X

Beliebte Themen

Die Rettung der Orangenbäume

Die Zukunft des Bio-Orangensafts sieht düster aus. Eine Krankheit bedroht die Zitrusbäume weltweit und mindert deren Ertrag. Der Forscher Salvador Garibay sucht in Mexiko nach Lösungen.

TEXT
07. Januar 2019

Er freut sich, wenn es etwas zu ernten gibt: ein Orangenpflücker im mexikanischen Bundesstaat Veracruz.

Diaphorina citri – das klingt doch ganz hübsch. Dahinter verbirgt sich aber weder eine schöne Blume noch eine exotische Frucht, sondern ein Blattfloh, der die Zitrusbäume bedroht. «Citrus Greening» oder Zitruspest heisst die durch die Schädlinge übertragene Krankheit. Sie hat sich von Asien und Südafrika aus auf der ganzen Welt ausgebreitet. Es ist eine Frage der Zeit, bis sie auch in Europa auftritt. Ist ein Baum befallen, werden seine Triebe gelb, die Früchte bleiben klein und bitter. Schliesslich stirbt er ab.

Auch im mexikanischen Bundesstaat Veracruz tritt «Citrus Greening» vermehrt auf. Von hier kommen die Bio-Orangen für den Orangensaft von Coop Naturaplan. «Bis jetzt hatten wir zwar genügend Bio-Orangensaft, die Krankheit breitet sich aber rasant aus. Im schlimmsten Fall ist irgendwann nicht mehr ausreichend Rohstoff verfügbar», so Christof Fuhrer (45), zuständig für die Getränke der Coop-Eigenmarken. Entsprechend wichtig sei das Projekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Frick AG. Es erforscht seit 2011, wie man der Zitruspest Herr werden könnte. Der Coop Fonds für Nachhaltigkeit unterstützt das Projekt finanziell.

Simpel, aber effektiv

Salvador Garibay (56) gibt sich zuversichtlich: Man sei auf einem guten Weg. «Die Bio-Bauern haben erkannt, dass man etwas tun muss gegen diese Krankheit», sagt der Forschungsleiter des FiBL. Bewährt hat sich die Regulierung der sogenannten Begleitflora, also jener Pflanzen, die zwischen den Orangenbäumen wachsen. Sie werden im Bio-Landbau alternierend gemäht. So hat es ganzjährig Blüten auf den Plantagen und nützliche Insekten finden immer genügend Nahrung sowie Nistplätze, um sich fortzupflanzen. Solche Nützlinge sind zum Beispiel Marienkäfer, die die Zitrusblattflöhe fressen, oder eine Wespenart, die den Schädling parasitiert, indem sie ihre Eier auf ihm ablegt. Ausserdem nimmt durch diese Form der Bewirtschaftung die Biodiversität zu und einheimische Pflanzen kommen häufiger vor. «All das hilft, die Diaphorina citri zu reduzieren», so Garibay (vgl. Grafik).

Der gebürtige Mexikaner wünscht sich, dass vermehrt auch konventionell arbeitende Bauern dieses Begleitflora-Management übernehmen. Bisher setzen diese nämlich Herbizide ein, um die Begleitflora zu regulieren, und Insektizide gegen die Zitrusblattflöhe. Der ungewollte Nebeneffekt: Auch Nützlinge fallen den Mitteln zum Opfer und die Krankheit breitet sich umso schneller aus.

Wilde Flora in den Bio-Orangenhainen hilft den Nützlingen und so auch den Bäumen.

Augenschein vor Ort: Salvador Garibay (2. v. r.) besucht Orangenproduzenten in Mexiko.

Hilfe zur Selbsthilfe

Derartige Erkenntnisse den Bauern begreiflich zu machen, ist eine Herausforderung. Deshalb gibt es Anschauungsunterricht: Regelmässig führt Salvador Garibay Feldexkursionen durch. So sehen die Bauern mit eigenen Augen, was auf den Plantagen geschieht. Das FiBL-Projekt läuft noch bis mindestens 2020. Derzeit forschen Garibay und sein Team unter anderem daran, wie man die Pflanzenresistenzen erhöhen und die Pflanzenernährung verbessern kann. Denn: «Es geht nicht nur darum, die Schädlinge zu dezimieren. Wir müssen auch schauen, wie man den Baum darin unterstützen kann, sich gegen die Zitruspest zu wehren.» Die Arbeit geht dem Forscher also nicht aus. 

Tat Nr. 222

Kampf gegen die Zitruspest

Damit Säfte aus Zitrusfrüchten in Bio-Qualität auch weiterhin in unseren Supermärkten erhältlich sind, engagieren wir uns seit 2011 gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) dafür, ein Mittel gegen die Krankheit «Citrus Greening» zu entwickeln. Bis 2020 investieren wir dafür 585 000 Franken.

Diese und weitere Taten unter: www.taten-statt-worte.ch/222