugt

Kleider fair und nachhaltig zu produzieren ist nicht einfach. Coop stellt jetzt auch für die Baumwoll-Kleider der Marken Nulu und Sergio die richtigen Weichen.

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Kuni Takahashi; Infografik: Caroline Koella
04. März 2019

Durch die «Better Cotton Initiative» lernen Indiens Baumwoll-Bauern, weniger Wasser und Pestizide einzusetzen.

Bei der Ernährung ist es klar: Bewusst und umweltfreundlich essen heisst, mehr Bio-Produkte verwenden. Das Angebot ist riesig. Das hilft Produzenten, Kunden und der Natur. Aber wie steht es mit Kleidern? Denken Sie an die Bauern, die für Ihre T-Shirts Baumwolle anpflanzen? Denken Sie an die Näherinnen?

Umweltbewusste Konsumenten kennen wohl die Coop-Naturaline-Kollektion, die seit über 20 Jahren ausschliesslich aus fair gehandelter Bio-Baumwolle hergestellt wird. Hier lässt sich die Produktionskette von A bis Z rückverfolgen, genmanipuliertes Saatgut ist verboten.

Bis 2020 sollen nun 80 Prozent der Baumwoll-Kleider der Coop-Marken Sergio und Nulu nachhaltiger hergestellt sein. Nulu ist die wichtigste Coop-Modemarke für Frauen, das Pendant für Männer heisst Sergio. Für diese Kleider und für die Coop-eigenen Heimtextilien gelten neu die Mindestanforderungen der in Genf angesiedelten «Better Cotton Initiative» BCI. Das Programm wurde 2005 vom WWF mitbegründet.

Die BCI-Anforderungen drehen sich in erster Linie um den nachhaltigen Anbau des meist aus China, Pakistan und Indien stammenden Rohstoffs. Die Baumwoll-Initiative zielt darauf ab, möglichst wenig Pestizide und Kunstdünger zu verwenden und die Felder optimal oder womöglich gar nicht zu bewässern. Für all dies sowie zur Förderung besserer Arbeitsbedingungen gibt es für die Baumwoll-Bauern Schulungen. «Wer Pestizide, Dünger und Wasserverbrauch vermindert, senkt die Kosten und verdient mehr» erklärt Sabine Loetscher (38), WWF-Textilverantwortliche.

Durch BCI steige die Bodenqualität und «weniger Pestizide heisst gesundheitlich mehr Sicherheit für die Bauern», ergänzt Loetscher.

All diese Vorteile führten beim Coop-Nachhaltigkeits- team um Projektleiterin Anna Vetsch (34) zum Entscheid, alle textilen Eigenmarken auf BCI umzustellen. «Auch wenn die Kunden einzelnen Baumwollkleidern nicht ansehen, ob sie aus BCI-Produktion stammen, unterstützen sie mit dem Kauf eines Nulu- oder Sergio-Shirts die Schritte in die richtige Richtung», erklärt Vetsch. Die Lieferanten müssen auch Sozialstandards einhalten.

Giftfrei soll es sein

Punkto Umwelt ist das Detox-Commitment mit Greenpeace wegweisend. Coop hat dieses 2013 als erstes Schweizer Unternehmen unterzeichnet und seither im Bereich giftfreie Textilien einiges erreicht. «Für die Textilien unserer Eigenmarken dürfen bestimmte giftige Chemikalien ab 2020 nicht mehr eingesetzt werden», verdeutlicht Vetsch. Zur Überprüfung dieser Anforderungen untersuchen externe Prüfinstitute die Abwässer von Färbereien auf unerwünschte Chemikalien hin. Denn gerade in solchen Betrieben wurde und wird teilweise noch schwer gesündigt.

Ein weiteres Anliegen der Coop-Expertin ist die Verlangsamung des Textilkonsums. Ein Nein zu «Fast Fashion» bedeutet zum Beispiel, dass es bei Nulu und Sergio Basic-Modelle gibt, die sich mit Saison-Modellen kombinieren lassen. Jede und jeder kann selber durch die richtige Pflege (Waschen, Bügeln, Trocknen und Flicken) dazu beitragen, dass Textilien lange leben. «Und abgelegte Kleidungsstücke sollten weitergegeben und weiter genutzt werden», sagt Vetsch. Damit dies klappt, arbeitet Coop mit der Organisation Tell-Tex zusammen: Bei über 500 Läden stehen Sammelcontainer, in welche man alte Kleider einwerfen kann.