Blühstreifen im Chabisland | Coopzeitung
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Blühstreifen im Chabisland

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Daniel Desborough, Sutterstock
14. Oktober 2019
Bio-Bauer Walter Hadorn setzt zum Schutz seiner Kohlköpfe auf Blühstreifen, die Insekten anziehen.

Bio-Bauer Walter Hadorn setzt zum Schutz seiner Kohlköpfe auf Blühstreifen, die Insekten anziehen.

Es blüht und summt im Gürbetal. Doch die Chabisköpfe rollten im Juli noch nicht. Seine ersten Kohlköpfe erntet Bauer Walter Hadorn (57) jeweils Mitte August, die letzten Ende November, insgesamt 70 Tonnen. Weisskohl zur Produktion von Sauerkraut baut Familie Hadorn auf ihrem Land in Toffen BE seit Generationen an. «Es hat sich viel getan, seit meine Grosseltern die Ernte mit dem Rosswagen transportierten», erklärt der Landwirt. Zum Setzen der jungen Chabispflänzchen und zum Rüsten sind heute Maschinen im Einsatz, doch geerntet und gejätet wird immer noch von Hand. Zu jäten gibt es viel. Seit 1965 führen Hadorns den Hof nach den Richtlinien von Bio Suisse.

Vor drei Jahren betrat Walter Hadorn Neuland und legte mitten durch eines seiner Kohlfelder einen Blühstreifen an. Diese Innovation entstammt dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, das mit Coop und mit Betrieben wie der Schöni Swissfresh AG zusammenarbeitet. Letztere veredelt das Produkt der Kohlbauern zu unterschiedlichen Sauerkraut-Varianten. Ihre 15 Bio-Produzenten animiert Geschäftsführerin Andrea Schöni (48) zu Blühstreifen. Schöni-Sauerkraut gibt es seit bald 100 Jahren. Der Gründer und Urgrossvater der heutigen Schöni-Generation hat schon in den 50er-Jahren Reformhaus-Sauerkraut hergestellt. «Und unser Bio-Sauerkraut war 1987 eines der allerersten Bio-Produkte bei Coop», betont Andrea Schöni.

Auf dem Feld in Toffen wächst rechts des drei Meter breiten Blühstreifens der bereits recht grosse Jaguar-Chabis und links die Sorte Typhon. Und in der Mitte schwirren Bienen und andere Insekten von Blume zu Blume. Die vom FiBL ausgetüftelte Blühstreifen-Samenmischung besteht aus Buchweizen, Kornblumen, Futterwicken und Klatschmohn: alle hübsch anzuschauen, aromatisch duftend und voller Nektar. Die angelockten Marienkäfer fressen gerne Kohlschädlinge wie die Blattläuse. Andere nützliche Insekten wie die Schlupfwespen legen ihre Larven in die Larven der schädlichen Kohleulen, welche deshalb absterben. «Dank Blühstreifen reicht es, gegen die schwer bekämpfbaren Kohl- eulenraupen nützlingsschonende Bio- Insektizide einzusetzen», erklärt FiBL- Fachmann Luka Henryk (59).

Auch gegen die Kohlweisslingsraupen sprühen Hadorns bei Bedarf solche biologischen Mittel. Rein wirtschaftlich rechnet sich der Blühstreifen kurzfristig nicht. «Hier hätten einige Chabisköpfe Platz gehabt!», erklärt Walter Hadorn lachend. Als überzeugter Anhänger der Methode sieht er aber vor allem die Vorteile: «Der Blühstreifen ist gut für die Artenvielfalt und er wirkt sichtlich dem Insektensterben entgegen!».

Tat Nr. 186

Blumen gegen Schädlinge

Coop unterstützt das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL bei der Erforschung neuer Methoden gegen Kohlschädlinge. Die eigens entwickelten Blühstreifen locken Nützlinge wie die Schlupfwespe an, die Schädlingen an den Kragen gehen. Mehr Informationen unter: www.taten-statt-worte.ch/186