X

Beliebte Themen

Taten statt Worte

Die italienische Pasta aus dem Rheintal

Schnell, frisch und gesund soll sie sein, die Frischconvenience. Die immer zahlreicheren Naturaplan-Bio-Produkte sehen oft aus wie handgemacht. Doch wie viel Handarbeit kann da drin stecken? Ein Besuch in der Hilcona Taste Factory in Landquart zeigt: sehr viel.

TEXT
FOTOS
Heiner Schmitt
18. Februar 2019

So ein Tortello al limone müsste man sein. Nach der Geburt wird man liebevoll begutachtet und drapiert, in eine Wellnessbehandlung geschickt, ins Körbchen gebettet und von Frauenhänden sorgsam eingepackt.

Ja, eine Grossproduktion von Frischpasta stellt man sich irgendwie anders vor. Grösser. Automatisierter. Unpersönlicher. «Wir machen das nicht gross anders, als wenn Sie Pasta zu Hause selbst herstellen würden», sagt Werner Ott (55), Vertriebs- und Marketingleiter der Hilcona Taste Factory in Landquart GR. Die Produktionsstrasse der Naturaplan-«Tortelli al limone» ist tatsächlich überschaubar.

Die gewisse Italianità

Die Füllung, bestehend aus Eiern, Zitronen, Mozzarella, Ricotta und Mascarpone – selbstredend alles in Bio-Qualität – wird in Tupfern auf eine Teigbahn gesetzt. Eine zweite Teigbahn bildet den Deckel, eine Maschine stanzt die Tortelli aus. Dann folgt der «Wellness»-Teil: Dampfblanchierung, Trocknung, Abkühlung. Danach besitzen die halb getrockneten Teigwaren nur noch einen Was- seranteil von 20 Prozent, was sie von der hierzulande verbreiteten Nasspasta unterscheidet. «Dadurch behält der Teig die Bissfestigkeit, so wie italienische Pasta eigentlich sein sollte», erklärt Ott.

Kurze Wege: Vom Stanzen übers Verpacken und Wiegen in der Hilcona Taste Factory …

… bis auf den Teller vergehen im Idealfall nur zwei Tage.

Die Hilcona Taste Factory hiess früher Frostag und war auf Tiefkühlprodukte spezialisiert, bevor Hilcona sie Ende 2016 übernahm. Seither werden in Landquart die meisten vegetarischen Bio-Produkte von Hilcona wie die «Tortelli al limone» oder der Karma-Tofu hergestellt. Doch nicht nur.

Eiserne Disziplin herrscht deshalb bei den Abläufen: Vor einer Bio-Charge wird jeweils die Produktionsstrasse gesäubert, um Vermischungen mit konventionellen Produkten zu vermeiden. Denn wo die Bio-Knospe draufsteht, da ist kein Platz für Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, künstliche Farbstoffe oder Aromen.

Sind die Tortelli also erst einmal gefertigt, geht ihre Reise weiter. Flinke Hände verfrachten sie in Kartonschalen, wiegen und versehen sie nach dem Vakuumieren mit einer Kartonschlaufe, bevor es via Kühlraum und Lastwagen in die Läden geht.

Der Verpackungs-Spagat

An den Frischconvenience- Produkten wird oft der Plastikabfall kritisiert. Die Hilcona Taste Factory ist sich der Problematik bewusst und tüftelt laufend an noch nachhaltigeren Verpackungsmethoden und -materialien. Dabei gilt es, den anspruchsvollen Spagat zwischen wenig Abfall, Hygiene und Haltbarkeit zu schaffen. Während bei den «Tortelli al limone» dies mit einer Kartonschale und nur einer dünnen Plastikfolie schon recht gut gelungen ist, dürften in nächster Zeit bei anderen Produkten ebenfalls Verbesserungen spruchreif werden.

Das wichtigste Werkzeug der Hilcona Taste Factory ist aber die Qualitätskontrolle. Nach jedem Produktionsschritt werden die Erzeugnisse sorgsam geprüft. Wehe jenen Tortelli, die Mängel aufweisen. Ihnen droht eine kurze, aber immerhin sinnvolle Zukunft als Tierfutter. Aber auch die guten sind nicht zu beneiden, denn sie liegen in der Regel zwei Tage nach ihrer Entstehung schon in den Verkaufsstellen und werden kurz darauf verspiesen. Vielleicht ist so ein Leben als Tortello doch nicht so erstrebenswert. 

Tat Nr. 349

In der Schweiz ökologisch verarbeitet

Als grösste Anbieterin von Knospe-Produkten fördern wir nicht nur den einheimischen Anbau, sondern bevorzugen auch konsequent die Verarbeitung dieser Produkte in der Schweiz. Heute gibt es bereits über 900 Schweizer Verarbeitungsbetriebe, die nach den strengen Bio-Richtlinien produzieren.

Weitere Informationen hier: https://www.taten-statt-worte.ch/349